Anklänge an religiöse Motive und die großen Menschheitsmythen ziehen sich leitmotivisch durch Dibs Werk, ebenso wie die Topoi (existenzieller) Verlorenheit und (kultureller) Fremdheitserfahrung, die ewige Suche des Menschen nach sich selbst wie nach dem Anderen ... den er in sich und in dem er sich selber sieht.

Rachid Koraichis Litho-Serie zu Dibs Werk "L'Enfant-Jazz"; Quelle: rachidkoraichi.com
Für sein Werk L'Enfant-Jazz, vom algerischen Kalligraphie-Künstler Rachid Koraichi illustriert, wird Mohammed Dib 1998 der prestigiöse Prix Mallarmé zuerkannt. "Dib gilt als Monolith in der algerischen Literaturlandschaft, dessen Werk in seiner überwältigenden Fülle, seiner großen Diversität und radikalen Originalität alles überragt", schreibt Regina Keil-Sagawe. .

Und stets findet Dib Bilder und Sätze von packender Prägnanz: "Es ist eigenartig, wie die Welt immer voller von Ausländern ist", heißt es im Roman Les Terrasses d'Orsol (1985, dt. 1991: Die Terrassen von Orsol), einer bitterbösen Nord-Süd-Parabel mit kafkaesken Zügen, deren Hauptfigur, Abgesandter des globalen Südens, in den Sog einer mit unförmigen Kreaturen besiedelten Grube vor den Toren einer futuristischen Metropole gerät: Metapher für die Randfiguren der Gesellschaft, Migranten, Asylanten, für die gewaltige Kluft zwischen Reich und Arm, Nord und Süd, die Dib aus eigener Anschauung kennt.

Finnland und Kalifornien

Ab 1975 bereist er Finnland, übersetzt dessen Autoren, verwandelt in eigenen Romanen die Weite finnischer Wälder in introspektive Seelenlandschaften, in denen sich nordische Mythen und islamische Mystik durchdringen (1989: Sommeil d'Eve ; dt. "Die Wolfsbraut", Übersetzung nicht publiziert; 1990: Neiges de marbre ("Marmorschnee").

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