Der Irak-Krieg vor 15 Jahren

"Wie Amerika mein Land zerstörte"

Der Einmarsch in den Irak wird in den Vereinigten Staaten oft als "Fehler" oder gar als "gravierender Fehler" bezeichnet. Er war ein Verbrechen. Diejenigen, die das Verbrechen verübten, sind weiter auf freiem Fuß. Ein Essay des irakischen Schriftstellers Sinan Antoon

Als ich 12 war, riss Saddam Hussein als damaliger Vizepräsident des Irak im Zuge massiver Menschenrechtsverletzungen und Massenhinrichtungen die gesamte Macht an sich. Ich lebte damals in Bagdad und entwickelte schon früh einen intuitiven, abgrundtiefen Hass auf den Diktator.

Dieses Gefühl verstärkte sich im Laufe der Zeit und blieb mein steter Begleiter. Ende der 1990er Jahre schrieb ich meinen ersten Roman "I'jaam: An Iraqi Rhapsody" über das tägliche Leben unter Saddams autoritärer Herrschaft. Der Erzähler Furat war ein junger Student, der wie ich englische Literatur an der Universität Bagdad studierte.

Er landete im Gefängnis, weil er einen Scherz über den Diktator machte. In seinen Fantasien stellte sich Furat vor, Saddams würde gestürzt. So wie ich es mir auch oft vorgestellt hatte. Ich hoffte, ich könnte diesen Moment eines Tages tatsächlich erleben – ob im Irak oder aus der Ferne.

Ein paar Monate nach dem Golfkrieg 1991 verließ ich den Irak und ging an eine Hochschule in den Vereinigten Staaten. Dies ist seitdem meine Wahlheimat. Als 2002 die amerikanische Öffentlichkeit auf den Irak-Krieg eingestimmt wurde, war ich entschieden gegen die geplante Invasion.

Die Vereinigten Staaten hatten bisher die Diktatoren in der arabischen Welt konsequent unterstützt. Ihr Geschäft war durchaus nicht der Demokratieexport, auch wenn die Bush-Administration es in ihren Parolen anders darstellte.

"Nein zum Irakkrieg. Nein zur Diktatur."

Ich erinnerte mich, wie ich als Teenager im Wohnzimmer meiner Familie zusammen mit meiner Tante saß und irakisches Fernsehen sah. Die Nachrichten zeigten Donald Rumsfeld als Abgesandten von Ronald Reagan in Bagdad, wie er und Saddam sich die Hand reichten. Diese Erinnerung ließ die Worte von Herrn Rumsfeld im Jahr 2002 über Freiheit und Demokratie für Iraker als hohl und leer erscheinen.

US-Präsident George W. Bush verkündet auf einem Flugzeugträger im Persischen Golf am 1. Mai 2003 das Ende des Golfkrieges; Foto: AFP/Getty Images
Mission accomplished, Land zerstört: Die Invasion des Irak unter George W. Bush machte das Land zu einem Anziehungspunkt für Terroristen. Der Irak taumelte später in einen sektiererischen Bürgerkrieg, der Hunderttausende von Zivilisten das Leben kostete und Hunderttausende weitere vertrieb, was die Demographie des Landes unwiderruflich veränderte.

Zudem wusste ich nach zwei vorangegangenen Kriegen (dem Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988 und dem Golfkrieg von 1991), dass die eigentlichen Kriegsziele immer durch ausgefeilte Lügen verschleiert werden, die die kollektive Angst ausnutzen und nationale Mythen festschreiben.

Ich war einer von etwa 500 Irakern in der Diaspora, die eine Petition unterzeichneten: "Nein zum Krieg gegen den Irak. Nein zur Diktatur." Wir alle hatten unterschiedliche ethnische und politische Hintergründe. Viele waren Dissidenten und Opfer des Regimes von Saddam. Wir verurteilten zwar Saddams Terrorherrschaft, waren aber gegen einen "Krieg, der unschuldigen Irakern noch mehr Tod und Leid bringen würde" und der die gesamte Region in ein blutiges Chaos zu stürzen drohte.

Unsere Stimmen waren in den Mainstream-Medien der Vereinigten Staaten unerwünscht. Diese standen stramm auf der Seite der Kriegsbefürworter, die von jubelnden Massen fantasierten, die die Invasoren mit "Kuchen und Blumen" empfangen würden. Es kam anders, wie wir wissen. Unter dem Strich hat die Petition nicht viel bewirkt.

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Leserkommentare zum Artikel: "Wie Amerika mein Land zerstörte"

Bush und Blair gehören vor ein Gericht, aber leider werden westliche Verbrecher immer verschont. Jedoch sollte auch erwähnt ein, dass die Iraker mind. 40% Mitschuld daran tragen, was nach der Invasion alles passierte - vor allem die Schiiten.

Selbst heute spricht kein einziger arabischer Politiker über die Gräueltaten der Amerikaner im Irak.

Micheal Afdisch29.03.2018 | 03:16 Uhr