Stundenlang wurden Gefangene an den Handgelenken aufgehängt, ihre Körper wurden in Gummireifen gequetscht, dazu kamen unzählige Schläge mit der Peitsche: Das waren die gängigsten Foltermethoden.

Baschar al-Assad und das Erbe seines Vaters

Die Folterpraxis in Syrien hat eine lange Tradition. Nach Angaben von Amnesty International hat Baschar al-Assads Vater Hafez bereits zu seiner Zeit 35 verschiedene Foltermethoden anwenden lassen. Assad Senior soll einige dieser Methoden von Nazi-Verbrecher Alois Brunner gelernt haben. Brunner war im Zweiten Weltkrieg mitverantwortlich gewesen für die Deportation von Hundertausenden Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. 1954 gelang es ihm, unter falschem Namen nach Syrien zu fliehen, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Nummer 72 wusste, dass es keine Hilfe für ihn geben würde. Er war nur einer von Tausenden Gefangenen. Repression gehörte zum Alltag, und die Bewohner von Homs, so wie Mizyed Khalid Tahad, mussten sich der Herrschaft des Regimes beugen. Er war einer von denen, die zu Beginn der Aufstände in Syrien auf die Straße gegangen waren und Reformen gefordert hatten. Die Proteste zogen den Zorn des Regimes auf sich.

Nazi-Verbrecher Alois Brunner; Foto: picture-alliance/dpa
In die Schule von NS-Verbrecher Alois Brunner gegangen: Der frühere syrische Diktator Hafez al-Assad soll von dem nach dem Zweiten Weltkrieg in Syrien untergetauchten Brunner zahlreiche Foltermethoden gelernt haben. Alois Brunner war einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher, er soll 2009 oder 2010 in Syrien gestorben sein. Er war enger Mitarbeiter Adolf Eichmanns und nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums für die Deportation von 128.500 Juden aus Österreich, Griechenland, Frankreich und der Slowakei verantwortlich.

Einer der Schergen ist Jamil Hassan, Chef des syrischen Luftwaffengeheimdienstes und einer der engsten Berater Assads. Der mächtige Geheimdienstchef soll dafür verantwortlich sein, dass seit 2011 Hunderte Menschen in syrischen Gefängnissen gefoltert wurden. In einem Interview 2016 sagte er, er hätte die Opposition gerne mit noch heftigeren Methoden in die Knie gezwungen. Hassan spielt auf das Massaker von Hama an. Das war 1982, als die syrische Armee die als Hochburg der Muslimbruderschaft bekannte Stadt angriff, um einen aufflammenden Aufstand der Muslimbrüder niederzuschlagen. 

Mizyed Khalid Tahad kann sich an die Ereignisse von 1982 nicht erinnern. Doch er lernte die Rücksichtslosigkeit von Baschar al-Assad kennen: Bilder von jungen verstümmelten Menschen aus Daraa waren im Fernsehen zu sehen. Die Menschen wurden gefoltert, weil sie regimekritische Graffiti an die Wand gesprüht hatten.

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