Hedayat, der sich im April 1951 in Paris das Leben nahm und bis heute als der einflussreichste Schriftsteller im Iran gilt, wird dort nicht umsonst mit Kafka verglichen. Seine Erzählungen, etwa "Die blinde Eule", stellen bis heute eine Art literarische Schule für Schriftsteller im Iran dar. Für mich und für diesen Beitrag ist Hedayat eine Verbindung, ein Vermittler zwischen der modernen persischen Literatur und der deutschen.

Neben Hedayat und seiner (wenn auch indirekt) vermittelnden Rolle sehe ich auch in der Arbeit der inzwischen legendär gewordenen Zeitschrift Kaveh, die eine politisch aufklärende Richtung vertrat und sich eigentlich wenig mit Literatur beschäftigte, eine andere Verbindung zwischen der deutschen und der modernen persischen Literatur.

In den Redaktionsräumen der Zeitschrift in Berlin saßen unter anderem Mohammad Ali Djamalzadeh, Bozorg Alavi und Mohammad Ghazvini. Der erste und der zweite gelten als "Väter der modernen persischen Erzählung", der dritte leitete später die Abteilung für moderne Literaturforschung an der Teheraner Universität.

Mahmoud Hosseini Zad ist der bedeutendste Übersetzer zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur ins Persische; Foto: Khabaronline.ir
Mahmoud Hosseini Zad ist einer der renommiertesten Übersetzer zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur ins Persische. Der Träger der Goethe Medaille hat auch einen Roman und mehrere Kurzgeschichten geschrieben und an mehreren iranischen Hochschulen deutsche Literatur unterrichtet.

Es ist anzunehmen, dass sie mit der damaligen deutschen Literatur vertraut waren, und dass sie von dieser beeindruckt ihre eigenen Erzählungen schrieben, die in der persischen Literaturgeschichte als die ersten modernen Erzählungen der persischen Literatur gelten. Ebenfalls ist anzunehmen, dass auch der journalistische Stil dieser einflussreichen Zeitschrift deutsche Vorbilder hatte.

Rilke inspirit Nima

Auch in der iranischen Poesie kann man deutsche Spuren verfolgen. 1939 übersetzte Parviz Khanlari Rainer Maria Rilkes "Briefe an einen jungen Dichter" aus dem Französischen. Die Briefe inspirierten Nima Juschidsch, "den Vater der modernen persischen Lyrik", zu einem ähnlichen Werk: "Briefe an den Nachbarn".

Tiefen Einfluss wenn auch nicht im Bereich Prosa, sondern im Bereich Theater, hatte Bertolt Brecht. In einem ziemlich kurzen Zeitraum wurden viele seiner Stücke, aber auch Gedichte und theoretische Schriften ins Persische übersetzt. Laut der genannten Bibliographie ist "Im Dickicht der Städte" das erste Werk Brechts, das 1962 ins Persische übertragen wurde. Danach rollte eine Brecht-Welle auf den iranischen Buchmarkt.

In den 1980er Jahren, nach der Revolution im Iran, durfte Brecht jedoch weder veröffentlicht noch gespielt werden. Die Welle legte sich, der Einfluss blieb. Vieles, was man besonders in den Jahren vor und nach der Revolution auf iranischen Bühnen sah, erinnerte an Brechts Theorien und Techniken. Und das ist immer noch so, obwohl es etwas nachgelassen hat und durch andere Dramatiker und szenische Techniken ersetzt wurde.

Ob die deutsche Gegenwartsliteratur Spuren in der iranischen Literatur hinterlässt, ist eine Frage der Zeit. Fest steht: Die Zahl der Auflagen zeugt davon, dass die Übersetzungen deutschsprachiger Gegenwartsautoren einen größeren Leserkreis im Iran ansprechen.

Mahmoud Hosseini Zad

© Iran Journal 2019

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