Diskussionsreihe: Iran 1979: (Gegen-)Narrative zur Revolution

23.04.2019 - 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Sebastianstraße 21
10179 Berlin

Die Narrative rund um die iranische Revolution von 1979 sind häufig widersprüchlich. Revolutionäre Zeitzeugen, Beobachter*innen und Wissenschaftler*innen sind sich häufig bei fundamentalen Fragen nicht einig. War die Revolution ein plötzliches, unvorhersehbares Ereignis – oder das Ergebnis eines langen Prozesses? Wurde sie von den Islamisten rund um Ruhollah Khomeini “gestohlen” – oder waren diese die tragenden Akteure?
Angelehnt an diese grundlegengen Fragen wird dieser Vortrag drei Narrative oder “Mythen” kritisch hinterfragen, die häufig als gegeben wahrgenommen werden. Erstens, dass die Revolution eine Reaktion traditionalistischer Kräfte auf die Modernisierungspolitiken des Schah waren. Dieses Narrativ geht allgemein davon aus, dass die Modernisierung zu schnell und umfassend für die iranische Gesellschaft war.
Das zweite Narrativ geht von der Revolution als historischen Umbruch aus. Die Anhänger dieser Version der Geschichte schlagen vor, die Revolution vor allem anhand ihrer Diskuntiuitäten zu verstehen – und unterschlagen dadurch die zahlreichen Kontinutitäten.
Drittens: die Rolle internationaler Supermächte im Rahmen des Kalten Krieges. Anhänger dieses historischen Narrativs sehen Großmächtepolitik als entscheidenden Faktor der Revolution. Dadurch negieren sie häufig die Handlungsmacht der gesellschaftlichen Akteure in Iran.

Der Vortrag wird gegen diese linearen Geschichtsvorstellungen argumentieren und die Gemeinsamkeiten der vor- und nachrevolutionären Ära Irans aufzeigen. Zudem wird gezeigt werden, wie die nationalen Dynamiken deutlich wichtiger waren als die internationale Politik.

Der Referent:
Nader Talebi (Berlin) forscht und lehrt über Staatsmacht, Revolutionen und Migration. Geboren und aufgewachsen in Iran. Studierter Softwareingeneur und Soziologe, später Auswanderung nach Europa. Schloss seine Promotion in Soziologie an der University of Lancaster (England, 2012-2018) mit einer Dissertatation zu “State Power and Revolution: Toward a Strategic-Relational Analysis of the 1979 Revolution in Iran” ab.

Diese Veranstaltung ist Teil der Reihe “Fokus 1979: Neue Perspektiven auf ein Jahr epochaler Umbrüche für Westasien, Nordafrika und die Welt”.
Vortragssprache ist Englisch. Eine Flüsterübersetzung wird angeboten.