Kriegsschiffe "made in Germany"

Doch die Vereinigten Arabischen Emirate kümmerte das Embargo nicht: Sie verlegten Teile ihrer Kriegsflotte in den Hafen von Assab, darunter auch in Deutschland gebaute Kriegsschiffe. Auf Satellitenbildern sind wiederholt Korvetten vom Typ "Muray Jib" zu sehen, die von der deutschen Firma Lürssen mit Sitz in Bremen gebaut wurden. Der Hersteller beschreibt das 65 Meter lange, mit Raketen bewaffnete Boot als "geeignet für Operationen in flachen Gewässern". Zuletzt waren Schiffe vom Typ "Muray Jib" im September 2018 und Februar 2019 auf Satellitenbildern im Hafen von Assab zu erkennen. 

Ab März 2017 liegt wiederholt auch ein Boot der Frankenthal-Klasse im Hafen von Assab. Zwei dieser Minenjagdboote, die in Deutschland gebaut wurden, hatten die Vereinigten Arabischen Emirate 2006 gekauft. Zuvor hatte die Bundeswehr die beiden Boote genutzt. In einem Video des Senders "Al Jazeera" vom Oktober 2017 ist ein Boot der Frankenthal-Klasse im jemenitischen Hafen von Mokha zu sehen, der gegenüber von Assab liegt.

Den Hafen hatte die saudisch geführte Koalition kurz zuvor erobert. Die genauen Koordinaten des Schiffs wurden von der Recherchegruppe #GermanArms lokalisiert. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Minenjagdboot in Kämpfe verwickelt war, lieferten die Huthis: Sie gaben an, das Boot im Juli 2017 beschossen zu haben und veröffentlichten Bilder des schwer beschädigten Schiffs.

Das Satellitenbild vom März 2017 zeigt Kriegsschiffe aus deutscher Produktion im Hafen von Assab (Eritrea). Foto: Google Earth
Deutsche Waffen spielen im Jemen-Krieg eine weitaus größere Rolle als bislang bekannt. Wie Recherchen des investigativen Projekts #GermanArms ergeben haben, benutzen die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens deutsche Rüstungstechnologie für See-, Land- und Lufteinsätze

Jagdbomber mit deutschen Bauteilen

Aber nicht nur Kriegswaffen, die sich eindeutig einem Hersteller zuordnen lassen, spielen im Jemen-Krieg eine Rolle. Es kommen auch zahlreiche Waffen zum Einsatz, die von mehreren europäischen Ländern gemeinsam produziert wurden und wichtige deutsche Bauteile haben. Das trifft etwa für Kampfflugzeuge der Typen Eurofighter und Tornado zu, mit denen die saudisch-geführte Koalition Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen fliegt. Die Recherchegruppe #GermanArms fand Belege für den Absturz eines saudischen Tornados im Januar 2018 im Tal Al-Souh im jemenitischen Gebiet Ketaf. Über den Partner Großbritannien lieferte Deutschland auch nach dem Beginn des Jemen-Kriegs Ersatzteile für Tornados an Saudi-Arabien.

Für den Einsatz des Tankflugzeugs A330 MRTT des europäischen Airbus-Konzerns fand das Recherche-Team im Jemen-Krieg ebenfalls Indizien.#GermanArmsuntersuchte ein Video eines regierungsnahen saudischen Twitter-Profils, das einen saudischen Eurofighter bei der Luftbetankung zeigt. Die Analyse ergab, dass es in der Grenzregion zum Jemen aufgenommen wurde.

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