Das erste Opfer einer Reihe von öffentlichkeitswirksamen Mordanschlägen war Abd al-Madschid al-Khoei. Der Sohn des schiitischen Großayatollahs Abu al-Qasim al-Khoei wurde mitten auf dem Vorplatz der Imam-Ali-Moschee in Nadschaf getötet. Es war eine abscheuliche Tat, die das künftige Gesicht des Iraks offenbaren sollte – ein Irak, in dem der Griff nach der Macht schließlich außer Kontrolle geriet.

Am 29. August des gleichen Jahres wurde der Vorsitzende des ehemaligen "Obersten Rates für die islamische Revolution im Irak", Mohammad Baqir al-Hakim, an einem der Zugänge zu ebenjenem Vorplatz auf dem auch al-Khoei umgebracht wurde, durch eine Explosion getötet. Nur knapp einen Monat später, am 25. September 2003, erschossen Unbekannte das Mitglied des provisorischen Regierungsrates Aqila al-Hashimi vor ihrer Wohnung im Westen Bagdads. Laut ihren Angreifern musste sie sterben, weil sie keinen Schleier trug und bekennende Anhängerin des Säkularismus war. Bereits am 17. Mai 2003 war der Präsident des Regierungsrates durch einen Bombenanschlag auf seinen Konvoi am Eingang zur Grünen Zone in Bagdad ums Leben gekommen. Seine Mörder verschwanden im Dickicht der zahllosen bewaffneten Fraktionen im Land.

Diese politischen Morde waren nur der Anfang des Blutvergießens, das sich unter verschiedenen Vorzeichen seit 14 Jahren hinzieht. Bagdad und die Städte im Süden des Iraks waren und sind nach wie vor besonders von derartigen Mordanschlägen und Entführungen betroffen. Jeder Versuch, diese Taten aufzuklären, erfordert vermutlich jahrelange riskante Untersuchungen, die für die Ermittler tödlich enden können.

Al-Malikis Gewalt gegen das eigene Volk

Der frühere irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki; Foto: dpa/picture-alliance
Kultur der Gewalt: Acht Jahre lang war der vom Iran gestützte Nuri al-Maliki an der Macht. In dieser Zeit gelang es ihm nicht, ein Minimum an öffentlichen Leistungen und Sicherheit zu gewährleisten. In der Folge kam es in verschiedenen Städten des Irak zu politischen und sozialen Protesten, auf die die Regierung Al-Malikis mit übertriebener Gewaltanwendung und Einschüchterung ihrer Widersacher reagierte.

Acht Jahre lang war der vom Iran gestützte Nuri al-Maliki an der Macht. In dieser Zeit gelang es ihm nicht,  ein Minimum an öffentlichen Leistungen und Sicherheit zu gewährleisten. In der Folge kam es in verschiedenen Städten des Irak, unabhängig von ihrer schiitischen oder sunnitischen Prägung, zu politischen und sozialen Protesten, auf die die Regierung Al-Malikis mit übertriebener Gewaltanwendung und Einschüchterung ihrer Widersacher reagierte. Sie wurden strafrechtlich verfolgt. Die Regierung ging sogar soweit, Widersacher verschleppen oder töten zu lassen. Diese Maßnahmen erzeugten in der Folge ein Klima der Gewalt, das an die brutale Herrschaft der Baath-Partei erinnerte.

Am 25. Februar 2011 demonstrierten hunderttausende Menschen in Bagdad und anderen Städten im Irak. Sie protestierten gegen das Versagen auf politischer Ebene und den Griff Al-Malikis nach der Alleinherrschaft, prangerten aber auch die Unfähigkeit der Regierung an, für Sicherheit und funktionierende öffentliche Leistungen zu sorgen.

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Leserkommentare zum Artikel: Die Ausweitung der Agitationszone

Ein informativer und aufschlussreicher Artikel. Nur ein Hinweis: In Gesellschaften, in denen Gewalt und Gegengewalt zum Alltag gehören, hilft nur Kultur gegen die Logik der Gewalt. Kunst und Bildung sind für den Aufbau einer zivilen Gesellschaft elementar. Hier sollte man ansetzen.

Karl Heimann 17.02.2018 | 11:13 Uhr

Das Fiasko im Irak war doch programmiert.

John Karl 17.02.2018 | 16:20 Uhr