Ein Brettspiel namens "Istanbul"

Orientalismus für die ganze deutsche Familie

Nur ein Spiel? Mitnichten! Die Welt muss zusammenwachsen, wenn sie fortbestehen will. Was kann eine Gesellschaft dazu Konstruktives beitragen, die den Anderen veralbert und auf das Niveau eines leicht manipulierbaren Gegenstandes herabbanalisiert? Von Stefan Buchen

Flüchtlinge sollen sich integrieren, so eine oft und gern erhobene Forderung. Konkret ist gemeint, dass Asylbewerber und Einwanderer aller Art nicht nur die deutsche Sprache erlernen, sondern auch deutsche Sitten und Gebräuche annehmen sollen. Dies ist ein mit Stolpersteinen und Hindernissen übersäter Weg. Einheimische, die den Neuankömmlingen helfen wollen, können selbst bei besten Absichten das Falsche tun. Dann schleichen sich Missverständnisse ein, denen leicht Distanzierung und gegenseitige Abneigung folgen können.

Ein wahres Schreckensszenario entfaltete sich neulich in der Phantasie des Autors dieser Zeilen, als er mit dem Brettspiel "Istanbul" konfrontiert wurde. Wie wird es sich auf die Integration auswirken, wenn eine syrische Flüchtlingsfamilie von ihren neuen deutschen Nachbarn zu einer Partie "Istanbul" eingeladen wird? So die bange Frage.

Schließlich werden die Einheimischen ihren Gästen erklären müssen, dass sie fleißig die "Kleine" und die "Große Moschee" besuchen sollen, um sich dort "Moscheeplättchen" zu besorgen. Die steigern nämlich Glück und Gewinn bei den Geschäften auf dem Basar. Vor allem beim Betreten des "Schwarzmarkts" seien die "Moscheeplättchen" nützlich. Ebenso sei es von Vorteil, die "Familienmitglieder" der Gegner "einzufangen" und "der Polizei auszuliefern". Dafür locken attraktive Belohnungen.

Erstaunliche Phantasie

Ob die Gäste die Regeln dieses "gehobenen Familienspiels" verstehen werden? Intellektuell vielleicht. Aber werden sie auch Gefallen daran finden? Die Antwort lässt auf sich warten, bis es zur Probe aufs Exempel kommt. Staunen werden sie gewiss über das, was die Deutschen sich so ausdenken. Möglicherweise werden die Eingewanderten sich fragen, wo zum Teufel sie gelandet sind.

Brettspiele gehören zur deutschen Leitkultur. Im Gegensatz zu deutschen Spielfilmen und zu deutscher Popmusik sind sie sogar ein Exportschlager. Unter dem englischen Namen "German Board Games" erfreuen sie sich weltweiter Beliebtheit, vor allem im angelsächsischen Raum.

Ansicht Brettspiel "Mokka und Bakschisch im Verlag Pegasus Spiele
Orientalismus par excellence: "Wenn wir uns in einer Welt wiederfinden, in der der Orientale zu nichts anderem fähig ist, als 'den Handkarren zu erweitern', mit dem er 'Gewürze' über den Basar schiebt, dann landen wir unweigerlich bei Edward Said. Genauer: bei der nicht verblassenden Aktualität seiner Kritik an der Art und Weise, wie der Westen sich den Orient vorstellt", schreibt Buchen.

Ein Spiel wird zu einem "deutschen Brettspiel", wenn nicht bloß gewürfelt wird, sondern eine Vielzahl von Ereignis- und Aktionskarten, Plättchen aller Art, Haupt- und Nebenfiguren, Orientierungstafeln und Handelswaren und ein mehr oder weniger übersichtliches Spielfeld, das Brett eben, hinzukommt. Wer nicht bereit ist, sich einer Fülle von Regeln zu unterwerfen, hat schon verloren.

"Istanbul" liegt voll in einem neuen Trend dieser Brettspiele: Die Komplexität der Regeln kreiert die Illusion, dass Strategie und Raffinesse zum Sieg führen. "Entscheidungsfreiheit" wird jedoch nur simuliert. In Wahrheit lenken die vielen Regeln den Spielverlauf. Am Ende entscheiden vor allem Glück und Zufall über den Sieg.

"Mokka und Bakschisch"

In "Istanbul" schlüpfen die Spieler in die Rolle von Kaufleuten und ihrer Gehilfen. Sie müssen möglichst viel Tuch, Gewürze, Obst und nicht näher definierte Schwarzmarktwaren sammeln und verkaufen, zum Beispiel an den "Sultan" in seinem Palast. Von dem Erlös müssen sie "Rubine" erwerben. Wer zuerst fünf "Rubine" zusammengerafft hat, gewinnt. Empfohlen wird "Istanbul" für Kinder ab 10 Jahren. Eine angesehene Kritikerjury zeichnete das Spiel 2014 mit dem "Kennerpreis" aus. Seitdem wurde es zweimal erweitert. Dabei reicherten Erfinder und Verlag das Spiel u.a. mit den Elementen "Mokka und Bakschisch" an.

In einem echten deutschen Brettspiel ringen die Kontrahenten nicht bloß um den Sieg. Sie tauchen in eine andere Welt ein, durchleben ein Narrativ. "Istanbul" spielt sich in der Welt eines orientalischen Basars ab. Zumindest in einem Basar, wie ihn der Spieleautor Rüdiger Dorn und der Pegasus-Verlag sich vorstellen. Theoretisch hätten sie das Spiel auch "Aleppo", "Mossul" oder "Damaskus" nennen können. Den Verkauf hätte es wohl nicht beflügelt. Ob "Istanbul" unter Marketing-Gesichtspunkten wirklich die bessere Wahl war, wird die nahe Zukunft zeigen.

"Ein Spiel", sagen die Philosophen, "verweist stets auf das Wesen der Welt." Es "formt unsere Vorstellungen von der Wirklichkeit". Und genau hier ist das Problem. Das Narrativ von "Istanbul" ist gnadenlos gegenständlich. Die "Erzählung vom Orient", die es anbietet, kommt dabei weder über Karl May, noch über einen Reisekatalog von TUI noch über den - inzwischen pensionierten - Wirtschaftsexperten Hans-Werner Sinn, der den Begriff von der "Basarökonomie" geprägt hat, hinaus.

Die unveränderliche Welt des Anderen

Sie zeichnet eine Welt des Anderen, die sich nie verändert, die immer gleich bleibt. Die Frage, ob ein heutiges oder ein früheres "Istanbul" gemeint sind, stellt sich daher gar nicht. Die grafische Darstellung orientiert sich radikal am Gelsenkirchener Barock. Im Vergleich bestechen die Orient-Malereien von Eugène Delacroix durch elegante Abstraktion.

Wenn wir uns in einer Welt wiederfinden, in der der Orientale zu nichts anderem fähig ist, als "den Handkarren zu erweitern", mit dem er "Gewürze" über den Basar schiebt, dann landen wir unweigerlich bei Edward Said. Genauer: bei der nicht verblassenden Aktualität seiner Kritik an der Art und Weise, wie der Westen sich den Orient vorstellt. "Orientalismus" nannte Said das. Seine gleichnamige Schrift erschien vor fast vierzig Jahren. Das Werk bleibt, trotz all seiner Schwächen, relevant. "Istanbul" ist, sozusagen, Orientalismus für die ganze Familie. Den Spielern nagelt es buchstäblich ein Brett vor den Kopf.

Muss die deutsche Leitkultur solche Blüten treiben? Nein, nicht einmal Spielverlage müssen das. Deutsche Brettspiele können ihre "Erzählung" durchaus in anderen Kulturen "ansiedeln", ohne diese zu veralbern. Es ist zumindest nicht bekannt, dass sich australische Ureinwohner über das Spiel "Uluru" (Kosmos-Verlag) beschwert hätten. Sein Narrativ knüpft an die Kultstätte "Ayers Rock" (in der Sprache der australischen Ureinwohner: "Uluru") an. In dem in jeder Hinsicht attraktiven und anspruchsvollen Kombinationsspiel, das sich im Übrigen durch klare und einfache Regeln auszeichnet, geht es nicht um tatsächliche oder angebliche Lebensweisen der australischen Ureinwohner. Das Geheimnis lautet: Abstraktion.

Wie wär's einfach mit einer Partie Schach?

Wir haben versucht, mit dem Pegasus-Verlag über sein preisgekröntes Spiel "Istanbul" ins Gespräch zu kommen. Leider ohne Erfolg. Deshalb wissen wir auch nicht, ob wir uns auf noch mehr "Erweiterungen" gefasst machen müssen. Wie wär's etwa mit "Bauchtänzerinnen und Harem"? (empfohlen für Jugendliche ab 16 Jahren)?

Jedenfalls bleibt zu hoffen, dass es nie zu der Einladung einer syrischen, irakischen, türkischen oder anderen orientalischen Migrantenfamilie auf eine Partie "Istanbul" in ein deutsches Wohn- oder Kinderzimmer kommen wird. Sie könnte bei den Gästen arge Zweifel an der Fähigkeit der Gastgeber zu Kosmopolitismus und Weltbürgertum wecken.

Sollte die Katastrophe dennoch eintreten, müssen wir auf die Barmherzigkeit und die Toleranz der Eingeladenen zählen. Sie mögen bitte nicht aus Rache ein albernes "Gegenspiel" mit Zölibatplättchen und Sonderereignissen am Taufbrunnen erfinden. Vielleicht kontern sie einfach mit einer Einladung zu einer Partie Schach. Ein echt orientalisches Spiel.

Stefan Buchen

© Qantara.de 2017

Der Autor arbeitet als Fernsehjournalist für das ARD-Politikmagazin "Panorama".

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Leserkommentare zum Artikel: Orientalismus für die ganze deutsche Familie

Sehr geehrter Herr Buchen,

ich bin erschrocken und traurig, wie Sie mit den Spielern umgehen. Mit Ihrem Artikel sprechen Sie uns (den Spielern) ab, differentieren zu können. Wie Sie richtigerweise schreiben, wollen wir gerne mal in anderen Welten abtauchen. Dabei geht es aber nicht darum in anderen realen Kulturen unterwegs zu sein. Das will auch Istanbul gar nicht leisten. Und ganz nebenbei soll es das auch gar nicht. Vielmehr zeigt Istanbul ein orientalisches Bild, wie wir es aus Märchen kennen. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Brettspieler dieser Welt macht sich lustig über ein vermeintliches orientalisches Bild, nur weil er Istanbul spielt. Für uns ist das mehr eine fiktive Welt, von der auch wir wissen, dass es sie so nicht gibt. Es geht beim Spielen überhaupt nicht darum besonders kosmopolitisch zu sein und immer alles und jeden verstehen zu wollen oder alles und jedem gerecht zu werden. Es geht darum, in einer schönen Runde einen schönen Abend oder Nachmittag zu verbringen. Wenn Sie derart auf Istanbul eindreschen, dann können Sie sicherlich auch nicht entspannt Filme wie Aladin anschauen, denn die sind ja ach so rückschrittlich. Sie meinen, dass man Istanbul bitte nicht mit Gästen aus dem orientalischen Raum spielen soll? Gut. Dann dürfen wir in unseren Breitengraden aber auch nicht "Fresko", "Das Geheimsnis der Abtei", "Lass die Kirche im Dorf", "Keythedral" oder "Krone und Schwert" spielen. Alles Titel, die in Ihrem Sinne eine Kultur veralbern. Ich schrieb oben, Sie sprächen uns ab differentieren zu können. Gleiches tun Sie übrigens mit den Gästen die zu uns kommen. Als ob diese zu blöd wären zu verstehen, dass es einfach nur ein Spiel ist.

Wenn Sie einmal unvoreingenommen und so selten dämlich über Spiele sprechen möchten, können Sie sich gerne bei mir über den Ali Baba Spieleclub melden. Aber nur, wenn Sie der Name des Vereins nicht abschreckt.

Schöne Grüße,

Martin Brock-Konzen (1. Vizepräsident des Ali Baba Spieleclub)

Martin Brock-Konzen08.02.2017 | 08:35 Uhr

Ich kenne das Spiel und muss dem Autor allerdings leider Recht geben: Hier werden wieder die typischen Klischees aus 1001 Nacht bedient. Der Araber oder Türke als Kameltreiber, der seine sinisteren, undurchsichtigen Geldgeschäfte und seinen Schwarzhandel in Moscheen und obskuren Basaren abwickelt - undurchschaubar, intransparent und irgendwie exotisch-aufregend. Genau diese westliche Mythenbildung gegenüber dem Orient hat auch Said kritisiert. Geht's nicht einfach ohne den kulturalistisch-ethnisierenden Klim-Bim?

Gert Raschke08.02.2017 | 09:56 Uhr

Ich kenne da noch ein anderes Spiel, das nicht so mit diesen Klischees operiert und recht einfach zu spielen ist (auch für Kinder geeignet). Es heißt "Marrakesch", wo es auch um Beduinenhandel und Karawanen geht. Sehr zu empfehlen!

Heike Wieland08.02.2017 | 10:11 Uhr

Hallo,

ich habe Ihren Artikel in der sehr aktiven Brettspielgruppe "Brettspielen in Köln" verlinkt, der dort diskutiert wird.

Selbstverständlich ist Kritik an Stereotypen berechtigt und es wird hinterfragt, ob es stets die selben sein müssen. In der weltweit größten Datenbank "BGG" sind über 85.000 verschiedene Brettspiele erfasst, ich schätze es sind wahrscheinlich viel mehr und es kommen jedes Jahr hunderte neu dazu.

In diesen Spielen ist jedes erdenkliche Thema umgesetzt, man kann spielerisch alles sein, eine britische Königin, ein chilenischer Gemüsebauer, ein Anführer der Orcs, ein blaues Alien mit zwei Köpfen, kann den zweiten Weltkrieg nachspielen, oder gar Hitler selbst spielen persiflieren. Ein Spiel begeistert nicht nur durch eine Spielmechanik, sondern lebt gerade zu von seinem Thema, mit dem man sich spielerisch identifizieren kann.

Ich erkenne ihre Kritik, aber trifft diese wirklich den richtigen?

Brettspieler laden oft auch Unbekannte Spieler zu sich nach Hause ein, treffen sich mit großen Runden in Spieleclubs und Spielecafes und die Herkunft, Religion oder Aussehen spielt keine Rolle. Man trift sich zum gemeinsamen spielen, dem austausch und dem kennen lernen.

Ausgerechnet dieser Zielgruppe und Branche, welche Menschen gemeinsam an einen Tisch bringt, zu unterstellen, sie bedient mit einem Brettspiel, rassistische Tendenzen, wirkt doch arg überzogen.

Ich habe das Spiel "Istanbul" mehrfach mit Türken gespielt, und Secret Hitler mit eindeutig nicht politisch rechtsorientierten Mitspielern und es gab nie Vorbehalte. In Istanbul auf dem Bazar, gibt es ebenso Diebe und Polizeistationen, wie in jeden anderen Innenstädten und Marktplätzen der Welt.

Jemand der ein Buch über einen Mord liest, ist nicht unbedingt ein Täter, jemand der einen Zombiefilm schaut, beißt nicht wahllos Menschen.

Und seit wann ist brettspielen ein deutsches Leitthema?

Mir ein paar Sekunden Recherche hätten sie im ersten Link bei Google auch gefunden, dass der Spielautor keine dritte Erweiterung mehr plant.

In ihren Artikel fehlt mir sehr deutlich der Bezug zum Thema.

Mit freundlichem Gruß
Michael Tabel
facebook - brettspielekoeln

Michael Tabel 08.02.2017 | 16:54 Uhr

Sehr geehrter Herr Buchen,

ich muss Ihnen leider voll und ganz darin zustimmen, dass mit unserem vermeintlichen Vorzeige-"Kulturgut" in der Gestalt moderner Brettspiele "typisch deutscher" Machart ein trauriges Zerrbild von uns impliziert wird. Spiele wie Istanbul, das ich zwar nicht kenne, aber mit Überzeugung vorverurteile (und dazu noch unzählige andere, die man aber zum Glück leicht daran erkennt, dass sie meist nach Städten oder Inseln benannt wurden) werden leider nicht nur in unserem Land gerne gespielt, sondern auch in vielen anderen Ländern der Erde -- eine sehr bedauerliche Entwicklung. Die meisten Spiele dieser Art zeichnen sich nämlich unbestreitbar vor allem durch einen Mangel an thematischer Vielfalt, Kommunikation, Interaktion, Dramatik und Emotionalität aus, was eben voll dem Klischee des langweiligen, streberhaften und phantasielosen Deutschen entspricht.

Jochen Bierbart08.02.2017 | 19:30 Uhr

An Herrn Raschke,

genau so funktioniert das mit dem diskreditieren, man stellt Dinge als Tatsachen hin, die nicht da sind. In dem Spiel Istanbul werden keine Kamele getrieben, ebenso wenig zwielichtige, unheilvollen Geschäfte betrieben, wo sollen sich die zwielichtigen Basare befinden, wo findet intransparentes und undurchschaubares statt. Ich habe mich schon oft über meine schlechte Spielweise aufgeregt, aber exotisch aufregend?

Viel wichtiger ist das Thema, das immer nur gestreift wird. Gesellschaftliche Akzeptanz und das Wertesystem sind im Wandel. Schwule sind heute selbstverständlich. War das immer so oder hat das lange gebraucht. Gab es vor nicht allzu langer Zeit Schwule, die unter der gesellschaftlichen Ablehnung litten? Es ist also ein oft quälend langsamer Prozess zu neuen Werten. Und hier kommen jetzt die Migranten von einem Wertesystem in ein völlig anderes Wertesystem und sollen von jetzt auf gleich das neue Wertesystem verinnerlichen, also Gehirn auf, alt raus, neu rein und gefälligst danach handeln. Heute wieder ein Kölner Richter so geurteilt. Wer sich hier aufhält, hat Deutsch zu denken und zu handeln. Wäre auch viel zu gefährlich, wenn das anders wäre, denn womöglich wird aus einer Minderheit eine Mehrheit, also genau die Möglichkeit, die eine Demokratie bietet, und dann kann Herr Seehofer die Vermögen nicht mehr schützen, die Vermögen der Hartz-4-Empfänger?

Einen interessanten Aspekt im Artikel finde ich die aufgeworfene Frage, ob komplexe Spiele Entscheidungsfreiheit nur vorgaukeln. Das finde ich durchaus bei dem Spiel Istanbul, wo eine Menge gewürfelt wird, überlegenswert.

Werner Ramrath08.02.2017 | 20:41 Uhr

Mir kommen arge zweifel an den Autorenfähigkeiten dieses Schreibers... Einem Brettspiel rassistische Tendenzen nachzusagen ist tatsächlich das lächerlichste, was ich je gelesen habe... und ich habe in der letzten Zeit viele Trump Zitate gelesen....
Sich mit Menschen an den Tisch zu setzen und ein Spiel zu spielen ist so ziemlich die integrativste Möglichkeit die es auf der Welt gibt! Jeder Mensch der dieses Spiel versteht (es ist überhaupt nicht schwer für Menschen mit normalen Gehirnen), wird auch differenzieren können, dass es sich nur um ein Spiel handelt.
Aber wenn man natürlich die Nazikeule rausholt ist das immer einfach. Ich hoffe Sie haben mit diesem furchtbaren Kommentar keine Menschen verschreckt, die dieses Spiel mit neuen Nachbarn spielen wollten. Rassismus zu unterstellen ist immer einfach... aber ernshaft auf Menschen zuzugehen und mit Ihnen eine Runde Istanbul zu spielen wäre eine tolle Sache. Im Gegensatz zu diesem Artikel... Ich würde mir wünschen, dass der Autor seinen Job verliert. Das wäre besser für die Integration....

Ale08.02.2017 | 22:03 Uhr

Die selbsternannte Brettspielelite ( Foren, Blogger etc ) wird dieser Artikel vielleicht stören, für das Brettspiel an sich find ich diese Sichtweise sehr wichtig.
Der Istanbul Kebap Shop war eine Frechheit und nicht wirklich sinnvoll zu begründen.
Warum soll man sich bei dem Erfinden eines Spiels nicht Gedanken darum machen wie das Spiel gesehen werden könnte. Warum musste das Spiel überhaupt Istanbul heißen, die Thematik hätte auf jeden Wochenmarkt gepasst ?
Ich spiele selber gerne und viel, aber die Sichtweise des Autors kann ich absolut nachvollziehen und auch so unterschreiben. Mir ist auch egal ob der Autor Ahnung hat von Brettspielen oder nicht, es ist eine Sichtweise auf ein Spiel wie es auf ihn gewirkt hat. Ich habe damals das gleiche empfunden und denke das es vielen Leuten so ging.
Ich bin dankbar dafür eine andere Sichtweise auf Spiele zu sehen und denke das das jeder von uns tun sollte.

Sascha Klein 09.02.2017 | 09:26 Uhr

Sorry, Herr Buchen,

aber Ihre Brille ist dann doch etwas sehr extrem. Und einiges ist Ihnen bei der Recherche durchs Netz gefallen: "German Games" gelten gerade eben nicht als thematisch treffend. Vielmehr ist ein "aufgesetztes" Thema stilprägend für diese Art Spiele. Tie Mechanismen - Tauschen, KAufen, Kartenanweisungen befolgen, etc. pp - sind nicht aus der thematischen Welt abgeleitet, sondern diese wird oft vom Verlag noch geändert. Da kann aus einem Weltraumspiel das nächste Mittelalterspiel werden. Nicht so bei den "Thematic Games", wo jede Karte oder der genaue Grundriss einer Stadt nicht austauschbar ist.
Insofern geht ihre Kritik - so sehr ich nachvollziehen kann, dass einem die ewigen Stereotype zum Hals heraushängen und ich mir auch oft mehr Skrupel und Genauigkeit wünsche - letztlich am Gegenstand vorbei. Da könnte man dann auch am Schachspiel kritisieren, wie da bedenkenlos Bauern geopfert werden, nur um den König zu retten (als ob von dem alles abhinge!) - da muss jedem Landwirt doch der Kamm schwellen!

Ein bisschen mehr Beschäftigung mit der Welt der Brettspiele- und auch den in der Szene durchaus stattfindenden Diskussionen über Sexismus und Stereotype - hätte da nicht geschadet.

Viele Grüße und viel Spaß bei der nächsten Partie Mühle - aber nie mit einem Müller spielen, der wird sofort sauer, ist doch eine Mühle nur zum Stehlen gut!

Daniel Danzer

Daniel Danzer09.02.2017 | 13:12 Uhr

Es ist doch gerade ein Reiz eines Spiels, sich manchmal in herrlich schöne Klischeewelten zu begeben. "Istanbul" ist ein Spiel, kein Geschichtsbuch. Das schint dem Autor entgangen zu sein.
Im Ergebnis ist der Artikel also ein Beispiel für eine heißgelaufene Belehrungskultur, die sich in gewissen "linken", sich selbst als unheimlich tolerant bezeichnenden Kreisen ausgebreitet hat. Jeder der nicht voll auf Linie ist, wird aber ganz und gar nicht toleriert. Es ist eine völlig aus dem Ruder gelaufene Political Correctness, die hier verlangt, dass ein Brettspiel bloß nicht anecken darf, es könnte sich ja irgendeine Minderheit verletzt fühlen. Man könnte über den Autor des Artikels ja eigentlich herzlich lachen, weil er sich mit seinem Unsinn an sich komplett zum Obst macht, aber leider ist es inzwischen eine ganze Armee von Schreiberlingen und Meinungsmachern, die solchen Mist verzapfen. Das Ergebnis: Viele nehmen die Medien nicht mehr ernst. Es ist in der Tat mühsam geworden, die lohnenden Artikel von dem geistigen Sondermüll zu trennen. Das betrifft leider auch die deutschen Qualitätsmedien.

Wendelin Schnitzler09.02.2017 | 14:42 Uhr

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