Eine bemerkenswerte Änderung der Dialektik der herrschenden ethnischen Herkunft fand 1517 statt, als der osmanische Sultan Selim I. in der Schlacht von Ridaniya die Mamluken besiegte, den Kalifen Al-Mutawakkil III. zum Rücktritt zwang und damit zum ersten Kalifen türkischer Herkunft wurde. Seine Söhne und Enkel erbten den Kalifentitel, bis Mustafa Kemal Atatürk das islamische Kalifat abschaffte. Der letzte Kalif des Islam war Abdülmecid II.

Schiiten: Kalifen-Titel auf zwölf Personen beschränkt

Alle schiitischen Zweige stimmten darin überein, dass Kalifen Nachkommen von Alī ibn Abī Tālib sein müssen. Allerdings glaubten die zaiditischen Schiiten (die "Fünfer-Schiiten"), dass Alawiten, die die Anforderung an den Kalifen erfüllten, ebenfalls in Betracht kamen.

Die Zwölfer-Schiiten hingegen beschränkten den Kalifen-Titel auf zwölf Personen, von denen der letzte der Mahdi ist. Dieser erscheint nach dem Glauben der Zwölfer-Schiiten in der Endzeit und bringt Gerechtigkeit über den gesamten Erdball. Die ismaelitischen Schiiten glaubten, dass nur die Nachkommen von Ismāʿīl ibn Dschaʿfar Kalifen sein können.

Die persischen Buyiden waren ebenfalls Schiiten, aber sie riefen nie zur Gründung eines Kalifats auf, da der bisher noch nicht erschienene Mahdi der Kalif und Imam sei.

Fresco im Chehel Sotoun Palast zeigt die Schlacht von Chaldiran zwischen Osmanen und Safawiden im Jahr 1514; Quelle: Wikimedia Commons
Osmanisch-safawidisches Schisma: In der Entscheidungsschlacht zwischen Sultan Selim I. und Schah Ismail I. bei Tschaldiran im Jahr 1514 wechselten nach dem Sieg der Osmanen die kurdischen Feudalherren und lokale Fürsten die Seite. Sie kehrten den Safawiden den Rücken und beteuerten ihre Loyalität zu den Osmanen.

Zum Ursprung der Gründer des ismaelitischen Fatimidenkalifats gibt es viele Fragen und Zweifel. Nach vielen sunnitischen Geschichtsbüchern – darunter "Al-Bidaya wa-n-nihaya" (Der Anfang und das Ende) von Ibn Kathīr – stammt der Gründer dieser Dynastie, Abdallah al-Mahdi, nicht von Alī ibn Abī Tālib ab, wie zu jener Zeit behauptet wurde, sondern von Maimoon Al-Qadah, der vermutlich persischer Herkunft war.

Der Nachweis der Herkunft der Fatimiden ist nach wie vor schwierig, da die meisten Geschichtsbücher, in denen sie erwähnt werden, im Kontext heftiger doktrinärer und politischer Konflikte entstanden.

Der dritte schiitische Staat war die Safawidendynastie, die Anfang des 16. Jahrhunderts gegründet wurde (das zehnte im islamischen Kalender). Im Unterschied zu den Osmanen lehnten die Safawiden die Rolle des Kalifen ab, da die Zwölfer-Schiiten glaubten, es sei verboten, schon vor Ankunft des Mahdi die Flagge des Kalifats zu hissen.

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