Deutsch-iranischer Kulturaustausch

Dialog in schwierigen Zeiten

Noch in diesem Sommer soll ein vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanzierter Hochschuldialog zwischen dem Theaterpädagogischen Institut der Universität Osnabrück und drei iranischen Universitäten starten. Von Arian Fariborz

Noch in diesem Sommer soll ein vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanzierter Hochschuldialog zwischen dem Theaterpädagogischen Institut der Universität Osnabrück und drei iranischen Universitäten starten. Neben der Entwicklung gemeinsamer Lehrmethoden sind auch Theaterworkshops und Bühneninszenierungen im Iran und Deutschland geplant. Von Arian Fariborz

Stadttheater Teheran; Foto: DW
Das Bühnenspiel nimmt in der Islamischen Republik Iran einen völlig anderen Stellenwert ein als im Westen: Stadttheater (theatr-e shahr) in Teheran

​​Es ist ein ehrgeiziges und couragiertes Dialogprojekt in politisch schwierigen Zeiten: Drei Jahre lang wollen sich iranische und deutsche Theaterdozenten, Studierende, Schauspieler sowie Regisseure zu einem kulturellen Austauschprogramm treffen. Ein erster Orientierungsbesuch der iranischen Gäste in Deutschland ist bereits im Juli vorgesehen:

Insgesamt sechs Wissenschaftler des Fachbereichs bildende Künste der Universität Teheran, der Azad-Universität und der Theater- und Filmhochschule Teheran werden dann im Institut für Theaterpädagogik der Fachhochschule Osnabrück erwartet.

"Zunächst einmal interessiert uns der Hochschul- und der wissenschaftliche Austausch über Theaterpädagogik, das heißt Lernen mit Theater", sagt Andreas Poppe, Institutsdozent und Partnerschaftsbeauftragter.

"Und da würden wir ganz gerne Erfahrungen, die im Iran gemacht werden, mit unseren austauschen. Wir würden auch gerne Hochschuldidaktiken miteinander besprechen und was an Theatererziehung beispielsweise in Deutschland und im Iran vorhanden ist und wie sich das aufbaut."

Kultureller und wissenschaftlicher Austausch

Doch damit nicht genug: Das wissenschaftliche Austauschprogramm soll durch zahlreiche Exkursionen und Besuche kultureller Veranstaltungen in Deutschland, wie etwa dem Internationalen Kindertheaterfestival in Lingen bei Osnabrück, abgerundet werden.

Geplant ist laut Andreas Poppe auch eine gemeinsame Theatertournee von Studierenden im Iran sowie in Deutschland:

"Es soll ein Gruppenaustausch entwickelt werden, wo Studierende auch an Theaterprojekten mitarbeiten, zu den unterschiedlichsten Themen, die uns betreffen. Ein wesentliches Thema, das auch mit im Programm ausgeschrieben ist, ist sicher die Berücksichtigung von Frauen. Ein anderes Thema ist das gegenseitige Verstehen der unterschiedlichen Kulturen."

"Es ist wichtig", fährt Poppe fort, "dass nicht nur ein Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden und Lehrenden stattfindet, sondern dass es auch in Richtung eines Forschungsprojektes weiter gehen kann - zum Beispiel zu Fragen der Theatererfahrungen im Islam und im Christentum sowie in unterschiedlichen Kulturen."

Verschiedene Theaterwelten

Dass das Bühnenspiel in der Islamischen Republik Iran einen völlig anderen Stellenwert einnimmt als im Westen, ist den deutschen Teilnehmern des Dialogprojekts bewusst. Weshalb sie das Austauschprogramm denn auch als Chance sehen, möglichst viel über die andere Kultur zu erfahren, wenn der Gegenbesuch in wenigen Monaten in Teheran ansteht.

Allerdings sind die dort herrschenden religiösen Vorschriften auch mit bestimmten Einschränkungen für alle Schauspielerinnen im Umgang mit ihren männlichen Kollegen auf der Bühne verbunden. Dies erfordere ein besonders subtiles und umsichtiges Auftreten im öffentlichen Raum, erklärt die Iranerin Mahvash Firouzzadeh, Mitinitiatorin des Dialogprojekts:

"Das Problem im Iran ist, dass die Körperarbeit nur sehr begrenzt möglich ist - und dass theaterpädagogische Arbeit ja ganz intensiv mit Körperarbeit zu tun hat. Natürlich gibt es auch Übungen, durch die man es trotzdem schafft, theaterpädagogische Arbeit zu machen. Und natürlich ist im Iran alles schwer zu realisieren."

"Aber trotzdem kann man gleichzeitig auch viel machen - es reicht, wenn man demokratisch und diplomatisch denkt und handelt, wenn man Respekt vor den Ideen anderer Menschen hat. Und man muss natürlich vorsichtig sein, die Gesetze nicht zu übertreten."

Arian Fariborz

© DEUTSCHE WELLE 2006

Qantara.de

Fadjr-Festival in Teheran
Theater zwischen Zensur und Öffnung
Während der Iran von der US-Regierung zum "Vorposten der Tyrannei" erklärt worden ist, hat dort das größte Theaterfestival des Mittleren Ostens friedlich seinen Gang genommen. Von Dorothea Marcus

Teheraner Fadjr-Theaterfestival
"Occupied Territories" im Minenfeld
Das Teheraner Fadjr-Festival eröffnete mit einer deutsch-iranischen Gemeinschaftsproduktion. Das Stück "Occupied Territories" der Regisseurin Helena Waldmann begeisterte insbesondere das weibliche Publikum. Martin Ebbing hat es sich angesehen.

Theater
Zwischen Teheran und Mülheim
Roberto Ciulli pflegt den "Dialog der Kulturen": Er organisiert Austauschprogramme von Theatergruppen aus Deutschland und islamischen Ländern - und hat dabei gelernt, kreativ mit politischen Auflagen umzugehen. Von Peter Philipp

Bildungsreform im Iran
Weniger islamische Leitkultur
Irans Bildungsministerium will den Kunstunterricht an Schulen und Universitäten reformieren. Dieser soll künftig nicht mehr nur ideologischen Kriterien folgen, sondern auch moderne, kreative Lehrmethoden beinhalten. Von Arian Fariborz

Verwandte Themen
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.