Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) geht davon aus, dass in diesem Jahr etwa 550 bis 900 Tonnen Heroin mit einem sehr hohen Reinheitsgrad von 50 bis 70 Prozent den weltweiten Heroinmarkt erreichen. Damit lassen sich hohe Preise erzielen, denn besonders auf den lukrativen Nachfragemärkten in Westeuropa gilt: je höher der Reinheitsgrad, umso höher der Preis pro Gramm Heroin.

Bis zu einem Drittel der Wirtschaftsleistung

In Afghanistan selbst ist der Drogensektor schätzungsweise zwischen 4,1 und 6,6 Milliarden Dollar wert und stellte damit 2017 20 bis 32 Prozent des afghanischen Bruttoinlandsproduktes dar. Im Vorjahr lag der Anteil nur bei sieben Prozent. 2017 gab es 354.000 Vollzeitarbeitsstellen im Drogengeschäft, dazu kamen zahlreiche Gelegenheitsjobs.

Zwar ist die Differenz zwischen den Gewinnen aus dem Opiumanbau und dem Anbau alternativer legaler Produkte wie Weizen, Reis, Mais oder Tomaten deutlich gesunken. Doch die Bauern halten am Schlafmohn fest, da sie auf sein stabiles Preisniveau vertrauen. Nicht nur beim Anbau und der Ernte wird Geld verdient. Arbeitsplätze gibt es auch im Transport, Handel und der chemischen Herstellung von Opiaten.

Opiumernte in der Nangarhar-Provinz, Afghanistan; Foto: Getty Images/AFP/N. Shirzada
Florierende Drogenökonomie: Afghanistan verzeichnete im Vorjahr eine explosionsartige Expansion des Schlafmohns und die größte Schlafmohnernte seiner Geschichte. Laut einem Bericht des Sonderinspekteurs des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) von Oktober hieß es, die USA hätten seit dem Jahr 2002 rund 8,88 Milliarden US-Dollar zur Drogenbekämpfung in Afghanistan ausgegeben. Das sind 1,5 Millionen US-Dollar pro Tag.

In den strukturschwachen, landwirtschaftlich geprägten Gebieten Afghanistans hängt ein erheblicher Teil der Menschen vom Schlafmohnanbau und der Drogenproduktion ab. In den westlichen und nördlichen Regionen wird in einem Drittel aller Dörfer Schlafmohn angebaut, im Westen ist es mehr als die Hälfte, und im Süden sind es sogar knapp 85 Prozent der Dörfer. Der Drogenanbau bietet nicht nur den Bauern ein gesichertes Einkommen, sondern auch vielen Tagelöhnern, Arbeitssuchenden, Wanderarbeitern und heimgekehrten Flüchtlingen, vornehmlich aus den Nachbarstaaten Iran und Pakistan.

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