Erneuerbare Energien am Persischen Golf

Sonne statt Erdöl

Immer mehr Staaten am Persischen Golf setzen auf erneuerbare Energien. Vorreiter auf dem Gebiet der Solarenergie sind die Vereinigten Arabischen Emirate mit einem ambitionierten Klima-Projekt in Abu Dhabi. Dort soll eine CO2-freie Stadt entstehen. Einzelheiten von Michaela Paul

Baustellenschild von Masdar-City; Foto: dpa
Zukunftswerkstatt "Masdar City": Die futuristische Öko-Stadt ohne Abfall oder Schadstoffausstoß soll zum Silicon Valley der Erforschung klimafreundlicher Energien werden.

​​ Mitten in der Wüste entsteht eine CO2-freie Öko-Stadt mit dem Namen "Masdar-City". Dort sollen bald bis zu 50.000 Menschen leben und arbeiten. Benzingetriebene Autos sind tabu und der Strom soll ausschließlich aus Solar-und Windkraftwerken kommen.

Rund 22 Milliarden US-Dollar investiert Abu Dhabi in das klimafreundliche Vorzeigeprojekt in der Wüste. Sultan Ahmed Al Jaber, Projektleiter von Masdar City, sagt: "Wir sind davon überzeugt, dass erneuerbare Energien die Zukunft sind. Deswegen müssen wir in die Entwicklung groß angelegter Projekte für erneuerbare Energien investieren."

Langsames Umdenken

Ein Großteil der Nahost-Region verdankt seinen Wohlstand zwar vor allem dem weltweiten Export von Rohöl. Doch Öl ist keine unendliche Energiequelle und die Ressourcen werden knapper.

Nicht zuletzt deswegen findet in der Region langsam ein Umdenken statt, sagt Johannes Kemanizis, Area Sales Manager der Solarworld AG in Bonn. Man könne verfolgen, dass auch in Nahost das Thema erneuerbare Energien mittlerweile wahrgenommen wird.

Vor allem die Golfstaaten spielen eine wichtige Rolle auf dem globalen Energiemarkt. Über 60 Prozent der weltweiten Erdölreserven befinden sich in diesem Gebiet. Wirtschaftlich gesehen ist das große Ölvorkommen im Nahen Osten aber ein zweischneidiges Schwert:

Einerseits sind Europa, die USA und Teile Asiens auf Ölimporte aus der Region angewiesen, was den ölfördernden Staaten hohe Export-Erlöse garantiert. Andererseits ist die Region selbst aber auch stark vom Exporthandel abhängig, der in vielen Nahost-Ländern einen Großteil des Bruttoinlandsproduktes ausmacht.

Die Alternative zum schwarzen Gold

Um sich wirtschaftlich unabhängiger vom Handel mit dem schwarzen Gold zu machen, suchen immer mehr Staaten der Region daher nach alternativen Energiequellen.

Milliardäre bauen in Abu Dhabi das Silicon Valley der Solarbranche; Foto: dpa
Mit den Öl-Einnahmen soll auch ein technologischer Quantensprung
gelingen: Abu Dhabi will bei der Nutzung erneuerbarer Energien künftig die Nase vorn haben.

​​Doch das ist nicht der einzige Grund für das wachsende Interesse an erneuerbaren Energien wie z. B. Solarenergie, sagt Johannes Kemanizis: "Nicht alle Länder in dieser Region sind erdölreich. Und der Strombedarf wird zunehmen. Es gibt eine sehr große Anzahl an Menschen, die keinen direkten Zugang zu Strom haben, um ihre tägliche Bedürfnisse abzudecken und da wird dann die Fotovoltaik interessanter werden."

Die arabischen Staaten zählen zu den Gebieten mit den meisten Sonnenstunden im Jahr. Während die Sonne in Deutschland durchschnittlich nur knapp drei Stunden pro Tag scheint, strahlt sie im Nahen Osten rund 9 Stunden täglich.

Beste Voraussetzungen also für den Einsatz von Fotovoltaik. Und tatsächlich fließen schon seit Jahren große Summen in die Solarforschung, sagt Fadel Lari vom kuwaitischen Ministerium für Öl:

"Bereits in den 1970er Jahren waren wir die Vorreiter auf dem Gebiet der Solarforschung in den Nahost- Staaten. Jetzt haben die Vereinigten Arabischen Emirate dieses Projekt gestartet, aber auch Saudi-Arabien investiert viel Geld, vor allem in die Solarenergieforschung."

Solarbetriebene Parkschein-Automaten

In anderen Teilen der Golfregion beschränkt sich der Einsatz von Solarstrom bisher eher auf den Betrieb kleinerer Anlagen wie Parkschein-Automaten. Denn nicht überall sind die nötigen finanziellen Mittel für größere Projekte vorhanden. Die Solaranlagen seien sehr teuer und die vielen Sandstürme in Kuwait zerstören oft die Solarzellen, sagt Fadel Lari.

Trotz teils ungünstiger Wetterbedingungen und hoher Kosten versuchen auch die ärmeren Länder der Nahost-Region den Umstieg zu sauberen Energiequellen zu schaffen.

Denn durch den Einsatz kleinerer Fotovoltaikanlagen können nicht nur abgelegene Dörfer mit Strom versorgt werden. Auch neue Arbeitsplätze können so geschaffen und die Wirtschaft angekurbelt werden, sagt Johannes Kemanizis von der Solarworld AG.

Aber nicht nur für die arabischen Staaten ist die Förderung erneuerbarer Energien von Vorteil. Experten gehen davon aus, dass durch den Einsatz von Solarkraftwerken in der Nahost Region nicht nur der Strombedarf der arabischen Staaten abgedeckt werden kann, sondern, dass auch bis zu 20 Prozent des europäischen Strombedarfs in weniger als 10 Jahren abgedeckt werden wird.

Michaela Paul

© Deutsche Welle 2009

Qantara.de

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