Dies alles erhöht das Risiko eines folgenschweren Konflikts zwischen dem Iran und einem oder mehreren seiner Nachbarn oder den USA. Ein solcher Konflikt würde mit ziemlicher Sicherheit ausufern und die USA, Israel und den Iran geschwächt zurücklassen.

Irgendwo zwischen einem kostspieligen Krieg und einem unwahrscheinlichen Regimewechsel liegt eine dritte Möglichkeit. Die würde von Trump allerdings diplomatisches Geschick erfordern. So wie er seinen Kurs mit Nordkorea änderte, könnte er auch mit dem Iran verfahren.

Berechtigte Kritik

Mit ihrer Kritik am Atomabkommen lag die Regierung Trump in vielen Punkten richtig. Das Abkommen beschnitt zwar die nuklearen Fähigkeiten des Iran und spielte bei der Entwicklung von Atomwaffen auf Zeit. Aber die vom Iran akzeptierten Selbstverpflichtungen waren relativ kurzlebig und wären in den nächsten zehn Jahren ausgelaufen.

Der Iran hätte dann an dem Abkommen weiter festhalten können, gleichzeitig aber ohne größeren Widerstand ein nukleares Inventar aufbauen können. Diese Schieflage rechtfertigt zwar nicht die Aufkündigung des Abkommens durch die USA, zumal der Iran seinen Verpflichtungen nachgekommen ist, aber vieles hat für Neuverhandlungen gesprochen.

Iranian flags flutter during an inauguration ceremony for new equipment and infrastructure on 25 February 2019 at the Shahid Beheshti Port in the south-eastern Iranian coastal city of Chabahar, on the Gulf of Oman (photo: Getty Images/AFP/A. Kenare)
Die Folgen der verschärften US-Sanktionspolitik: Der Iran steht heute vor einer Vielzahl von Herausforderungen und sucht nach einem isolierten Hafen im äußersten Südosten des Landes, um den Warenfluss aufrechtzuerhalten. Der Hafen in Chabahar, nur etwa 100 Kilometer von der pakistanischen Grenze entfernt und am Indischen Ozean gelegen, ist der größte Hafen Irans außerhalb des Persischen Golfs und könnte als neue Drehscheibe für den Handel dienen.

Diese Möglichkeit besteht immer noch. Trotz der jüngst gescheiterten Vermittlungsversuche des japanischen Premierministers Shinzo Abe haben sich die Aussichten auf eine diplomatische Lösung verbessert, auch weil die Sanktionen wirken. Die Regierung Trump hat ihre Bereitschaft erklärt, ohne Vorbedingungen mit der iranischen Regierung zu sprechen. Der Iran lehnt solche Gespräche zwar bisher ab, doch das könnte sich ändern, falls die USA mögliche Lockerungen der Sanktionen ins Spiel bringen.

Ein JCPOA 2.0?

Die Zeit ist reif für eine solche diplomatische Initiative. JCPOA 2.0 könnte das Ziel sein. Die Verpflichtungen zur Beschränkung seiner nuklearen Aktivitäten – vor allem den Betrieb der Zentrifugen und die Herstellung von Kernbrennstoffen – könnten auf lange Zeit festgeschrieben werden. Ein überarbeitetes Atomabkommen könnte auch das Raketenprogramm des Iran einschränken.

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