Für den vorliegenden Beitrag bat ich Khaneh Ketab (Das Haus des Buches – www.ketab.ir), mir eine Liste der Übersetzungen aus dem Deutschen ins Persische zu schicken, und zwar für den Zeitraum 2015 bis 2018. Diese Liste, die ich per Internet bekam, umfasst 530 Titel, Erstauflagen und Bücher aus unterschiedlichen Bereichen: Politik, Gesellschaft, Geschichte, Philosophie, Kinder- und Jugendliteratur, Handwerk, Kunst, Belletristik…

Übersetzt werden zwar immer noch seit Jahren im Iran bekannte Namen wie Brecht, Kafka, Hegel, Hesse, Heidegger, Schopenhauer, Goethe, Rilke, Fried, Böll, Freud …, aber auch weniger bekannte und für den iranischen Leser neue Namen: Josef Roth, Bernhard Schlink, Ilja Trojanov, Arno Geiger, Daniel Kehlmann, Doris Dörrie, Robert Walser, Hans Ulrich Obrist … – ein Erfolg!

Copyrights- und Qualitätsproblem

Im Iran ist das Urheberrecht eines der Probleme und eine umstrittene Frage. Es hat viele Befürworter und viele Gegner, aber immer noch kann man beliebig fremdsprachige Literatur ohne Copyrights übersetzen. Müssten sich iranische Verlage an Bestimmungen der Urheberrechte halten, hätten wir eine viel buntere Palette von deutschsprachiger Literatur im Iran. Seit Jahren und heute immer noch werden Übersetzer, die wenig Wert auf das Sprachniveau legen und wenig Honorar verlangen, von Verlagen beauftragt, schon übersetzte Werke, die sich gut verkaufen, erneut ins Persische zu übertragen.

Persische Buchausgabe des Werks von Heinrich Böll "Der Zug war pünktlich"; Quelle: Mehr
Es ist eine mühevolle Arbeit, die Zahl der Übersetzer, die Werke von Franz Kafka, Stefan Zweig, Bertold Brecht, Hermann Hesse u.a. wiederholt übersetzt haben, zu ermitteln! Nach den mir vorliegenden Informationen gibt es zum Beispiel allein elf verschiedene Übersetzungen von Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns", schreibt Mahmoud Hosseini Zad.

Es ist eine mühevolle Arbeit, die Zahl der Übersetzer, die Werke von Franz Kafka, Stefan Zweig, Bertolt Brecht, Hermann Hesse u.a. wiederholt übersetzt haben, zu ermitteln! Nach den mir vorliegenden Informationen gibt es zum Beispiel allein elf verschiedene Übersetzungen von Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns". Selbst Hitlers "Mein Kampf" wird von mindestens acht Übersetzern auf dem iranischen Buchmarkt angeboten. Die Verleger wollen einfach Bücher veröffentlichen und achten kaum auf die Arbeitsqualität. Es gibt viele "Hobby-Übersetzer", die aus verschiedenen Gründen ein oder zwei Bücher  ins Persische übertragen und dann die Bühne wieder verlassen.

Die oben erwähnte Bibliographie umfasst etwa 300 Übersetzer, davon 205 mit nur einem Werk. Gewiss haben einige von ihnen unterdessen an weiteren Übersetzungen gearbeitet – darüber habe ich keine Informationen -, aber sicher nicht die Mehrheit, und man kann davon ausgehen, dass die Zahl der Ein-Buch-Übersetzer inzwischen weiter gestiegen ist.

Einfluss deutschsprachiger Literatur

Meines Erachtens hatte (und hat) die deutschsprachige Literatur einen bestimmenden Einfluss auf die moderne Erzählung im Iran. Es lohnt sich, dieses Thema weiter zu behandeln und zu erforschen. Dabei denke ich zum einen an den Beitrag, den Sadegh Hedayat geleistet hat, zum anderen an die Rolle der Zeitschrift Kaveh , die, finanziert von der deutschen Regierung, von 1916 bis 1922 in Deutschland in persischer Sprache publiziert wurde.

Sadegh Hedayat, der zeitweise in Europa und vor allem in Frankreich lebte, hatte Kafka gelesen und war von dessen Literatur beeindruckt. Er übersetzte unter anderem Kafkas "Verwandlung" ins Persische und verfasste eine Interpretation von Kafkas Literatur, "Kafkas Botschaft", ein Zeichen seiner Begeisterung für den Autor.

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