Ähnlich wie im Falle Tabbous sorgte Fersaouis Verurteilung für einen Sturm der Entrüstung. Mehr als 80 Menschenrechtsgruppen und Vereine sowie unzählige Aktivisten und Akademiker aus Algerien, Marokko und Tunesien verurteilten Fersaouis "willkürliche Inhaftierung" in einer gemeinsamen Erklärung vehement und forderten die Regierung zu einem unverzüglichen Ende der Repressalien und der bedingungslosen Freilassung aller politischen Gefangenen im Land auf.

Regierungskritische Presse im Visier der Behörden

Während derweil in den letzten Wochen Dutzende Hirak-Aktivisten von der "Juristischen Polizei" – einer der einflussreichsten Innenbehörden im Land – zu Vernehmungen vorgeladen und zu ihren politischen Aktivitäten ausgefragt wurden, gehen die Behörden inzwischen auch gezielt gegen die regierungskritische Presse vor.

Schon Ende März wurde der Korrespondent von "Reporter ohne Grenzen" und Mitbegründer der Internetzeitung "Casbah Tribune", Khaled Drareni, in Algier verhaftet. Der junge Reporter ist einer der prominentesten Journalisten des Landes und war 2019 im Rahmen von Demonstrationen bereits unzählige Male verhaftet worden, aber immer nach wenigen Stunden in Polizeigewahrsam wieder entlassen worden – unbehelligt von der Justiz. Im März jedoch leitete diese erstmals Ermittlungen gegen Drareni ein.

Demonstration für die Freilassung von Inhaftierten der Hirak-Proteste; Foto: picture alliance/abaca
Mit harter Hand gegen Hirak-Aktivisten und unabhängige Medienvertreter: In den vergangenen Monaten sind in Algerien immer wieder Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über die Hirak-Proteste verhaftet oder verhört worden. Algerien steht auf Platz 141 von 180 Staaten auf der Rangliste der Pressefreiheit. Strafverfolgung, willkürliche Festnahmen und Behördenschikanen machen unabhängigen Journalismus in dem nordafrikanischen Land riskant.

Nur eine Woche später verurteilte ein Gericht in Algier Sofiane Merakchi zu acht Monaten Gefängnis. Der für den libanesischen TV-Kanal Al-Mayadeen arbeitende Reporter war bereits im Herbst inhaftiert worden und der erste algerische Journalist, der nach seiner Verhaftung nicht wieder freigelassen, sondern von der Justiz vor Gericht gezerrt wurde. Mindestens zwei weitere Pressevertreter sitzen derzeit hinter Gittern, gegen drei weitere wurden Anfang April Ermittlungen eingeleitet.

Seit letzter Woche können derweil mehrere regierungskritische Nachrichtenseiten in Algerien nicht mehr aufgerufen werden. Die Behörden sperrten den Zugang zu den Webseiten der Medienportale "Maghreb Emergent" und "TSA Algérie" sowie des Internetradios "Radio M".

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