Natürlich haben sich die Streitkräfte weltweit allmählich Frauen geöffnet. Aber die Anzahl bleibt immer noch relativ gering. In den Vereinigten Staaten sind 15 Prozent des Militärpersonals weiblich. Im Vereinigten Königreich sind es zehn Prozent. In Indien liegt der Frauenanteil bei nur fünf Prozent und in Afghanistan bei lediglich vier Prozent.

Eine weitere Förderung der Frauenbeteiligung kann sogar noch wichtiger werden, da sich das Wesen der militärischen Aufgaben in vielen Regionen verändert. Viele Länder führen immer asymmetrischer werdende Kriege gegen Terrorgruppen. Das erfordert weniger direkte Kampfhandlungen als vielmehr effektive friedensschaffende Maßnahmen durch strategische Entscheidungsfindung, Informationsgewinnung und Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Die am stärksten betroffene Bevölkerungsgruppe in Konfliktgebieten sind Frauen und Kinder.

Das macht die Beteiligung von Frauen umso wertvoller. Frauen bieten Perspektiven, die in von Männern dominierten Organisationen normalerweise nicht anzutreffen sind. Wie Generalmajor Kristin Lund ausführte, ist zudem der Zugang zur lokalen Bevölkerung unbedingt erforderlich, um die friedensstiftenden Maßnahmen zu unterstützen. Und Frauen haben Zugang zu 100 Prozent der Bevölkerung, verglichen mit lediglich 50 Prozent der Männer – ein wertvoller Vorteil, beispielsweise für die Informationsgewinnung.

Saudi-Arabien König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman; Foto: Reuters
Schwierige Reformvorhaben für das Königshaus: "Die Öffnung des saudischen Militärs für Frauen ist zwar ein großer Schritt vorwärts. All diese Herausforderungen zu meistern, wird in Saudi-Arabien jedoch ganz besonders schwierig werden, da es sich um eine extrem patriarchalische und konservative Gesellschaft handelt, deren Kern die Ausgrenzung von Frauen bildet", meint Quratulain Fatima.

Damit Frauen ihr ganzes Potenzial als Angehörige des Militärs ausschöpfen können, muss man sich der immer noch herrschenden Diskriminierung und anderen Herausforderungen stellen. Sexuelle Belästigung kann Frauen ihren Ruf kosten, manchmal sogar ihr Leben. Und auf einer allgemeineren Ebene unterminiert die Geschlechtertrennung den esprit de corps, der im Militärdienst so wichtig ist.

Schwierige Ausgangslage in Saudi-Arabien

All diese Herausforderungen zu meistern, wird in Saudi-Arabien ganz besonders schwierig werden, da es sich um eine extrem patriarchalische und konservative Gesellschaft handelt, deren Kern die Ausgrenzung von Frauen bildet. Aber es gibt Schritte, die unternommen werden können und müssen, um den notwendigen Wandel zu vollziehen.

Zunächst einmal muss die Regierung erhebliche Veränderungen einleiten, von denen die PAF letztendlich viele umsetzte. Dazu gehört zum Beispiel, dass Frauen aus ausländischen Streitkräften eingestellt werden, um neue Rekruten zu trainieren; Frauen und Männern zu gestatten, miteinander zu interagieren; Maßnahmen zu ergreifen, die das Anzeigen von sexueller Belästigung und deren Ahndung ermöglichen; rigide patriarchale Strukturen aufzubrechen, indem flexible Arbeitszeiten eingeführt werden und Frauen strategisch einzusetzen, beispielsweise für friedensschaffende Maßnahmen.

Die Öffnung des saudischen Militärs für Frauen ist ein großer Schritt vorwärts. Einer, zu dem die Frauen selbst Erhebliches beitragen müssen. Aber als eine Frau, die diesen Weg vor weniger als zwei Jahrzehnten in Pakistan gegangen ist, weiß ich, dass es noch ein sehr langer Weg werden wird.

Quratulain Fatima

© Project Syndicate 2018

Aus dem Englischen von Eva Göllner

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