"Future Lab Tunisia"

Mit Musik die Herzen öffnen

Musiker werden - daran haben viele Kinder an einer Schule in Tunesien noch nicht einmal im Traum gedacht. Doch dann kam das "Future Lab Tunisia" - und eröffnete ihnen ganz neue Perspektiven. Von Myriel Desgranges

"Wenn man musiziert, öffnet man Herzen. Und genau das ist es, was wir hier machen." So beschreibt die freiberufliche Dirigentin und Projektberaterin Barbara Rucha das "Future Lab" in Tunesien - ein Projekt, das durch Musik individuelle Potenziale fördern will. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern des "Collège et Lycée Ibn Khaldoun" probte Rucha für das Eröffnungskonzert des Projekts, das am 9. Juni in Tunesiens Hauptstadt aufgeführt wurde.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt Zukunftslabor 2007 allerdings nicht in Tunesien, sondern in Deutschland. Es ist eine Initiative der Kammerphilharmonie Bremen und der Gesamtschule Bremen-Ost. Die Entscheidung des Orchesters, in den Räumlichkeiten der Bremer Schule einen neuen Probeort aufzubauen, legte den Grundstein für eine Zusammenarbeit, die elf Jahre später noch immer andauert.

Zu den Formaten des Zukunftslabors in Bremen gehören Projekte wie die Stadtteil-Oper Bremen, die Melodie des Lebens und andere Begegnungen im Schul- und Orchesteralltag, wie zum Beispiel Probenbesuche oder die Zusammenarbeit mit den Streich- und Bläserklassen.

Gemeinsames Musizieren zu fördern

Der pädagogische wie auch kulturelle Erfolg in Deutschland ermutigte das Zukunftslabor dazu, das Konzept auch in Tunesien umzusetzen. Seit Beginn des Jahres arbeiten daher Musiker des "Orchestre National Tunisien" (ONT) mit den Schülerinnen und Schülern einer tunesischen Schule zusammen und realisieren, ähnlich wie in Deutschland, verschiedene pädagogische Workshops.

Musiker der Bremer Philharmonie musizieren gemeinsam mit tunseischen Kindern und Jugendlichen; Foto: Future Lab Tunesia
Im klanglichen Dialog: Das Projekt Zukunftslabor ist eine Initiative der Kammerphilharmonie Bremen und der Gesamtschule Bremen-Ost. Die Entscheidung des Orchesters, in den Räumlichkeiten der Bremer Schule einen neuen Probeort aufzubauen, legte den Grundstein für eine Zusammenarbeit, die elf Jahre später noch immer andauert.

Die Initiative an der Schule der tunesischen Hauptstadt verfolgt drei Hauptziele: verschiedene soziale Gruppen zusammenzubringen, ein behütetes Umfeld zu schaffen und die persönliche Entwicklung der Kinder durch gemeinsames Musizieren zu fördern. Unterstützt wird die Initiative vom Auswärtigen Amt in Deutschland, dem tunesischen Bildungsministerium sowie der Kamel Lazaar Foundation, die sich für die Förderung künstlerischer Projekte im Nahen Osten und in Nordafrika einsetzt.

Das "Zukunftslabor" besteht aus verschiedenen Workshops. Die "Mélodie de la Vie" ("Die Melodie des Lebens") ist einer davon - ein Pendant zum deutschen Format. Der Workshop bietet den Kindern die Möglichkeit, ihre Ideen, Ängste und Hoffnungen künstlerisch darzustellen und sich so intensiv mit ihren Altersgenossen, den Musikern und den Pädagogen auszutauschen.

Freude am Spiel statt Leistungsdruck

Obwohl sich die Initiative aus vielen pädagogischen Aktivitäten zusammensetzt, ist es die Musik, die das Herz des Projekts ausmacht. Die Schülerinnen und Schüler können an Proben des Orchesters teilnehmen und gemeinsam mit den Musikern Konzerte auf die Beine stellen.

Sabri Mili ist Schüler am "Ibn Khaldoun" und eines von vielen Kindern, die am "Future Lab Tunis" beteiligt sind. Er freut sich sehr darüber, dass er durch das Projekt professionellen Musikunterricht bekommt und davon einiges mitnehmen kann: "Das Projekt hat mich einiges gelehrt, was mir auch zukünftig helfen wird", erzählt er. "Ich kann mir jetzt sogar vorstellen, ein großer Musiker zu werden, wenn ich fleißig weiterübe."

Leistungsdruck gibt es beim "Future Lab Tunis" nicht - weder von Seiten der Schule noch von den Musikern. Den Kindern wird freigestellt, wie intensiv sie sich bei den verschiedenen Aktivitäten einbringen wollen. Gerade deshalb lautet der Leitspruch: "Tu as toujours le choix!" ("Du hast immer die Wahl!").

Myriel Desgranges

© Deutsche Welle 2018

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