Nach dem Sieg von Al-Maʾmūn schloss dieser Frieden mit den Persern und erhob Merv zu seiner Residenz und zum Sitz für die Herrschaft über Chorasan. Er blieb eine Zeitlang dort, kehrte dann aber unter dem Druck der Abbasiden nach Bagdad zurück, der Hauptstadt seiner Vorfahren.

Nach dem Tod Al-Maʾmūns im Jahre 833 war die Ethnizität erneut treibende Kraft, nur diesmal zugunsten der Türken. Der neue Kalif, al-Muʿtasim bi-llāh, war der Sohn einer türkischen Sklavin. Er knüpfte Beziehungen zu den in Zentralasien lebenden Turkmenen und rekrutierte diese für seine Armee. Mit ihren Anführern besetzte er zudem wichtige Positionen. Im Laufe der Zeit rebellierten diese allerdings gegen das Kalifat, töteten im Jahr 861 den Kalifen Al-Mutawakkil und ernannten seinen Sohn Al-Muntasir Billah zum Nachfolger.

Kalifen als Untergebene von Nichtarabern

Zu Beginn der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts (dem vierten Jahrhundert im islamischen Kalender) kam es zu einer drastischen Veränderung der dominierenden Ethnizität, als die Abbasiden in einer beispiellosen Schwächephase der persischen Buyiden-Dynastie Platz machten.

Abbasiden und Buyiden teilten sich fortan den Thron, wobei letztere zu den eigentlichen Sultanen wurden, die die Position des Kalifen in den Hintergrund drängten und zu einem bloßen Ehrenamt werden ließen. Und im 11. Jahrhundert (dem fünften im islamischen Kalender) trat schließlich das Seldschukenreich an die Stelle der Buyiden-Dynastie, während der Abbasidenkalif in seinem Palast in Bagdad unangetastet blieb.

Eroberung Bagdads durch die Mongolen; Quelle: wikipedia
Zäsur und temporärer Niedergang der islamischen Kalifate: Mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen endet die Glanzzeit der Abbasiden-Dynastie. Das mongolische Weltreich sollte sich in seiner Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert vom Pazifik bis nach Europa, vom Ural bis nach Ungarn erstrecken. Nur das britische Empire des 19. Jahrhunderts hatte noch größere Ausmaße.

Erstmals in der Geschichte der sunnitischen Kalifate hatte im Jahre 1063 der Abbasidenkalif Al-Qa'im bi-amri 'llah keine andere Wahl, als seine Tochter mit dem Seldschukensultan Tughril zu verheiraten, der vermutlich eine neue Dynastie türkischen und arabischen Ursprungs gründen wollte. Allerdings konnte dieser sein Vorhaben nie verwirklichen, da er ohne Nachkommen zu hinterlassen starb.

1258 drangen die Mongolen in Bagdad ein und töteten den Kalifen Al-Musta'sim bi-'llah. Einige Jahre später bestellte Mamlukensultan Baibars I. einen der Abbasiden nach Kairo und ernannte ihn zum neuen Kalifen Al-Hākim bi-amr Allāh.

Baibars' Vorgehen lässt sich als Schritt zur Legitimierung der Mamlukenherrschaft interpretieren, da sunnitische Mamluken wegen ihrer nichtarabischen Herkunft keine Kalifen stellen konnten. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie ursprünglich Sklaven unbekannter Herkunft waren.

Die Abbasidenkalifen unterschieden sich kaum von ihren Vorgängern, den Buyiden und Seldschuken. Zu ihren Aufgaben zählten vor allem die Leitung von Gebeten und öffentlichen Versammlungen.

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