Als sich die Demonstrationswelle gegen das Assad-Regime in ganz Syrien ausbreitete, begann Fares damit, die Ereignisse in seiner Heimatstadt zu filmen. Die Proteste und das brutale Vorgehen der Regierung hielt er auf Videos fest.  Auf dem Forum in Oslo zeigte er einen kurzen Film von brennenden Häusern, versengter Erde und mehreren Verletzten nach einem Luftangriff in Kafranbel.

"Was ich Ihnen nicht zeigen kann", sagte er dem Publikum, "ist der Geruch von verbranntem Blut. Der Geruch von versengten Körperteilen, von Schießpulver. Doch der Geruch von 50 Jahren Unterdrückung und Leid ist in mein Gedächtnis eingraviert."

Vereinte zivilgesellschaftliche Initiativen

Nachdem Oppositionskräfte das Gouvernement Idlib im Jahr 2012 dem Assad-Regime entrissen hatten, gründete Fares eine Organisation namens Union of Revolutionary Bureaus. Die Union führte mehrere Projekte durch: vom Radiosender und Medienzentrum über Hilfs-, Gesundheits- und Bildungsdienste bis hin zu Programmen zur Stärkung von Jugendlichen und Frauen.  

Sein Radio Fresh, das Fares 2013 mit Mitteln des US-Außenministeriums ins Leben rief, warnte Anwohner vor bevorstehenden Luftangriffen. "Ursprünglich wollten wir die Menschen alarmieren und so die Zahl der Opfer senken. Doch das Radio wurde viel mehr als das", sagt Abdullah Klido, Chefredakteur von Radio Fresh. Der Sender begann mit der Ausstrahlung von Nachrichten und Geschichten über den Alltag in Idlib.

Mit der Eskalation des Krieges wurden Dokumentation und Berichterstattung über die Angriffe des Assad-Regimes immer riskanter. Die massenhafte Gewalt förderte die Radikalisierung. Bald sahen sich die Aktivisten nicht nur von der Artillerie und den Luftangriffen des Regimes bedroht, sondern auch von den stärker werdenden fundamentalistischen Gruppen.

Islamisten unterbanden die Übertragung von Musik und Frauenstimmen. Zur Umgehung des Verbots begannen Fares und seine Kollegen, Tier- und Naturgeräusche anstelle von Musik zu spielen, und veränderten die Tonhöhe der Frauen, damit sie wie Männer klingen.

Drohungen und Mordanschläge

Nur wenige Monate nach dem Start überfielen IS-Milizen den Radiosender und beschlagnahmten bzw. zerstörten die Ausrüstung. Im Jahr 2014 wurde Fares von IS-nahen Militanten angeschossen, er überlebte das Attentat nur knapp. Trotz der vielen Drohungen und Mordversuche arbeitete er weiter. Er weigerte sich, seine Heimatstadt zu verlassen und lehnte es ab, eine Waffe zu tragen. Er wollte mit friedlichen Mitteln kämpfen.

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