Auch Israel deutet an, MBS zu unterstützen, da er bereit scheint, die Beziehungen zu normalisieren. Und was noch wichtiger ist: Die beiden Länder haben ein gemeinsames Interesse daran, den iranischen Einfluss in der Region zu bremsen. Auch die Regierung von US-Präsident Donald Trump hält zu ihrem Verbündeten. Bis jetzt weigert sie sich, Salmans Rolle beim Mord an Khashoggi anzuerkennen und Sanktionen gegen Saudi-Arabien zu fordern.

Was sollte also getan werden? Der ehemalige US-Außenminister James A. Baker zog kürzlich eine Parallele zur US-Politik gegen China im Jahr 1989, als der Pekinger Studentenprotest auf dem Tiananmen-Platz in einem Massaker endete. Die Regierung von George H.W. Bush bemühte sich damals, ausgewogen zu reagieren: Sie führte Sanktionen ein, um ihre Unzufriedenheit mit der chinesischen Regierung zu zeigen, hielt die Strafe angesichts der Bedeutung Chinas aber in Grenzen und ließ Kommunikationskanäle offen.

Wäre eine ähnliche Politik auch gegen Saudi-Arabien realistisch?

Hatice Cengiz, Verlobte des ermordeten Jamal Khashoggi, während einer Gedenkveranstaltung für den ermordeten Journalisten in Washington; Foto: picture-alliance/AP
Auftragsmord aus Riad: Der saudische Oppositionelle und Journalist Khashoggi war Anfang Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Erst unter immensem internationalem Druck gab Saudi-Arabien die Tötung des im US-Exil lebenden Journalisten zu. Inzwischen häufen sich Hinweise auf eine Verwicklung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in den Fall. Laut Medienberichten wirft der US-Geheimdienst CIA dem Kronprinzen vor, die Ermordung Khashoggis persönlich angeordnet zu haben.

Idealerweise sollten die Regierungen der USA und der europäischen Staaten erklären, dass sie offener für eine Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien wären, wenn die Macht des Kronprinzen begrenzt würde. Auch die Waffenverkäufe und Unterstützung durch die Geheimdienste der USA sollten eingeschränkt werden, was der US-Kongress glücklicherweise plant.

Ein teurer und gefährlicher Konflikt

Am wichtigsten ist aber, dass jegliche Sanktionen den öffentlichen und privaten Druck auf MBS verstärken – in Bezug darauf, was nötig ist und was verhindert werden sollte. Was nötig ist, ist eine gemeinsame Anstrengung, um den Konflikt im Jemen zu beenden. Was verhindert werden muss, ist die Ausnutzung der iranfeindlichen Stimmung in der Trump-Regierung, um eine bewaffnete Auseinandersetzung zu provozieren, die andere veranlassen könnte, ihre Bedenken zu überwinden und mit Saudi-Arabien gemeinsame Sache zu machen.

Ein Krieg gegen den Iran wäre teuer und gefährlich. MBS muss verstehen, dass die USA für Saudi-Arabien nur dann ein strategischer Partner sein können, wenn er sich im Jemen und anderswo mehr zurückhält und die amerikanischen Interessen stärker respektiert.

Auch mit China und Russland müssen wir uns abstimmen. Im Gegensatz zu den USA verfügen beide über funktionsfähige Beziehungen zu Saudi-Arabien und dem Iran. So können beide dazu beitragen, den Ausbruch eines solchen Krieges zu verhindern oder ihn schnell wieder zu beenden.

Zu häufig haben schwierige Lagen im Nahen Osten die Tendenz, sich weiter zu verschlimmern. MBS hat eine solche schwierige Lage herbeigeführt. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass sie sich nicht verschlimmert.

Richard N. Haass

© Project Syndicate 2018

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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