Gedichte von Hafis

Im Spiegel deutscher Lieder

Holger Falk belebt mit seinem Hafis-Ensemble eine deutsche Tradition: Zusammen mit deutschen und iranischen Musikern entwickelt er die nach Hafis-Gedichten komponierten deutschen Lieder weiter und präsentiert sie einem interessierten Publikum. Von Ali Attar

​​"Ich kenne Hafis in erster Linie durch Johannes Brahms, den deutschen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. In Opus 57 von Brahms gibt es einige fantastische Lieder von Friedrich Daumer, der Hafis übersetzt hat. Diese Lieder schrieb Daumer angelehnt an Hafis."

Holger Falk ist Initiator eines Musikensembles, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die im 19. und 20. Jahrhundert nach Hafis-Gedichten komponierten deutschen Lieder wiederzubeleben und fortzuentwickeln - eine alte Tradition deutscher Klassiker und Romantiker, die mittlerweile in Vergessenheit geraten ist.

Deutsch-iranische Kooperation

Zum Hafis-Ensemble gehören außer dem deutschen Bariton-Sänger Holger Falk der Pianist Stefan Geier sowie drei iranische Musiker: der Komponist Farshad Mohammadi, der auch das iranische Instrument Santur (Hackbrett) spielt, der Perkussionist Babak Massali und die Sängerin Maryam Akhondi, die früher Mitglied der Schäl Sick Brass Band war.

Die Musik des Hafis-Ensembles ist eine Symbiose aus iranischer und deutscher Musik. Hier kommen nicht nur Instrumente wie Klavier und Santur gleichzeitig zum Einsatz, auch Texte des persischen Dichters und Mystikers Hafis, der im 14. Jahrhundert lebte, werden auf Deutsch und Persisch gesungen.

Hafis' Werke sind in einer Gedichtsammlung, dem "Diwan", Anfang des 19. Jahrhunderts nach Deutschland gelangt. Die deutsche Übersetzung wurde von bedeutenden Dichtern wie Johann Wolfgang von Goethe im "West-Östlichen Diwan" rezipiert.

Der deutsche Opernsänger Holger Falk singt die Texte in persischer Sprache, wenngleich er kein Persisch spricht. Er habe sich aber während eines Aufenthalts in Teheran mit der Melodie des Persischen vertraut machen können, erzählt er.

Wiederauflage alter Stücke

Während seines Studiums des deutschen Liedguts begegnete der Opernsänger immer wieder vertonten Gedichten von Hafis: "Ich muss zu meiner Schande gestehen, zuerst wusste ich nicht, wer Hafis ist.

Holger Falk; © http://www.oedp-hessen.de/partei/kandidaten/Holger_Falk.htm
Holger Falk ist Initiator des Hafis-Ensembles

​​Dann habe ich nachgeforscht, ob es noch andere Komponisten gibt, die Hafis-Texte oder deren Übersetzungen vertont haben, und festgestellt, dass es ungefähr 50 Lieder nach Texten von Hafis gibt. Es sind ganz unterschiedliche Komponisten, hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert."

Holger Falk begann daraufhin, alte deutsche Lieder neu zu arrangieren oder zu komponieren und dabei deutsche und iranische Musik zu verbinden. Auf der Suche nach einem Musiker, der sowohl mit iranischen Musik-Modi (Dastgah) wie auch mit europäischer Musik vertraut ist, lernte er den in London lebenden Musiker und promovierten Musikethnologen Farshad Mohammadi kennen.

Brücke zwischen den Kulturen

Farshad Mohammadi hatte zuvor bereits mit englischen Musikern zusammengearbeitet. Er habe bei seiner früheren Arbeit stets einen Bruch zwischen der abendländischen und orientalischen Musik empfunden, doch seit er sich mit Hafis beschäftige, sei diese Distanz überwunden.

Auch der Pianist der Gruppe, Stefan Geier, stellte Hafis in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Seiner Meinung nach überwinde der poetische Geist des Dichters jede kulturelle Grenze:

"Ich würde sagen, Hafis steht für ekstatische Begeisterung und Lebensfreude, für das Erfassen des Lebens, trotz aller Schwierigkeiten und Zerrissenheiten, und das ist mystisch verinnerlicht. Grundsätzlich findet Hafis in der klassischen persischen Musik die kongeniale Entsprechung. Ein solch großer Künstler, ein solch großer Dichter wie Hafis hat eine sehr große Ausstrahlung."

Die persische Musik sei nur das "Wohnzimmer" für Hafis, so Geier. Doch in Wirklichkeit verharre ein Dichter wie Hafis nicht im Wohnzimmer, er gehe hinaus auf die "Straße", in andere Städte.

"Das ist auch das Faszinierende: Hafis war und ist nicht nur Inspirationsquelle für die persische Gesellschaft, sondern über die Kontinente hinweg eine große Quelle der Inspiration."

Erfolgreiche Improvisationen

Trotz der unterschiedlichen melodischen Systeme in der persischen und der deutschen Musik sei der mystische Geist der persischen Musik auch in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts zu finden, so die Musiker. Die beiden Systeme unterschieden sich allerdings dadurch, dass die persischen Musik-Modis mehr durch Improvisation geprägt seien, während in der deutschen Musik die Harmonie groß geschrieben werde.

Nachdem die beiden Musiker in den Iran gereist waren und sich intensiv mit der persischen Musik auseinandergesetzt hatten, gab das Hafis-Ensemble ein erstes Konzert. Begleitet von Santur, einer persischen Urform des Hackbretts, begeisterte der Gesang sowohl das deutsche wie auch das iranische Publikum. Weitere Konzerte sind bereits geplant.

Ali Attar

© Qantara.de 2007

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