Ernst-Friedrich Harmsen, 13. Februar 2007

zu: Startschuss mit Hermesbürgschaften, von Antje Bauer

Das Ilisu-Projekt ist nicht nur aus archäologischen und politischen Gründen zweifelhaft.

Viel gravierender ist der Umstand, dass die Region in einem Bereich schwerster Erdbebenerwartung liegt; und durch Staudämme wird nicht nur eine starke Belastung des Untergrundes erzeugt, sondern auch Wasser durch den Druck in die Klüfte der Gesteine eingepresst. Dadurch erhöht sich unter den vorhandenen geologischen Spannungen die Gleitfähigkeit der Schichten und damit die Erdbebengefahr.

Dass dies mit Hermes-Bürgschaften abgesichert wird, ist auch vom Sozialen her wenig sinnvoll in dieser Region Kurdistans. Es werden Bauern umgesiedelt werden, vermutlich in die Städte werden diese Familien abwandern und die sozialen Schwierigkeiten in den östlichen großen Städten erhöhen, in doppelter Weise ein Ergebnis, das von der türkischen Regierung kaum wirklich gewollt sein kann; es sei denn, sie zielt absichtlich auf die Erhöhung dieser Spannung in den kurdischen Bereichen, um wieder militärische Lösungen zu betreiben.

Auf der anderen Seite ist das Vorhaben auch gegenüber Syrien und Irak ein zweifelhaftes, da dieses Wasser dem gemeinsamen Gebrauch verloren geht und die Türkei eine weitere Machtposition einnimmt.

Wollen wir dafür tatsächlich Geld geben und Moral vergessen?

Ernst-Friedrich Harmsen
Geograph und Historiker
Gütersloh

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