Flüchtlingspolitik in Deutschland

Fünf Jahre nach "Wir schaffen das!"

Vor fünf Jahren sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren nun berühmten Satz: "Wir schaffen das!" 2015 kamen innerhalb weniger Monate hunderttausende Migranten nach Deutschland. Ein Blick zurück und eine Bilanz. Von Christoph Hasselbach

Wohl in der gesamten langen Kanzlerschaft von Angela Merkel war bis heute kein Satz prägender als "Wir schaffen das". Er sollte Zuversicht angesichts einer großen selbstauferlegten Aufgabe ausstrahlen. Innerhalb weniger Wochen waren zehntausende Menschen vor allem über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. Viele saßen zunächst in Ungarn fest. Die meisten kamen aus Syrien, andere aus Nordafrika, dem Irak, Afghanistan. Merkel ließ sie einreisen, auch wenn eigentlich andere EU-Länder für sie zuständig gewesen wären; ein Asylanspruch sollte erst später geprüft werden.

Es wurden am Ende fast eine Million Menschen, die allein im Jahr 2015 einen Asylantrag stellten. Der damalige Innenminister Thomas de Maizière gab Mitte August dieses Jahres in der ARD zu, es habe "Momente des Kontrollverlusts gegeben". Sein Nachfolger, der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, CSU, nannte die Situation von 2015 sogar einmal eine "Herrschaft des Unrechts".

In der Rückschau fällt das Urteil der politischen Konkurrenz sehr unterschiedlich aus. Die Grünenpolitikerin Irene Mihalic findet: "Es war richtig, dass die Bundeskanzlerin die Grenzen damals nicht geschlossen hat. Die Alternative dazu wären chaotische Zustände im Herzen Europas gewesen mit einem nicht zu überschauenden Konfliktpotential". Der SPD-Innenpolitiker Lars Castellucci schränkt seine grundsätzliche Zustimmung allerdings ein: "Falsch war, dass unsere europäischen Partner nicht ausreichend eingebunden waren, das macht uns bis heute enorme Schwierigkeiten."

Gottfried Curio von der AfD meint dagegen: "Realistisch und verantwortungsbewusst wäre es gewesen, sich an Recht und Gesetz zu halten... Wären die Menschen von vornherein abgewiesen worden, hätten sich auch weniger auf den Weg gemacht und weniger wären im Mittelmeer ertrunken."

Anerkennung und Skepsis

Merkel hat mit ihrem Satz "Wir schaffen das" viele Menschen angesteckt. Im Ausland gab es große Anerkennung. Die "New York Times" schrieb am 5. September, Deutschland habe den Flüchtlingen "eine offene Hand ausgestreckt". Der Sender Al-Dschasira berichtete, dass "Deutschland seine Türen und Grenzen geöffnet hat für all die, die Zuflucht und einen sicheren Hafen suchen".

Doch von Anfang an glaubten Skeptiker, dass sich Deutschland überheben werde. Andere fragten, was genau zu schaffen sei und ob sich Deutschland überhaupt für so viele Menschen aus anderen Kulturen verantwortlich fühlen solle. Vielleicht kein anderer Satz Merkels hat deshalb zuletzt die Nation so gespalten wie "Wir schaffen das".

Die Redaktion empfiehlt