Die "Nuit Sacrée 2019" in Paris

"Niemand hat ein Monopol auf Transzendenz"

Zum vierten Mal in Folge kamen am Pfingstwochenende in der Pariser Gemeinde Saint Merry zahlreiche Musiker und Geistliche verschiedener Konfessionen zusammen, um im Namen des Friedens ein Zeichen gegen den religiösen Fundamentalismus zu setzen. Zahra Nedjabat war dabei.

Es ist Samstagabend mitten im 4. Arrondissement von Paris. Der zentrale Stadtteil Marais brummt vor Bars, Menschen, bunten Lichtern, Music-Clubs und der pulsierenden Künstler- und Homo-Szene von Paris. Ein paar Meter weiter befindet sich auf der Rue de Rivoli die gigantische Shopping-Meile für Einheimische sowie die endlosen Touristenmassen, welche sich zu Pfingsten auf den Weg in die französische Metropole gemacht haben.

Mitten im Getöse liegt die römisch-katholische Pfarrkirche Saint Merry. Saint Merry wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Stil der Spätgotik an der Stelle einer Kapelle aus dem 7. Jahrhundert errichtet, in der im Jahr 700 der heilige Medericus bestattet worden war. Während der Revolution von 1789 wurde die Kirche geschlossen und als Salpeterfabrik – unter zum Teil schweren Beschädigungen - zweckentfremdet. Doch sie hat überlebt.

Und sie ist heute eine der progressivsten und lebendigsten Kirchengemeinden der Stadt. Mutige Kunstausstellungen, provokante Thesen und unkonventionelle Denkweisen haben hier ihren Platz gefunden. In direkter Nachbarschaft zum Centre Beaubourg und damit auch zur zeitgenössischen Kultur könnte ein solcher Ort der Welt nicht zugewandter sein.

Die ganz besondere Gemeinde beschreibt sich selbst folgendermaßen: "In diesem Zentrum von Paris, wo sich Menschen aller Herkunft und Generationen treffen, wo der Appetit auf Kultur und Freizeit in direkter Nachbarschaft zu Armut und Marginalität liegt, wo Menschenmassen und Einsamkeit aufeinander treffen, bleibt die Tür zur Kirche Saint Merry weit offen".

Interreligiöses Miteinander

Zudem zeichnet sich Saint Merry durch die Offenheit gegenüber dem interreligiösen Austausch aus. Vor vier Jahren wurde hier die Nuit Sacrée ins Leben gerufen. Die Nuit Sacrée ist ein musikalisches und kulturelles Ereignis in der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag, das verschiedene Künstler rund um traditionelle, geistliche und Weltmusik zusammenbringt. Das Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde von Saint Merry und der Initiative Coexister wurde 2016 in die Tat umgesetzt.

Coexister ist eine überkonfessionelle Bewegung junger Menschen, deren Berufung es ist, das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen jeglicher Überzeugung zu befördern. Die Initiative definiert ihre Ausrichtung im Französischen als "interconvictionnel", wodurch sie die interreligiöse Dimension erweitert und jede Form von Glauben und Überzeugung einschließt. Religiöse aller Konfessionen genauso wie Atheisten und Agnostiker. Coexister passt damit so wunderbar zur Gemeinde Saint Merry, welche ihre Berufung darin sieht, wirklich im Viertel und damit in der Gesellschaft - mit all ihren Facetten - verankert zu sein.

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