Wenige Monate vor seiner Ermordung schrieb Fares in der "Washington Post" darüber, wie die von der Regierung Trump angeordneten Mittelkürzungen die Arbeit der Aktivisten in Syrien bedrohten.

"Ohne die Finanzierung und Unterstützung unabhängiger Stimmen wie Radio Fresh wird die Welt möglicherweise die Wiedergeburt eines zweiten IS in Syrien erleben", warnte er. Fares schrieb über das, was er als seine Pflicht empfand: sich den fundamentalistischen Narrativen entgegenzustellen, die sich unter Menschen ausbreiten, die nichts anderes als Krieg und Verwüstung erlebt haben.

Der syrische Krieg zieht sich bereits fast neun Jahre hin. Die internationale Gemeinschaft verliert zunehmend das Interesse und streicht die Hilfsmittel für das Land. Die Vereinten Nationen stellten 2016 die Zählung der Opfer ein. Zu diesem Zeitpunkt wurde geschätzt, dass bereits etwa eine halbe Million Syrer ihr Leben gelassen hatten.

Die internationale Gemeinschaft schaut weg

Fares thematisierte auf seinen Spruchbändern häufig das Desinteresse der Welt und die Gleichgültigkeit gegenüber Kriegsverbrechen in Syrien.

"Kann es wirklich sein, dass ihr nicht seht, wie die Kinder hier sterben? Kann das wirklich niemand sehen", fragt Klido, der geschworen hat, das Werk von Fares fortzuführen, trotz des Desinteresses der übrigen Welt und der finanziellen Schwierigkeiten, Radio Fresh auf Sendung zu halten.

Laut Beobachtern starben unter den Bombardements der syrischen Regierung und ihrer Verbündeten seit April dieses Jahres 1.300 Menschen allein im Gouvernement Idlib. Darunter mindestens 300 Kinder, da die Bomben regelmäßig Schulen und Krankenhäuser treffen.

"Jeder weiß, dass Baschar al-Assad ein Verbrecher ist. Dass er Chemiewaffen einsetzt. Aber niemand tut etwas dagegen", sagt Klido. "Wenn Ihr den Krieg schon nicht beenden könnt, dann schützt wenigstens die Menschen!"

Auf einem englischen Spruchband, das den Verlust von Fares beklagt, steht: "Deine Ermordung ist das Ergebnis der beschämenden Gleichgültigkeit dieser Welt". Ein weiteres Spruchband wurde in Kafranbel auf Arabisch gezeigt, das sich an Fares und Jnaid richtete: "Sie haben Euch nicht getötet", steht da. "Ihr seid weiter unter uns - als Leuchtfeuer der Freiheit."

Marta Vidal

© Qantara.de 2019

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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