Fernsehen

Das WDR-Programm "Cosmo TV"

Fernsehen machen für Migranten aus der zweiten und dritten Generation - das ist das Anliegen von Cosmo-TV. Aber auch deutsche Zuschauer sollen für Themen aus dem Migrantenumfeld interessiert werden. Nadja Baeva sprach mit den Redakteuren.

Cosmo Tv

​​Im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland - Nordrhein-Westfalen - ist mehr als jeder zehnte Einwohner ausländischer Abstammung. Das TV-Angebot des Landessenders WDR spiegelt diese Tatsache allerdings kaum wieder. Das war der Hintergrund, als das höchste Gremium des Westdeutschen Rundfunks, der Rundfunkrat, beschloss, eine neue Sendung anzuregen. Entstanden ist "Cosmo TV", ein einstündiges Programm, das seit September letzten Jahres wöchentlich ausgestrahlt wird.

Jeden Samstag lädt das Fernsehmagazin "Cosmo TV" seine Zuschauer ein, sich mit dem Leben ihrer ausländischen Mitbürger zu beschäftigen. Die einstündige Sendung will für Deutsche und Migranten über Migranten berichten und Themen aufgreifen, die alle bewegen. So waren zum Beispiel der Kopftuchstreit, Weihnachten oder die Zwangsehe schon Thema der Sendung.

Flottes Magazin

"Der WDR hat schon lange Zeit so genannte 'Gastarbeitersendungen' gemacht", erzählt die Redaktionsleiterin Ingrid Skrobicki. "Es gibt seit über 30, fast 40 Jahren im WDR-Fernsehen Sendungen, die genau diese Zielgruppe ansprechen. Man hat aber dann irgendwann erkannt, dass man nicht ganz zeitgemäß ist in der Aufbereitung der Themen und in der Form, wie die Berichte dargestellt werden. Und daraufhin hat man bei uns die ersten Überlegungen angestellt, ein etwas zeitgemäßeres, jüngeres, flotter gemachtes Magazin zu entwickeln, mit dem wir vor allen Dingen die zweite und dritte Generation von Einwanderern ansprechen wollen."

Juri Rescheto, Foto: Cosmo Tv
Juri Rescheto

​​Das alte Konzept, nur über Probleme der Menschen nichtdeutscher Herkunft zu erzählen, wurde endgültig beiseite gefegt. Das internationale Team der neuen Sendung will Geschichten aus dem Alltag der Migranten in der zweiten und dritten Generation zeigen, um so den ausländischen und deutschen Zuschauern eine neue Perspektive auf das Leben ihrer Mitbürger zu eröffnen, so Juri Rescheto, einer der vier Moderatoren des Magazins. Er ist Journalist russischer Herkunft.

"Die Ausländer sind nicht nur diejenigen, die mit den Koffern am Bahnhof stehen, und nicht nur diejenigen, die betteln", sagt er. "Die Ausländer sind auch bunte, interessante, spannende Menschen, die uns Deutsche auch bereichern. Und ich glaube, je bunter wir dieses Leben zeigen, desto mehr entspricht es auch der Wahrheit. Aber wir versuchen nicht, in eine Richtung zu ziehen, wir versuchen, keine Schwarzmalerei zu machen. Das heißt auch nicht, dass wir alles schön malen".

Kulturelle Inseln in Deutschland

Das Gleichgewicht zu halten in der Berichterstattung über soziale Konflikte auf der einen und positive Beispiele aus dem Leben der Migranten auf der anderen Seite ist für die Autoren des neuen Magazins das Wichtigste. "Wir wollen auch gerne zeigen, dass es in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland viele kleine kulturelle Inseln von Menschen aus den anderen Ländern gibt," so die Moderatorin halbpersischer Herkunft, Isabel Schayani.

Isabel Schayani, Foto: Cosmo Tv
Isabel Schayani

​​"Die kommen dann hierher und bringen was mit, was zum Teil zu Konflikten führt. Wenn zum Beispiel die russischen Nachbarn ständig zu viele Schuhe vor der Haustür stehen lassen und die deutschen Nachbarn das wenig lustig und auch nicht geruchsfreudig finden, das ist die eine Seite. Und das andere ist: Was entsteht für eine neue deutsche Kultur dadurch? Da verändert sich auch unheimlich viel innerhalb von Deutschland".

Um alle Seiten des Lebens der Migranten gleichermaßen zu beleuchten, haben sich die Mitarbeiter des Magazins "Cosmo TV" eine passende Struktur für die Sendung überlegt.

Buntes Gemisch von Themen

"Wir haben drei Richtungen", so Juri Rescheto. "Erstens Aktualität: Themen, die nicht nur für Ausländer, sondern für alle aktuell sind. Dann sind das die Reportagen: Geschichten, die nicht brandaktuell sind, aber die wir aktuell machen dadurch, dass wir die Menschen darauf aufmerksam machen. Und dann sind da die bunten Geschichten, die zum Leben gehören, Lifestyle und Boulevard".

Jede Woche werden Gäste bi-kultureller Herkunft ins Studio eingeladen, die im Gespräch mit einem der beiden Moderatorenpaare über ihre persönlichen Lebenserfahrungen berichten. Alle Ausgaben von "Cosmo TV" haben einen Schwerpunkt.

"Das ausgesuchte Thema versuchen wir von verschiedenen Perspektiven aus zu betrachten," so Isabel Schayani. "Wir machen zum Beispiel etwas zum Thema Heiraten. Dann beschäftigen wir uns damit, was eigentlich die Vorteile einer arrangierten Ehe sind, bzw. ob es Vorteile gibt. Dann schauen wir, was das für einen Menschen bedeutet, wenn er eine Zwangsehe schließen muss."

Europa wird zusammenwachsen

Wie die Zuschauerresonanz eindrucksvoll zeigt, kommt die neue Samstagssendung bei den Migranten sehr gut an. Für die Redaktionsleiterin Ingrid Skrobicki ist das jedoch noch nicht genug:"Auch interessierte deutsche Zuschauer wollen wir erreichen, die erkannt haben, dass die Herausforderung der nächsten Jahrzehnte darin liegen wird, dass wir in Europa gemeinsam zusammenwachsen".

Nadja Baeva

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2004

Cosmo TV - samstags 14.00 bis 15.00 Uhr im WDR Fernsehen

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