Fußball in Saudi-Arabien

Prinzen und Milliardäre als Förderer

Fußball ist im Königreich Saudi-Arabien Nationalsport. Gefördert wird er von Mitgliedern der Königsfamilie und von privaten Geldgebern. Aber auch wenn die Gehälter der Spieler eher niedrig sind, winken bei Erfolg saftige Prämien. Von Fares Youwakim

Fußball ist im Königreich Saudi-Arabien Nationalsport. Gefördert wird er von Mitgliedern der Königsfamilie und von privaten Geldgebern. Aber auch wenn die Gehälter der Spieler eher niedrig sind, winken bei Erfolg saftige Prämien. Fares Youwakim berichtet.

Saudi-arabische Nationalmannschaft; Foto: dpa
Seit 1994 qualifizierte sich die saudische Nationelf vier Mal hintereinander für die WM - ein Rekord, den vorher noch keine arabische Nationalmannschaft aufgestellt hatte

​​Das offizielle Interesse am Fußball fiel in Saudi-Arabien mit dem beginnenden Ölreichtum Anfang der 80er Jahre zusammen. Damals wurden moderne Stadien gebaut, aber auch Autobahnen, Krankenhäuser und Schulen. Der verstorbene König Fahd gehörte zu den Fußballförderern der ersten Stunde, und sein Sohn, Prinz Sultan, ist derzeitiger Präsident des Fußballbunds.

Bereits drei Mal gewann die saudische Nationalmannschaft den Asien-Cup, und seit der Weltmeisterschaft 1994 qualifizierte sie sich vier Mal hintereinander für die Weltmeisterschaft - ein Rekord, den vorher noch keine arabische Nationalmannschaft aufgestellt hatte.

Diese guten Ergebnisse trugen erheblich dazu bei, dass das Interesse am Fußball in Saudi-Arabien wuchs, und da die Regierung von jedem sportlichen Erfolg profitiert, wuchs gleichzeitig das Interesse der Prinzen am Fußball.

Hohe Prämien für die Spieler

Schon 1959 war der saudische Fußball-Verband gegründet worden, und noch im gleichen Jahr schloss man sich der FIFA an. Die Meisterschaft der saudi-arabischen Allgemeinen Liga umfasst zwölf Vereine, von denen "Al-Ittihad" und "Al-Ahli" aus Dschidda sowie "Al-Hilal" und "Al-Nasr" aus der Hauptstadt Riad zu den besten Vereinen zählen. Von dort kommen auch die meisten Nationalspieler.

Die Vereine sind professionell organisiert. Doch die Gehälter der Spieler liegen unter 3000 Dollar im Monat. Der Grund liegt in den Traditionen des Landes, nach denen es nicht zulässig ist, dass das Gehalt eines Profi-Sportlers das eines Universitätsprofessors übersteigt.

Die gezahlten Prämien für die Spieler übersteigen diese Summe allerdings erheblich. So beläuft sich das Jahres-Budget einiger Vereine auf zehn bis 15 Millionen Dollar. Es gibt jedoch keine Sponsoren, wie in Europa üblich, und die Einkünfte aus Wettkämpfen, TV-Übertragungen und Werbung reichen nicht aus. Wie diese Lücke geschlossen wird, erläutert Saad El Sabii, Leiter des Sport-Ressorts bei der Tageszeitung Al-Watan:

"Die Kosten sind gestiegen, als wir ausländische Trainer engagierten, und nun streiten sich die Vereine in Saudi-Arabien um die besten ausländischen Trainer und um den Abschluss von Verträgen mit den Star-Spielern innerhalb und außerhalb des Königreichs. Dies überfordert das Budget der Vereine, die sich auf die begrenzten Zuwendungen stützen, die sie von der Stiftung zur Betreuung der Jugend und des Sports erhalten. Unterstützt werden die Vereine durch die Spenden der Ehrenmitglieder und der Geschäftsleute, die diesen Vereinen angehören."

Jeder Verein hat einen Ausschuss von Ehrenmitgliedern, zu denen die Prinzen aus der Königsfamilie sowie milliardenschwere Geschäftsleute zählen. Deren Spenden bilden die Grundlage des Vereinsbudgets.

Auf Exklusivrechte verzichtet

Gleiches gilt für die Nationalmannschaft. So hat der Milliardär Mansur El Balawi, Präsident des Vereins "Al-Ittihad", Reise und Deutschlandaufenthalt für hundert saudische Fußballfans gespendet, und dies für jedes Spiel der Vorrunde, an dem die saudische Mannschaft teilnimmt.

Saleh Kamel, gleichfalls Milliardär und Chef von Arabic Radio & Television, besitzt die Exklusivrechte für die Übertragung der WM-Spiele in die arabische Welt. Er verzichtete auf seine Rechte innerhalb Saudi-Arabiens verzichtet, um dem saudischen Fernsehen die unentgeltlichen Übertragung der Spiele der – saudischen - Nationalmannschaft zu ermöglichen, nachdem König Abdallah den Wunsch geäußert hatte, die saudischen Bürger nicht von der Übertragung der Spiele auszuschließen.

Und sollte die saudische Nationalmannschaft bei der WM 2006 unter der Führung des brasilianischen Trainers Marcos Paqueta ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie bei der WM im Jahre 1994 und ins Achtelfinale kommen, dann können sich Spieler und Trainer über ordentliche Prämien freuen können. "Jeder Spieler erhält mindestens 150.000 Dollar, wenn er über die Vorrunde hinauskommt", so Saad El Sabii.

Dies ist jedoch nur ein Durchschnittswert: Die tatsächliche Höhe der Prämien richtet sich nach der Großzügigkeit der Prinzen und Milliardäre.

Fares Youwakim

© DEUTSCHE WELLE 2006

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