Präsident Abdel Fattah al-Sisi beteuert, dass der Anteil von Unternehmen in Militärbesitz heutzutage nicht einmal zwei Prozent des ägyptischen Bruttoinlandprodukts betrage. Doch die Zahl scheint zu niedrig, wenn man die vielen Privilegien des Militärs betrachtet. Präzise Zahlen sind jedoch schwierig zu bekommen. Das Militär ist eine Blackbox, da es wenig Information über Hierarchien, Budget und Einfluss auf das öffentliche Leben gibt. Laut Gesetz "Law 313" dürfen jegliche Nachrichten über die Streitkräfte nur mit der Autorisierung des Direktors des Militärgeheimdienstes publiziert werden.

Traditionell sind die Streitkräfte in Ägypten für die Bürger eine Quelle nationalen Stolzes: 1952 entthronte eine Gruppe Militäroffiziere unter der Führung von Gamal Abdel Nasser – bekannt als die "Freien Offiziere" – den König und gründete die Republik. Seitdem betrachten sich die Streitkräfte als Hüter und Führer der nationalen Entwicklung.

Während seiner Präsidentschaft verstaatlichte Nasser (1956–1970) mehrere Unternehmen und legte die Grundlage für eine Industrialisierung unter der Aufsicht des Militärs. Der Bau des Assuan-Staudamms und die Verstaatlichung des Suez-Kanals waren Beispiele für die neue Rolle des Militärs in der Innenpolitik und Ökonomie.

Alle Macht den Militärs

Auf Nasser folgte Anwar al-Sadat (1970-1981), der mit einer Politik der offenen Tür ausländische Investoren anlockte. Er reduzierte die Zahl der Offiziere in Schlüsselpositionen, aber achtete darauf, dass die Streitkräfte in ökonomischen Belangen ihre privilegierte Rolle behielten. Weitere militäreigene Unternehmen wurden gegründet. Dahinter stand die Idee, dass sie die Armee und den Binnenmarkt mit erschwinglichen Gütern versorgen könnten.

Wahlplakat Abdel Fattah al-Sisis aus dem Jahr 2014 in Kairo zeigt Nasser (l.), Sadat und Al-Sisis; Foto: Arian Fariborz
In historischer Kontinuität? Während seiner Ankündigung, als Präsident zu kandidieren, trug Al-Sisi 2014 noch seine Uniform und zog sich erst später aus dem Militär zurück.

Nach Sadats Ermordung 1981 wurde Hosni Mubarak Präsident. Auch er war ein General, und er bewahrte die Rolle des Militärs als eine führende Institution im politischen und wirtschaftlichen Leben. Mubarak setzte vorzugsweise pensionierte Generäle in Schlüsselpositionen ein. 1986 erließ seine Regierung die Steuern für Importe des Verteidigungsministeriums und des Staatsministeriums für militärische Produktion. 1997 verfügte Mubarak per Erlass, dass das Militär jede unbestellte Ackerbaufläche bewirtschaften dürfe.

Die Rolle des Militärs in der Wirtschaft wurde als sozial verantwortlich betrachtet, weil es die Märkte mit Gütern zu akzeptablen Preisen belieferte. Manchmal griff das Militär ein, um das Leben der Menschen zu erleichtern – so etwa 2008, als es eine Brotknappheit gab: Mubarak forderte damals die Streitkräfte auf, die Produktion in den militäreigenen Bäckereien zu erhöhen.

Die Aufstände von 2011 läuteten eine weitere Phase der Militarisierung Ägyptens ein. Zahllose Protestierende forderten "Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit". Präsident Mubarak trat zurück, und der Oberste Rat der Streitkräfte (SCAF), eine Gruppe hoher Militärs, ergriff die Macht.

Die Armee als gefeierte “Hüterin der Stabilität“

Die Polizei zog sich von den Straßen zurück und die Menschen hießen die Soldaten willkommen, die strategisch sichtbar in Kairo und anderen Orten stationiert wurden. Die Polizeikräfte wurden als korrupte Diener eines diskreditierten Regimes betrachtet, die Armee hingegen als Hüterin der Stabilität. Die Medien berichteten obendrein, dass das Militär der Regierung hohe Geldsummen geliehen hatte, um die Wirtschaft zu stützen.

Ägyptens Feldmarschall Mohamed Hussein Tantawi, Führer des Obersten Rates der Streitkräfte (SCAF); Foto: AP
Die Stunde der Falken: Die Aufstände von 2011 läuteten eine weitere Phase der Militarisierung Ägyptens ein. Zahllose Protestierende forderten "Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit". Präsident Mubarak trat zurück, und der Oberste Rat der Streitkräfte (SCAF), eine Gruppe hoher Militärs um Feldmarschall Tantawi, ergriff die Macht.

Gleichzeitig wies das Militär jegliche Kritik an seinem Wirtschaftsimperium zurück. General Mahmoud Nasr erklärte 2012 im Namen des Verteidigungsministeriums, dass das Militär "niemals militärisch kontrollierte Projekte irgendeiner anderen Autorität übergeben würde". Seiner Ansicht nach waren diese Unternehmen kein staatliches Eigentum, sondern entstanden "aus dem Schweiß des Verteidigungsministeriums".

Während des Arabischen Frühlings gab es auch Arbeiterunruhen in Ägypten. Sit-ins und Streiks waren an der Tagesordnung. Der SCAF schlug die Streiks nieder. Demonstranten wurden vertrieben und viele verhaftet.

2012 wurde Mohamed Mursi von der lang unterdrückten Muslimbruderschaft zum Präsidenten gewählt. Nasser hatte die islamistische Organisation verboten mit der Begründung, sie seien 1954 in ein Mordkomplott verwickelt gewesen. Sadats und Mubaraks Haltung war die gleiche. Viele Muslimbrüder saßen im Gefängnis.

Gegenwind für die Muslimbrüder

Eine neue Verfassung gab dem Militär rechtliche Immunität und schützte es vor öffentlichen Untersuchungen. Mursis Beziehungen zum Militär verschlechterten sich jedoch rapide, als er Pläne bekanntgab, den Suez-Kanal-Korridor zu entwickeln und ihn in einer Partnerschaft zusammen mit Indien in eine lukrative industrielle Zone zu verwandeln – ohne dies vorher mit dem Verteidigungsministerium abgesprochen zu haben. Für Ägyptens Militär war der Suez-Kanal immer von höchstem geschäftlichen Wert. Entsprechend wiesen die Streitkräfte Mursis Pläne ab.

2013 wurde Mursi durch einen blutigen Militärputsch gestürzt und General Abdel Fattah al-Sisi kam als Führer einer Militärjunta an die Macht. Hunderte Muslimbrüder wurden getötet. Während seiner Ankündigung, als Präsident zu kandidieren, trug Al-Sisi  2014 noch seine Uniform und zog sich erst später aus dem Militär zurück, um seine Wahlkampagne als Zivilist zu führen.

Inhaftierter Ex-Präsident Mohamed Mursi; Foto: dpa/picture-alliance
Vom Militär abserviert und bis heute inhaftiert: Massive Proteste hatten Mursis Absetzung gefordert, deswegen stützten viele Ägypter Al-Sisis harte Haltung gegenüber den Muslimbrüdern. Ein Gericht in Kairo hatte im vergangenen Dezember Mursi in einem neuen Verfahren zu drei Jahren Haft wegen Beleidigung der Justiz verurteilt.

Er gewann die Wahlen, doch die Muslimbrüder, welche die vorherigen Wahlen in Ägypten gewonnen hatten, durften gar nicht antreten. Auf der anderen Seite war Mursi immer unpopulärer geworden, da er das harte Leben der Menschen nicht erleichtert, sondern den Staat seiner religiösen Bewegung untergeordnet hatte.

Massive Proteste hatten seine Absetzung gefordert, und deswegen stützten viele Ägypter Al-Sisis harte Haltung gegenüber den Muslimbrüdern. Die Medien stellten es so dar, dass das Militär auf Seiten des Volkes stand.

In Abhängigkeit von den Golfstaaten

Heute ist Abdel Fattah al-Sisis Regierung finanziell von den Golfstaaten abhängig. Der Einfluss des Militärs hat unter seiner Präsidentschaft zugenommen. So betreibt Al-Sisi beispielsweise zwei Megaprojekte mit direkter militärischer Beteiligung: den Ausbau des Suez-Kanals und den Bau einer neuen Hauptstadt. 2015 erlaubte seine Regierung Offizieren des Militärs, Polizei und des Geheimdienstes, private Sicherheitsfirmen zu gründen. Gleichzeitig sind militäreigene Unternehmen in allen wirtschaftlichen Bereichen aktiv.

Obwohl das Regime scheinbar strikte Kontrolle über das Land ausübt, gibt es offenbar Konflikte mit dem "tiefen Staat": So säuberte Al-Sisi den Geheimdienst, mehr als 100 Beamte wurden entlassen. Mitte Januar entließ der Präsident den Direktor des Geheimdienstes und ersetzte ihn vorläufig mit seinen Stabschef General Major Abbas Kamel.

Währenddessen wächst die Unzufriedenheit in anderen staatlichen Institutionen. Al-Sisi wurde öffentlich von mehreren Militärführern kritisiert, weil er zwei Inseln im Roten Meer an Saudi-Arabien übergeben und Ägyptens Anspruch aufgegeben hatte.

Obendrein tweetete Generalleutnant Ahmed Shafiq ein scharf formuliertes Statement gegen Al-Sisi, als Ägypten den Bau des äthiopischen Renaissance-Damms stromaufwärts am Nil nicht unterbinden konnte. In der Regel ist jedoch öffentliche Kritik an dem Regime selten geworden. Ägyptens Medien sind nicht frei.

Ingy Salama

© Zeitschrift für Entwicklung & Zusammenarbeit 2018

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Leserkommentare zum Artikel: Das militärische Imperium

"Frau Wecker, hören Sie endlich auf, einen Diktator wie Sisi zu verharmlosen und dieses Info-Portal für Ihre kruden Ansichten vom "starken Mann für Ägypten" als Notwendigkeit für dieses vor dem Ruin stehende Land zu missbrauchen! Das ist widerwärtig!"
Kein Verbot? Aha...
Das Zitat stammt aus Ihrem Kommentar.

Hanya Dikaton07.02.2018 | 13:07 Uhr

Das ist eine AUFFORDERUNG, und kein VERBOT, gute Frau! Auch steht es mir überhaupt nicht an und liegt mir fern, irgendjemanden Redeverbote zu erteilen! Darüber hinaus müssen auch noch in letzter Instanz die leitenden Redakteure befinden. Ja, so ein Quark und so eine Unterstellung auch!

Frauke Lindner08.02.2018 | 09:18 Uhr

Das ist nicht nur peinlich, sondern auch dumm was diese Frau Dikaton hier veranstaltet !!

Franz Stein08.02.2018 | 17:56 Uhr

Ihr Kommentar ist echt ein Hammer! Wenn jemand gerade NICHT abgeschottet und behütet in einer elitären Upperclass-Blase in Luxor lebt oder gelegt hat dann ich! Genau das Gegenteil ist der Fall. Bin gerade heute aus Luxor wiedergekommen und die Bilder die ich da wieder gesehen habe bei unserer täglichen Arbeit mit den Ärmsten der Armen (übrigens 99 Prozent Muslime) auf den Dörfern würden Ihnen wahrscheinlich Alpträume oder Krätze verursachen. Aber genau das ist das reale Ägypten. Cairo, Minia, Assiut? Das ist nicht der ägyptische Nabel der Welt. Das ich nicht lache. Waren Sie mal in El Kom, Dabaiya, Armant, Maris, Lakalta? Da würde Ihnen hören und sehen vergehen. Leute wie Sie machen mich wirklich wütend! Sie haben KEINE Ahnung! Wer sind Sie so über mich zu urteilen. Wenn es nach mir ginge sollten Leute wie Sie mal in einem Dorf in der Nähe von Luxor in einem Lehmziegelhaus ohne Strom und Wasser und mit Toilette auf dem Acker einige Wochen zwangsangesiedelt werden und dann können wir gerne nochmal über das Thema Demokratie reden. Es gibt im Moment leider keine Alternative zu Sisi und der Armee. Aber wenn Sie so klug sind, wissen Sie ja sicher eine oder zumindest den Namen eines ägyptischen Hoffnungsträgers. Ich bin gespannt wen Sie da präsentieren. Nur zu!

Ingrid Wecker11.02.2018 | 22:51 Uhr

Frau Wecker, ich glaube jedes Land hat etwas besseres verdient als ein Militärdiktatur - so auch Ägypten. Es gibt momentan keine Alternative zu Sisi und der Armee? das ist insofern richtig, da inzwischen alle Demokratie-Aktivisten, die friedlich für den Sturz des Mubarak-Regimes auf die Straße gingen, inzwischen allesamt im Gefängnis sitzen oder das land verlassen haben. Und auch bei der bevorstehenden Wahl tritt keiner mehr an, da der politische Druck von Sisi auf seine Rivalen, wie z.B. Khaled Ali, zu groß war. Mich erinnert die Selbstgefälligkeit und Brutalität von Sisi an die Militärdikatur unter Pinochet in den 70ern, die ich selbst noch persönlich in Chile erleben durfte: die brutale Gewalt der Armee, die allgegenwärtige Geheimpolizei, die Angst der Menschen, die willkürlichen Verhaftungen von Oppositionellen - und auch von nicht politisch agierenden Personen. Wollen Sie das wirklich kleinreden? Keine Demokratie ohne Demokraten! Wie kommt es, dass Sie Diktatoren gutheißen? Ich finde das erschreckend. Glauben Sie wirklich, dass das Militär und Sisi eine Gesellschaft des Friedens, den Aufbau einer Zivilgesellschaft, die Garantie von Grundrechten etc. bewerkstelligen wird? Die Antwort ist nein. Und wir erleben ja auch im Augenblick den Ausverkauf Ägyptens an IWF und Währungsfonds sowie an die Saudis, die gewaltige Zunahme von Armut, die Inhaftierung von Dissidenten, die rigorose Überwachung der Öffentlichkeit und der Medien, ein gewachsenes Klima der Angst, des Misstrauens und der Denunziation in Ägypten. Sind Sie also wirklich der Meinung, genau das hat Ägypten verdient und El-Sisi ist alternativlos? Welch ein unfassbarer Zynismus und was für ein ebenso unglaubliches Demokratieverständnis! Ich bin gespannt auf Ihre Erwiderung. MfG Georg Brinkmann

Georg Brinkmann14.02.2018 | 10:27 Uhr

Sehr geehrter Herr Brinkmann! Sie haben beim Lesen meines Kommentares ein Wort wohl überlesen, das Wort "leider" im Zusammenhang mit der Alternative zu Sisi. FÜR ALLE NOCHMAL: Ich heiße eine Militärdiktatur genauso wenig gut wie Sie, weder in Ägypten noch anderswo. Das habe ich bereits mehrfach kundgetan. Und ich glaube genauso dass Ägypten etwas besseres verdient hat. Aber ich bin Realist und ich habe lange genug in der ägyptischen Realität gelebt um die traurige Realität zu sehen. Sie werfen MIR Zynismus und fehlendes Demokratieverständnis vor? Das ist ein Witz. Zynisch sind diejenigen Besserwisser, die glauben Ägypten eine Demokratie westlicher Prägung überstülpen zu können ohne irgendeine fundierte Ahnung über dieses Land und seine Befindlichkeiten. Aber ich sage es noch einmal in voller Überzeugung: Ohne das Eingreifen der Armee hätte das Land in einem Bürgerkrieg geendet und ich frage mich wirklich ob Sie glauben dass DAS eine Alternative gewesen wäre. Und ich sage es noch einmal in voller Überzeugung: Die Demokratie-Aktivisten (die übrigens nie auch nur den Hauch eines vernünftigen Planes für den Tag X hatten) und die Opposition (für die dasselbe gilt) haben in einer historischen Chance in einer Weise versagt, dass es einem die Sprache verschlägt. Und die hatten Zeit genug! Aber die Demokratie-Aktivisten und die Opposition sind nicht Ägypten! Auf dem teils völlig unterentwickelten Land (und da leben immer noch die meisten Ägypter) denkt, funktioniert und lebt man ganz anders und hat eine andere Einstellung beispielsweise zu Führerschaft - aus vielerlei Gründen. Die Religion spielt auf dem Land dabei auch noch eine Riesenrolle. All das hat die Demokratie-Aktivisten und die Opposition aber überhaupt nicht interessiert und tangiert in ihrem abgehobenen Elfenbeinturm in Cairo. Glauben Sie man hat mal einen von denen die Sie meinen in Upper Egypt gesichtet??? Lediglich Amr Moussa war mal in Luxor und hat dort eine bemerkenswerte Rede gehalten im Wahlkampf. Ich war da... Er wäre ein guter Übergangspräsident gewesen. Aber man konnte sich ja nicht einigen, nicht mal auf ihn als den erfahrensten Politiker innen- wie außenpolitisch von allen die damals unterwegs waren. Und Naguib Sawiris war mal in Luxor (ich war auch da dabei) und hat seine neue Partei und das Programm vorgestellt. Immerhin ein lobenswerter Versuch eines unglaublich sozial eingestellten Menschen! Sawiris als Präsident? JA, SOFORT!!! Geht aber nicht weil der Mann Kopte ist und bis sowas möglich wird am Nil vergehen nochmal 1000 Jahre... Der Rest der tollen Demokraten? Komplette Fehlanzeige. Pah! Die schauen doch auf ihre meist analphabeten und semianalphabeten Landsleute vom Land nur mit Verachtung herab. Auch das ist traurige Realität. Auch ich wünsche mir ganz gewiss was Besseres für Ägypten, weil ich dieses Land mehr liebe als sich die meisten hier auch nur annähernd vorstellen können (ohne dass ich da habibimässig verbandelt bin) und weil ich mehr Freunde in Ägypten habe als anderswo. Und ich kämpfe mit unserem Team vor Ort und in Deutschland für dieses Land tagtäglich, wenn auch nicht an politischer sondern an menschlicher und an pädagogischer Front. Wir bringen zum Beispiel Frauen Schreiben und Lesen und andere Dinge bei, damit sich langfristig was ändert. Wir bemühen uns um Studienpatenschaften für hochbegabte aus armen Familien und und und... Und weil wir genau mit den Ärmsten arbeiten, sehen wir aber auch die positiven Dinge die seit der Zeit des Regimes Sisi entstanden sind. Behindertenrente, Rente für verlassene Frauen, allgemeine Krankenversicherung etc. Dinge die das Leben der einfachen Leute nicht ganz unmaßgeblich verbessern.
Was tun alle die die hier die Klappe soweit aufreißen gegen mich und meine Meinung und die alles so genau wissen über dieses Land? Meist nichts als genau das.... Aber Sie haben meine Frage nicht beantwortet: Wo und wer ist die kurz- und langfristige Alternative? Ich erwarte Ihre Vorschläge!

Ingrid Wecker14.02.2018 | 16:24 Uhr

Diese selbst ernannte Ägypten-Expertin, die sich hier bemüht als "Realistin" zu verkaufen, kennt man nicht nur aus der DDR , sondern auch in den arabischen Ländern. Es wimmelt von denen so sehr in den ägyptischen Medien...
Als 3000 Menschen im Sommer 2013 getötet worden sind, damit Ihren Sissi "Der Retter der Nation" an die Macht kommt? Ihr Realismus ermöglicht Ihnen nicht zu akzeptieren und einzusehen, dass eine massenpolitische Bewegung wie die der Muslimbruder nicht auf diese Weise zu besiegen ist. Ihr "Expertentum" zeigt Ihnen nicht, dass die Abschaffung jeglicher politischer Partizipationsmöglichkeit tödlich ist für die Entstehung einer Demokratie? Und was sagt die "Ägypten-Kennerin" zur desolaten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Ägypten seit dem Sommer 2013? Wie steht ist bitteschön mit dem ägyptischen Pfund? Und Justiz? Pressefreiheit? Der legitime Präsident Mursi sitzt in Haft seit 5 Jahren, seinen Anwalt hat er kein einziges Mal gesehen...Was haben die Söhne und die Töchter und Ehefrauen der Führungsriege der Muslimbruder, die ihre Jobs los sind?
Nichts, kein Wort dazu. Die "Expertin" sagt dazu nichts.
Aber die Armen und Analphabeten brauchen Sissi und die ägyptische Armee!!! Sicher !!! Sie lösen alle diese Problem!!!

Franz Stein14.02.2018 | 17:28 Uhr

Lieber Herr Stein,Sie verstehen mich offensichtlich wissentlich falsch. Ich bin es auch leid hier ständig beleidigt zu werden: widerwärtig, ekelhaft, arrogant etc.pp. Was soll das? Ist das IHR Demokratieverständnis, Menschen die Dinge anders sehen oder beurteilen so zu beleidigen? In Ägypten hat mich noch nie einer so beleidigt weil ich Dinge anders sehe, komisch... Eins nur noch: Massenpolitische Bewegung wie die der Muslimbrüder? Wo haben Sie denn diese Weisheit her? Tatsache ist dass Mursi im ersten Wahlgang ganze 23 Prozent hatte, das heißt die Masse von 67 Prozent wollte ihn jedenfalls nicht... Und habe ich jemals irgendwo gesagt dass ich all die Dinge die Sie kritisieren gut finde? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Ägyptische Wirtschaft desolat seit 2013? Ich glaube es langsam nicht mehr. Sie wissen wirklich nicht wovon Sie reden, das ist mir spätestens nach diesem Satz klar geworden. Es gab immer nur eine desolate ägyptische Wirtschaft, dem Land ging es nie gut. 40 Prozent unter der Armutsgrenze gibt es schon seit Jahrzehnten und es wird auch nicht besser werden bei der Reproduktionsrate der Bevölkerung. Und Sie können sich jetzt wieder aufregen: Auch dazu gibt es in der Regierung Sisi umfangreiche Projekte eben zur Eindämmung dieser Bevölkerungsexplosion. Aber all das interessiert Sie nicht. Sisi ist schlecht, Basta! Mann wenn das so einfach wäre... Und noch was zum Aufregen für Sie: Lesen Sie mal Spiegel Online heute über das Mega-Solarprojekt in Assuan. Aber ich vergaß: Sisi schlecht, Punkt! Ich kann Ihnen nur soviel sagen: Niemand ist nur schlecht, soviel hat mich das Leben jedenfalls inzwischen gelehrt.

Ingrid Wecker14.02.2018 | 21:06 Uhr

@an die sogenannte Wecker:
Es steht jedem zu an allen möglichen Ideen, Konzepte und Herrschaftsformen zu glauben. Es steht auch jedem zu dies zu kommentieren und eine Meinung dazu zu haben. Wir leben Gott sei Dank in einem freien Land. Schließlich es ist nicht Ägypten hier :)
Sie sind nicht die erste und sicherlich auch nicht die letzte die für eine Diktatur aus vermeintlichen realpolitischen Gründen Verständnis hat, und keinerlei Rücksicht bzw. Schamgefühl hat das offenkundig in Internetforen auszudrücken.
Ja ich war, bin und werde der Meinung sein, dass jeder Mensch der eine Diktatur unterstützt wie die der Sissi in Ägypten eine menschenverachtende Weltsicht vertritt ja genau ich finde das arrogant und auch Ekelhaft.
PS:
- Der letzte gewählt Präsident Ägyptens Mursi wurde mit 52 % der Stimmen gewählt.
- Der ägyptische Pfund hat über 40 % seine Wertung in den letzten 3 Jahren verloren.
- Alle politische Gegner Sissi sitzen in ägyptischen Gefängnissen (Die Muslimbruder sowieso), zuletzt aber auch Schafiq (der gegen Mursi die Wahl verloren hat, aber immerhin 48 % der Wähler Stimmen bekommen), General Adnan, der Stark Man der Armee in der Wirtschaft und nicht zuletzt der Anführer der von Kifaya Bewegung der Anwalt Nour.
Sicherlich zu allen diesen Punkten ist Ihr "Expertentum" nicht in der Lage eine Antwort zu geben, denn sie lieben das Land und seine Menschen so sehr! In diesem Sinne schauen Sie weiter ägyptisches Fernsehen! Kämpfen Sie weiter für ein starkes Ägypten unter der Führung der großartigen Sissi !! Und reisen Sie im nächsten billigflieger nach Luxur !!

Franz Stein18.02.2018 | 18:01 Uhr

Sehr geehrter Herr Stein! Ich weigere mich in diesem Ton weiter zu diskutieren. Sie unterstellen mir pausenlos etwas wofür ich nicht stehe (Billigflieger zum Beispiel... was soll das bitte? Zeigt aber wie genau Sie Bescheid wissen.... Es gibt seit Jahren keine Billig- und Charterdirektflüge mehr nach Luxor...) Wenn man dort hin will muss man schon die Staatslinie Egypt Air buchen. Und es wäre schön wenn Sie in der Lage wären die Contenance und die Benimmregeln in Deutschland zu wahren. Nur noch soviel: Mursi 1. Wahlgang 23 Komma noch was Prozente. Ägyptisches Pfund gefloatet November 2016 auf Druck der IWF. UND ZUM LETZTEN MAL: ICH KÄMPFE NICHT FÜR SISI!!! Geht das in Ihr Hirn???

Ingrid Wecker19.02.2018 | 18:09 Uhr

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