Geradezu absurd mutet an, dass ein Flügel im berühmten Ashmolean-Museum in Oxford zu Ehren des Prinzen Sultan bin Abdul Aziz al Saud benannt ist, obwohl kaum ein dort gezeigtes Objekt in Saudi-Arabien ausgestellt werden könnte, einige sogar als Teufelswerk vernichtet werden würden. Doch die Tafel verkündet: "Diese Spende soll ein größeres Verständnis und die Wertschätzung islamischer Kultur weltweit fördern."

Einer der besten Wege hin zu friedlicher Koexistenz

Sufis beim Freitagsgebet vor der Moschee in Omdurman in Sudan; Foto: dpa
"Die Unterstützung von Sufis ist zwar kein Allheilmittel, aber es ist einer der besten Wege hin zu friedlicher Koexistenz, erheblich vielversprechender als die offensichtlich kontraproduktive Politik militärischer Einmischung. Denn die baldige Säkularisierung der islamischen Welt ist eine Fata Morgana", schreibt Trojanow.

Laut Schätzungen hat Saudi-Arabien in den letzten Jahrzehnten siebzig bis hundert Milliarden Dollar für die vielleicht aggressivste diplomatische Kampagne der Geschichte ausgegeben. Moscheen wurden gebaut und erhalten, islamische Kulturzentren und Schulen errichtet. Nichtregierungsorganisationen wie die Muslim World League haben weltweit Büros eröffnet, von denen aus wahhabitisches Gedankengut verbreitet wird. Unzählige junge Männer werden durch Stipendien nach Saudi-Arabien gelockt, wo sie in einer siebenjährigen Ausbildung einer Gehirnwäsche unterzogen werden, die nach ihrer Rückkehr zu schweren Konflikten mit althergebrachten Traditionen führt.

Gleichzeitig herrscht auch bei uns Misstrauen gegenüber dem Sufismus, gerade weil er nicht staatstragend, sondern eher widerborstig, eigenwillig, ekstatisch und überdreht erscheint. Zudem meist antiautoritär. Der Staat hingegen braucht verbindliche Strukturen wie auch Texte.

Gerade die sufistische Freiheit des spirituellen Weges findet keinen Platz im Regime der starren Institutionen. Das ist jammerschade. Denn die Sufis sind die wichtigsten Gegner der Fundamentalisten. Wo sich ihr Einfluss hält, wird der Extremismus in Schach gehalten. Wenn aber Salafisten an die Macht gelangen, müssen Sufis um ihr Überleben kämpfen.

Gewiss, die Unterstützung von Sufis ist kein Allheilmittel, aber es ist einer der besten Wege hin zu friedlicher Koexistenz, erheblich vielversprechender als die offensichtlich kontraproduktive Politik militärischer Einmischung. Denn die baldige Säkularisierung der islamischen Welt ist eine Fata Morgana.

Ilija Trojanow

© Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016

Ilija Trojanow, geboren 1965, ist Schriftsteller und Herausgeber der Buchreihe "Weltlese", die Literatur aus der ganzen Welt versammelt. Zuletzt erschienen von ihm der Roman "Macht und Widerstand" und das Sachbuch "Meine Olympiade".

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Leserkommentare zum Artikel: Der größte Feind des islamischen Extremismus

Sosehr mir Sufis sympathisch sind (in der Regel), sosehr lehne ich das Strategiedenken des Herrn Trojanow ab.
Unterstützung der Sufi-Orden aus dem Westen?
Da macht der Aufsatz des Herrn Weidner wahrlich mehr Sinn.

Dass diese Orden jedoch ein Bollwerk gegen den Salafismus darstellen, ist unbestreitbar.
Muslimische Staatsmänner, die auf Ausgleich bedacht sind, wie zum Beispiel der marokkanische König Mohammed VI, wissen das. Die Zaouiat (Tijania, Boutchichia) genießen in Marokko hohes Ansehen, und werden auch zunehmend offiziell in Wert gesetzt.

Ein deutscher Schriftsteller oder ein deutscher Musiker mögen sich mit einem Schriftsteller oder Musiker aus dem islamischen Kulturkreis, der einem Sufi-Orden angehört, aufs Beste verstehen. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass die Sufi-Orden vom Westen unterstützt werden müssten. Das würde bedeuten, die Möglichkeiten und die Auswirkungen westlicher Einflussnahme verkennen. Denn wie soll denn unterstützt werden? Mit Geld wohl. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Sufi-Orden derselbe bleibt, wenn er aus strategischen Gründen mit Geld aus dem Westen unterstützt wird.
Ich erkenne da Kulturchauvinismus im sozialromantischen Gewand, gepaart mit unrealistischem westlichen Macher-Wahn.

Trotzdem ist dieser Artikel zu schätzen, da er in einer islamfeindlichen Atmosphäre andere Aspekte des Islam aufzeigt und somit zu einer umfassenderen Betrachtung beiträgt.

benita schneider27.08.2016 | 00:23 Uhr

Trojanow verdient allen Respekt. Aber er verkennt Wichtiges. Der Westen ist genauso unversöhnlich wie die Wahhabi, viele von ihnen haben in den USA studiert. Aber, der Traum wäre schon schön. Nur sind Sufi von natur aus arm.

MAHABODHI 04.09.2016 | 22:54 Uhr