Als Sufis strebten die Safawiden danach, ihre Dynastie als Theokratie zu erhalten. Sie holten eine Reihe schiitischer Gelehrter aus Bahrin und Dschabal Amil, südlich des Libanon, und überließen ihnen die Besetzung führender staatlicher Positionen. Einer der prominentesten Gelehrten, den die Sufis herbeiriefen, war Al-Muḥaqqiq al-Karakī.

Wie die übrigen herrschenden islamischen Dynastien versuchten auch die Sufis ihre Herkunft von den Quraisch abzuleiten. Sie behaupteten, sie seien Nachkommen von Mūsā al-Kāzim, dem siebten der zwölf schiitischen Imame. Ihre ethnische Zugehörigkeit bleibt jedoch bis heute umstritten. Sie waren höchstwahrscheinlich persischer, turkmenischer oder kurdischer Herkunft.

Charidschiten: Ethnizität spielt keine Rolle

Die Charidschiten waren über 14 Jahrhunderte hinweg die dritte Säule des politischen Islam. Der Begriff Charidschiten verweist auf Gruppen, die die herrschenden Autoritäten ablehnten und die nicht an den versprochenen alawitischen Retter glaubten.

Koraninschriften auf einer Fliese in Istanbul; Foto: Gavin.collins/Wikimedia Commons
Das Ende des Kalifats und des Osmanischen Reiches: Als Mustafa Kemal Atatürk am 3. März 1924 das osmanische Kalifat abschaffte, zog er damit nach 13 Jahrhunderten auch gleichzeitig einen Schlussstrich unter die bis dahin maßgeblichen politisch-religiösen Machtfaktoren im muslimisch geprägten Raum.

Scheich Bakir ibn Said Awasht schrieb in seinem Buch "Islamic Studies in Ibadi Origins", dass das Charidschitentum auf der Ablehnung der arabischen Ethnizität beruhte. Nach den Kriterien der Charidschiten wäre jeder Muslim, der die Verantwortung eines Führers übernehmen kann, berechtigt, Kalif zu werden, unabhängig von seiner Herkunft oder Hautfarbe.

Zwischen dem erstmaligen Auftreten dieser Gruppen im Jahr 657 in der Schlacht von Siffin (das Jahr 37 im islamischen Kalender) und dem Ende des ersten islamischen Jahrhunderts lässt sich feststellen, dass sich die Charidschiten im Großen und Ganzen an diese Prinzipien hielten. Die meisten ihrer Führer aus dieser Zeit entstammten arabischen Stämmen, die in keiner Weise mit den Quraisch verwandt waren.

Zum Beispiel stammte Abdullah ibn Wahb ar-Rasibi, Anführer der Charidschiten während der Schlacht von Nahrawan, aus dem jemenitischen Stamm der Azd. Qatari ibn al-Fuja'a, einer der herausragenden Köpfe der Charidschiten, gehörte zum Stamm der Banu Tamim. Nāfiʿ ibn Azraq und Najda bin Amer aus dem Stamm der Banu Hanifa waren die Gründer der dissidenten separatistischen Sekten Azraqiten und Najdia.

Mitte des 18. Jahrhunderts (das zweite im islamischen Kalender) bezeugten die Buyiden, einer der wichtigsten Zweige der Charidschiten, ihr Bekenntnis zu ihren politischen Prinzipien, die nicht arabischen Ursprungs waren. Sie wählten den Perser Abdul-Rahman ibn Rustom als ersten Imam für ihren Staat, der später große Teile des Maghreb beherrschte.

Beinahe zeitgleich fanden ähnliche Entwicklungen im Staat Banu Midrar, südöstlich von Marokko, statt. Khair Al-Din Al-Zirikli schrieb in seinem Buch "Al-Alam", die Saffariden hätten bei Gründung dieses Staates Isa ibn Yazid als ihren Imam eingesetzt. Man geht davon aus, dass dieser schwarzafrikanischer Abstammung war.

Dennoch erwies sich diese Entwicklung nicht so erfolgreich wie bei den Buyiden. Mit der Zeit überrannten Scharen von Berbern Sijilmasa. Die weißhäutigen Neuankömmlinge weigerten sich, von einem Schwarzen regiert zu werden. Nachdem dieser bereits 15 Jahre lang herrschte, rebellierten sie gegen ihn und töteten ihn im Jahr 771 (das Jahr 115 im islamischen Kalender).

Mohamed Yosri

© Raseef22.com

Übersetzt aus dem Englischen von Peter Lammers

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