Frank Walter zum Todesurteil gegen Mursi: Demokratie hat keinen Sinn

Ein Sympathisant des „Islamischen Staates“ (IS) meinte zu mir: „Schau doch, was die Muslimbrüder in den 87 Jahren ihres Bestehens erreicht haben! Wir haben unseren Kalifen und unseren eigenen Staat mit einer islamischen Ordnung und einem Gebiet, so groß wie Großbritannien. Unsere Kinder leben in Sicherheit, und wir können als Muslime stolz mit erhobenem Kopf auf die Straße gehen.“ Auch die jüngsten Siege über die Truppen Assads in Syrien und die irakische Armee mit den Gebietsgewinnen in Syrien und der irakischen Provinz al-Anbar mit der Einnahme der Städte Palmyra und Ar-Ramadi dürften für viele Sympathisanten des IS als ein Beweis angesehen werden, daß diese Organisation sich auf dem rechten Weg befinde und Gottes Unterstützung genieße.

In Sachen Demokratie haben nicht nur die Muslimbrüder versagt, sondern mehrheitlich das ägyptische Volk. Die Ägypter hatten von der Regierung Mursi Wunder erwartet: sie sollte einfach so einmal eine Million Arbeitsplätze aus dem Ärmel schütteln u. dergl. Aber anstatt nach demokratischen Regeln friedlich gegen die Fehler der Regierung Mursi zu protestieren und sie weitere drei Jahre abzusitzen, um sie dann demokratisch abzuwählen, ließen sich viele von den noch im „tiefen Staat“ wirkenden Mitgliedern der alten Clique um das Militär zur Unterstützung eines Staatsstreiches hinreißen.

Nach Ibn Khaldun, dem Begründer der Sozialwissenschaften, neigen die Araber mehr dazu, sich in Stammesordnungen zu organisieren, wo einer die Macht ergreift und die Mehrheit der anderen dann seinem Befehl folgt. In zahlreichen arabischen Ländern, die sich eigentlich als Republiken mit einer demokratischen Ordnung definieren, haben Stammes- oder Parteiführer die Macht ergriffen, um in diktatorischer Weise ihr Land zu regieren, und versucht – in Syrien ist das gelungen – die Republik in eine verkappte Erbmonarchie umzuwandeln.

Daher sollte man klugerweise die vergeblichen Versuche beenden, den Arabern demokratische Ordnungen nach westlichem Vorbild aufzuzwingen, sondern sie dabei unterstützen, sich in einer gerechten Monarchie zu vereinigen.

Das alles zeigt, daß die Frage, ob Islam und Demokratie miteinander kompatibel sind, eigentlich nicht mit Religion zu tun hat, sondern mit den Wesensarten der jeweiligen Völker. Es gibt verschiedene Arten von Demokratie, und diese können, entsprechend der jeweiligen Umstände, besser oder schlechter als andere Regierungsformen sein.

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