Bei der Kriminalität, einem weiteren Indikator für Integration, geht aus dem "Lagebild Kriminalität im Kontext von Zuwanderung" des Bundeskriminalamts hervor, dass Zuwanderer bei Mord, Totschlag, schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung überrepräsentiert sind - allerdings auch, weil unter ihnen besonders viele junge Männer sind, die allgemein häufiger bei diesen Delikten auffallen. Problematisch bleibt auch, dass es dem Staat nur selten gelingt, abgelehnte Asylbewerber wieder in ihre Heimatländer zurückzuschicken.

Dem CDU-Innenpolitiker Patrick Sensburg ist es wichtig zu unterscheiden: "Der Schutz für Flüchtlinge ist für mich in erster Linie als 'Schutz auf Zeit' zu verstehen. Wer herkommen möchte, um hier dauerhaft zu leben und zu arbeiten, dem stehen andere Wege offen, wenn er die nötigen Qualifikationen mitbringt und unsere Werte anerkennt."

Es gibt noch viel zu schaffen

Die Gesellschaft ist bis heute in der Migrationspolitik tief gespalten. Stabil rund 60 Prozent der Deutschen glauben, dass das Land die Flüchtlinge gut verkraften kann, 40 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat gesagt, das Jahr 2015 habe die "Spaltungslinie in der deutschen Gesellschaft offengelegt" und die Politik radikalisiert: "Der Sog zur politischen Mitte hin, den wir vorher gesehen haben, fand da ein Ende."

Hat es die Gesellschaft fünf Jahre nach Merkels berühmtem Satz geschafft? Der frühere Innenminister de Maizière sagt heute immerhin: "Wir haben viel geschafft." Sein Parteifreund Patrick Sensburg findet, Deutschland habe "die Flüchtlingskrise 2015 alles in allem gut gemeistert". Irene Mihalic von den Grünen kommt zu dem Schluss: "Integration geht nicht von heute auf morgen, und wir werden auf allen Ebenen weiter damit zu tun haben. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Migration für Deutschland eine große Chance ist, gerade mit Blick auf den Arbeitsmarkt und die demographische Entwicklung."

Studien des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sehen das ähnlich. Deutschland ist demnach auf dem Weg, es zu schaffen. Das DIW geht aber von noch vielen Anstrengungen aus, die sowohl die Geflüchteten als auch die Aufnahmegesellschaft leisten müssen.

Christoph Hasselbach

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