Ditib-Zentralmoschee in Köln

Ein Ort des Gebets und der Begegnung

Mit jahrelanger Verspätung ist für viele Muslime ein Traum in Erfüllung gegangen. Mitten im Ramadan öffnete die Kölner Zentralmoschee ihre Pforten – ab jetzt können Gläubige dort täglich beten. Eindrücke von Ulrike Hummel

Vor wenigen Tagen erst wurde der vergoldete Halbmond angebracht, der hellgrüne Teppichboden gerade noch rechtzeitig verlegt: An zweiten Freitag im Fastenmonat öffnete eine der größten repräsentativen Moscheen Deutschlands nach mehrjähriger Bauphase ihre Tore. Im prachtvollen Kuppelsaal – dem Herzstück der Moschee – wurde erstmals das Freitagsgebet abgehalten.

"Es ist ein wunderbares Gefühl und es ist eine große Last von uns gefallen", sagt der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Bekir Alboga. Jetzt könne man endlich die Öffentlichkeit zu sich einladen: "Kommen Sie, besuchen Sie unsere offene Moschee, sprechen Sie mit uns über den Islam, über die Ditib – nicht ohne uns, sondern mit uns."

Seit rund zwanzig Jahren wünschen sich die türkischstämmigen Gemeindemitglieder einen angemessenen Ort der religiösen, kulturellen und sozialen Begegnung. Mit der Übergabe des Kuppelsaals als Gebetsstätte gehört die Zeit der Hinterhof-Moschee für die Gemeindemitglieder nun endgültig der Vergangenheit an – ein wichtiges, gesamtgesellschaftliches Signal.

Orient und Moderne im Einklang

Die halbtransparente Kuppel wölbt sich rund 36 Meter hoch über dem Gebetssaal. Durch einen riesigen Stern im Zentrum des Kuppeldachs leuchtet Licht. Ein gewaltiger Kronleuchter setzt die arabischen Kalligraphien in Szene und an der Frontseite des Saals sind sowohl Kanzel als auch Gebetsnische eingerichtet. Bis zu 1.200 Gläubige können in dem Innenraum beten, dessen Wände mit 1.800 Stuckplatten verziert sind.

Blick auf den Kuppelsaal der Ditib-Zentralmoschee in Köln; Foto: picture-alliance/dpa
Imposanter Kuppelsaal: Rund 36 Meter hoch wölbt sich die die halbtransparente Kuppel über dem Gebetssaal. Durch einen riesigen Stern im Zentrum des Kuppeldachs leuchtet Licht. Ein gewaltiger Kronleuchter setzt die arabischen Kalligraphien in Szene und an der Frontseite des Saals sind sowohl Kanzel als auch Gebetsnische eingerichtet. Bis zu 1.200 Gläubige können in dem Innenraum beten, dessen Wände mit 1.800 Stuckplatten verziert sind.

Die Innenarchitektur verbindet orientalische Elemente mit einem modernen Islam, was an den Deckenmedaillons mit arabischen Blattgold-Inschriften zum Ausdruck kommt. "Dort stehen die Namen aller großen Propheten, die in der jüdischen, christlichen und islamischen Geschichte wichtig sind", sagt Bekir Alboga. Das lade zum interreligiösen, theologischen Gespräch ein.

Die renommierten Architekten Gottfried und Paul Böhm hatten den Zuschlag für das Bauprojekt bekommen, nachdem sie einen Architektenwettbewerb gewonnen hatten. "Für die Muslime ist es schön, in so einem Raum zu beten. Von der Mehrheitsgesellschaft wünsche ich mir, dass sie hier hinkommt, es sich anschaut und die Offenheit dieses Hauses lebt", sagt Paul Böhm. Wie in vielen herkömmlichen Moscheen, ist der Gebetsplatz der Frauen separat eingerichtet. Auf einer großzügigen Empore, die über seitliche Treppen zugänglich ist, haben die Frauen Raum und freie Sicht auf die Vorbeter.

Eigene sanitäre Räume zur rituellen Waschung sind ebenfalls von der Empore aus zugänglich. "Ich finde es wichtig, dass der Frauenbereich genauso schön ist, wie bei den Männern auch", sagt die 17-jährige Gymnasiastin Didem Dege, die mit einer Gruppe eigens aus Plettenberg bei Lüdenscheid angereist ist. Die Moschee sei "sehr schön" geworden. "Fotos habe ich auch schon gemacht und gleich gepostet."

Millionenprojekt ohne öffentliche Zuschüsse

Zugänglich ist der prachtvolle Kuppelsaal über großzügige Freitreppen, die zum Verweilen einladen. Die beiden Minarette, aus denen kein Gebetsruf zu hören sein wird, sind 55 Meter hoch – das entspricht in etwa einem Drittel des Kölner Doms.

Frauen während des Gebets auf der Empore der Ditib-Zentral-Moschee; Foto: Ulrike Hummel
Separater Gebetsbereich für die Frauen auf der Empore der Zentralmoschee: Wie in vielen herkömmlichen Moscheen ist der Gebetsplatz der Frauen gesondert eingerichtet. Auf einer großzügigen Empore, die über seitliche Treppen zugänglich ist, haben die Frauen Raum und freie Sicht auf die Vorbeter.

Im Vorfeld des Moscheebaus gab es teils hitzige Debatten um Form und Höhe der Minarette. Der Gebäudekomplex umfasst neben dem Herzstück des Kuppelsaals auch Seminarräume, ein Verwaltungstrakt, eine Bibliothek sowie ein Kongresssaal und eine Einkaufspassage.

Die viel diskutierte Parkplatzproblematik wird durch eine Tiefgarage entschärft. Die Kosten des Bauprojekts betragen rund 30 Millionen Euro. Laut Ditib sind zwei Drittel durch Spenden gedeckt. Öffentliche Zuschüsse gebe es nicht. Die Moschee, die zu einem späteren Zeitpunkt mit prominenter Gästeliste feierlich eröffnet werden soll, sei nun zu 95 Prozent fertig gestellt, sagt Bekir Alboga. "Der Basar-Bereich ist noch nicht fertig und auch im Konferenzsaal müssen noch einige Schönheitsreparaturen gemacht werden."

Ab sofort können Gläubige fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten in der Moschee beten. Am Freitagsgebet dürfe jeder teilnehmen. "Ich finde die Moschee wunderschön und werde mit Sicherheit dort beten gehen", sagt Sarjas Hussein. Der 27-jährige Student ist kurdischer Herkunft und hofft, dass "die Freitagspredigt immer auf Deutsch übersetzt wird." Er habe kein Problem damit, als Kurde in einer Ditib-Moschee zu beten. "Ich mache keinen Unterschied zwischen türkischen, kurdischen oder arabischen Muslimen. Für mich sind alle Muslime Glaubensbrüder."

Auch ausgewiesene Ditib-Kritiker wie der Kölner Bundestagsabgeordnete der Grünen, Volker Beck, beglückwünschten den größten muslimischen Dachverband: "Ich freue mich, dass der Zustand der Dauerbaustelle beendet ist und gratuliere der Ditib zu diesem Erfolg." Der Bau symbolisiere aber auch ein Versprechen, das einzulösen sei: "Einen zeitgemäßen, der deutschen Gesellschaft zugewandten Islam, der sich von den Bindungen aus der Migrationsgeschichte und an die Herkunftsländer befreit". Hierzu müssten sich die Verantwortlichen in Ankara und Köln wohl erst noch durchringen.

Blick auf die Ditib-Zentral-Moschee in Köln; Foto: dpa/picture-alliance
Siebeneinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung im November 2009 ist die Kölner Zentral-Moschee mit Gemeindezentrum zum Großteil fertiggestellt. Das Richtfest war im Februar 2011, die Eröffnung wurde jedoch aufgrund von Baumängeln immer wieder verschoben. Um die Fertigstellung der großen Moschee hatte es teils heftige Diskussionen gegeben. Das Bauwerk nach Plänen des Architekten Paul Böhm hat zwei 55 Meter hohe Minarette und eine 37 Meter hohe, halbtransparente Kuppel. Außerdem umfasst der Gebäudekomplex Schulungs- und Seminarräume, eine Bibliothek, Büros, Ladenflächen und eine Tiefgarage.

Ditib-Imame unter Verdacht

In den letzten Monaten ist die Türkisch-Islamische Union immer wieder in die Negativschlagzeilen geraten. Zum einen wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, dass der Dachverband unter direktem Einfluss der türkischen Regierung von Präsident Erdogan steht. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins, der Theologe und Professor Nevzat Yasar Asikoglu, ist gleichzeitig auch Religionsattaché der türkischen Botschaft in Berlin und Diyanet-Vertreter in Deutschland. Beim abendlichen Iftar-Empfang am Eröffnungstag der Moschee wies er die Vorwürfe der Abhängigkeit der Ditib von Ankara mit Nachdruck zurück.

Die Diyanet, das Amt für religiöse Angelegenheiten der Türkei mit Sitz in Ankara ist direkt dem Amt des türkischen Ministerpräsidenten unterstellt. Die enge Verbindung zwischen der Türkisch-Islamischen Union und der Diyanet in Ankara resultiert nicht zuletzt daraus, dass die Gehälter der Ditib-Imame in Deutschland von Ankara finanziert werden. Den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft ist das jedoch seit Jahren bekannt.

Außerdem geriet der Moschee-Dachverband in die Schusslinie, als bekannt wurde, dass einige ihrer Imame mutmaßlich Anhänger der türkischen Gülen-Bewegung in Deutschland ausspionierten. Der in den Vereinigten Staaten lebende Prediger Fethullah Gülen, einst Weggefährte des türkischen Präsidenten Erdogan, wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch in der Türkei im letzten Sommer verantwortlich gemacht.

Anfang dieses Jahres hatten die Ditib Bespitzelungen einiger ihrer Imame für den türkischen Staat eingeräumt. Die Bundesanwaltschaft hatte daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts auf geheimdienstliche Agententätigkeit aufgenommen. Ermittelt wird nach Informationen des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes derzeit gegen mindestens 13 Imame. Auch die Landesregierung war auf Distanz zur Ditib gegangen und hatte eine strukturelle wie finanzielle Loslösung des Dachverbandes von Ankara gefordert. Der Dialog zwischen den Ditib-Funktionären und deutschen Politikern geriet ins Stocken.

Dialog mit der Politik wieder aufgenommen

Für vier von gegenwärtig sechs Ditib-Projekten, die vom Bund finanziell unterstützt werden, stellte das zuständige Bundesfamilienministerium die Förderung vorrübergehend ein. "Wir sind inzwischen wieder im Gespräch, mit unterschiedlichen Ministerien auf Bundes- und auf Landesebene", sagt Bekir Alboga. Es gäbe durchaus Politiker, die der Ansicht seien, man müsse die Ditib schnellst möglich aus der Schusslinie nehmen, so Alboga weiter. Denn die Verdienste des Moscheevereins für die Integrationsarbeit seien unersetzlich.

In den Gesprächen mit den Politikern gehe es unter anderem um die Fortsetzung diverser Integrationsprojekte, aber auch um die Gründung eines muslimischen Wohlfahrtsverbandes. Weitere wichtige Themen seien weiterhin der islamische Religionsunterricht und die "Anerkennung der Ditib sowie anderer Gemeinschaften als islamische Religionsgemeinschaft", so der Generalsekretär.

Ulrike Hummel

© Qantara.de 2017

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