Als Rechtsgelehrter sah er die größten Erfolgschancen für die von ihm ausgerufene Revolution darin, sich selbst zum wahren Mahdi zu erklären. Der Mahdi ist nach islamischer Glaubensauffassung ein Nachkomme des Propheten Mohammed, der das Unrecht der Welt besiegen wird.

Ibn Tūmart verbreitete die Hadithe (Überlieferungen) des Propheten über den erwarteten Mahdi und behauptete, er sei alawitischer Abstammung und Nachkomme der Söhne von Al-Hassan ibn Abi Talib, eines Enkels des Propheten Mohammed.

Dann, im Ramadan des Jahres 1121, erklärte er sich unter Gefährten und Anhängern schließlich zum unfehlbaren Mahdi, wie in den Hadithe des Propheten angekündigt.

In seinem Buch Nazm al-Juman berichtet der marokkanische Gelehrte Ibn al-Qattan von der Ansprache Ibn Tūmarts:

"Gedankt sei Allah, der tut, was Er will, und der richtet, was Er will. Es gibt keine Einwände gegen Seine Weisungen. Es gibt keinen Kommentar zu Seinem Urteil. Gott preise unseren Meister Muhammad, der gute Nachrichten über den Mahdi brachte, der die Erde mit Recht und Gerechtigkeit erfüllen wird, die unter Unterdrückung und Ungerechtigkeit leidet. Gott wird ihn senden, wenn die Wahrheit durch Lüge außer Kraft gesetzt und die Gerechtigkeit durch Ungerechtigkeit abgelöst wird."

Moschee von Tinmal, das langjährige Bergexil Ibn Tūmarts; Foto: Wikimedia
Bollwerk gegen die heranrückenden Almoraviden: Ibn Tūmart zog nach Tinmal, einer befestigten Bergstadt, um seine Truppen ausrüsten zu können, ohne einen Angriff der Almoraviden befürchten zu müssen. In Erinnerung an Ibn Tūmarts langjähriges Bergexil gründete dessen Nachfolger Abd al-Mu'min um 1153/54 die Moschee von Tinmal.

Und weiter: "Sein Platz ist der ferne Maghreb und seine Zeit ist die Endzeit und sein Name ist der Name des Propheten, der von Gott und seinen gnädigen Engeln gepriesen wird. Die Erde ist voller Ungerechtigkeit und Unehrenhaftigkeit. Dies ist die Endzeit, der Name ist der Name, die Abstammung ist die Abstammung, und die Aufgabe ist die Aufgabe."*

Man kann den Tag, an dem Ibn Tūmart verkündete, er sei der angekündigte Mahdi, als den entscheidenden Tag in der Geschichte seiner Bewegung ebenso wie in der Geschichte des Maghreb und der gesamten islamischen Welt sehen. Von diesem Tag an soll Ibn Tūmart die "spirituelle Kleidung [angezogen haben], die er für sich beanspruchte, um die Legitimität und Heiligkeit seines Imamats zu dokumentieren".

Der Treueeid der ihm ergebenen Stämme reichte ihm nicht. In kurzer Zeit bereitete er seine Anhänger aktiv auf die erwartete militärische Konfrontation mit den Almoraviden vor. Er zog nach Tinmal, einer befestigten Bergstadt, um seine Truppen ausrüsten zu können, ohne einen Angriff der Almoraviden befürchten zu müssen.

Seine Anhänger, die sich als Almohaden ("Bekenner der göttlichen Einheit") bezeichneten, unterzog er einem ausgefeilten Ausbildungssystem, das die verpflichtende Teilnahme an Unterrichtungen vorsah. Er schrieb zudem Bücher für die Unterweisung seiner Anhänger, die bekanntesten unter ihnen waren Al-Murshada und A'azz Ma Yutlab.

Ibn Tūmart kämpfte gegen die große Stammesgruppe der Berber-Masmuda, die sich seinem Ruf zunächst widersetzten, sich ihm aber später anschlossen. Seinen Jüngern und Anhängern gegenüber blieb er zeitlebens misstrauisch. So ließ er beispielsweise seine Gefolgschaft ausspähen, um stets über alles informiert zu sein. Dieses Misstrauen gipfelte in einer massiven Säuberungswelle, bei der Tausende hingerichtet wurden.

Erfüllte sich Al-Ghazalis Prophezeiung?

In zahlreichen Schlachten kämpfte Ibn Tūmart gegen die Almoraviden. Seine Armeen konnten viele beeindruckende Siege erringen. Und tatsächlich erfüllte sich die Prophezeiung Al-Ghazalis beinahe.

Doch im Jahr 1129 erlitten die Almohaden in der Schlacht von Al-Buhayra vor den Mauern von Marrakesch eine bittere Niederlage gegen die mit dem Mut der Verzweiflung kämpfenden Almoraviden.

Kurz danach starb Ibn Tūmart im Alter von 50 Jahren in Tinmal. Ihm folgte sein Schüler Abd al-Mu'min nach. Dieser eroberte ein großes Reich, das den Maghreb und Andalusien umfasste und zur ersten Dynastie des Kalifats der Almohaden wurde.

Mohamed Yosri

© Raseef 22

Aus dem Englischen von Peter Lammers

*Zitiert und übersetzt aus "The Dearest Quest: A Biography of Ibn Tūmart" von Wilyam Sharif, 2010, S. 91-92

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