Der unerbittliche Angriff des Staates auf die Zivilgesellschaft erlebte seinen Höhepunkt in den letzten zehn Jahren. Viele Frauenrechtsorganisationen hatten Schwierigkeiten, Gelder zu akquirieren, ihre Registrierung zu erneuern oder Zugang zu bestimmten Gemeinden zu erhalten, während andere ihre Tätigkeit ganz und gar einstellen mussten. Sogar die Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag wurden abgesagt.

Unter diesen schwierigen Bedingungen führten "No to Women's Oppression" – deren Direktorin, Dr. Ihsan Fagiri, sich seit dem 22. Dezember 2018 in politischer Gefangenschaft befindet – ihre Arbeit fort. In ihren Kampagnen, einem monatlichem Forum und offenen Veranstaltungen klären sie darüber auf, welchen Herausforderungen Frauen im Sudan gegenüberstehen. Die Gruppe bringt Frauen verschiedenster politischer Gesinnungen und Professionen aus allen Teilen Sudans zusammen, um deren Bemühungen auf gemeinsame feministische Ziele auszurichten, und hat es so geschafft, zwischen ihnen ein Gefühl der Solidarität im Kampf gegen die Unterdrückung zu wecken.

Insbesondere unterstützt die Gruppe Frauen, die vom Gesetz – oft unter dem Vorwand des Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung – häufig ins Visier genommen werden, wie Verkäuferinnen aufgrund ihrer Berufstätigkeit.

Für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Sudan

Frauen beteiligen sich an Protesten im sudanesischen Omdurman am 10.3.2019; Foto: Getty Images/AFP
Gewachsenes Selbstbewusstsein: Auch Frauen beteiligten sich an den jüngsten Protesten gegen Langzeitdiktator Omar al-Baschir, einige von ihnen führten die Demonstranten in Städten wie Omdurman oder Khartum lautstark an. "Der Widerstand der sudanesischen Frauenrechtsbewegung bricht angesichts eines frauenfeindlichen Umfelds, in dem Gesetz und Politik gegen sie sind und die Annahme männlicher Überlegenheit tief verwurzelt ist, nicht ein", meint Wini Omer.

Bis heute wird eine Verletzung des Ordnungsrechts im Sudan als Stigma wahrgenommen, sodass viele Frauen lieber schweigend unfaire Gerichtsverhandlungen ohne Rechtsbeistand in Kauf nehmen, als für ihre Rechte einzustehen. „No to Women’s Oppression“ haben der Diskriminierung von Frauen viel öffentliche Aufmerksamkeit verschafft, sodass die Zahl derjenigen, die sich über ihre Erfahrungen mit der Ordnungspolizei öffnen, gewachsen ist.

Die sudanesische Frauenrechtsbewegung war stets sehr auf die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Frauen konzentriert. Unterdessen hat sich in der Justiz nicht viel bewegt. Wenn Frauen die Scheidung oder das Sorgerecht für ihre Kinder wollen, stehen sie in vielerlei Hinsicht von den patriarchalischen Gesetzen benachteiligt da.

Hier ist besonders das Gesetz über den persönlichen Status von Muslimen zu nennen. Dieses Gesetz legalisiert die Kinderehe, denn Artikel 40 gibt dem Vater das explizite Recht, seine Tochter ab dem 10. Lebensjahr zu verheiraten. Daher gehört der Sudan auch zu den Ländern mit der größten Zahl an Kinderehen weltweit.

Die "Sudanese Organization for Research and Development" (SORD) hat in zahlreichen Studien die sozioökonomischen Konsequenzen von Kinderehen, die schädlichen Auswirkungen gegenwärtiger Gesetze und den Einfluss patriarchalischer und diskriminierender Gesetze auf Frauen im Allgemeinen aufgezeigt. Eines ihrer Ziele ist es, den Zugang von Frauen zur Justiz zu verbessern, besonders an Familiengerichten, wo Frauen in endlosen Scheidungs- und Sorgerechtsverfahren feststecken – oft ohne Erfolg.

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