Der indische Spielfilm "7 Göttinnen"

Frauen schlagen zurück

Von einem Film über sieben junge Frauen bei einer Junggesellinnen-Party erwartet man nicht ein bewegendes politisches Statement über Gleichberechtigung. Aber "7 Göttinnen" ist genau das: eine unterhaltsame Story über sieben Frauen und ein kühner Aufschrei gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung in Indien. Von Sheila Mysorekar

Der Film "7 Göttinnen" (im Original: "Angry Indian Goddesses") beginnt als typischer Hindi-"Mädchenfilm": sechs junge Städterinnen und eine Hausangestellte treffen sich in Goa an der indischen Westküste, in dem Ferienhaus von einer von ihnen. Die Kindheits-Freundinnen wollen ein ausgelassenes Wochenende unter Frauen verbringen, weil Frieda, die Gastgeberin, bald heiratet.

Eine interessante Wendung ist, dass sie ihren Freundinnen nicht erzählt, wer der Auserwählte ist; auch die Zuschauer werden darüber erst einmal im Dunkeln gelassen. Es würde den Spaß verderben, hier zu erwähnen, wen Frieda nun heiratet, nur so viel: Es ist eine wirkliche Überraschung.

Die sieben Frauen leben sehr unterschiedlich – eine ist eine einflussreiche Geschäftsfrau, eine ist erfolglose Musikerin, die andere eine gelangweilte Hausfrau, die nächste eine kämpferische Umweltaktivistin, eine ist Hausangestellte und so weiter. Sie reden frei über alle möglichen Themen: Liebe, Arbeit, Männer, Sex – oder den Mangel daran. Sie sprechen über Trauer und Erfolg.

Entspannter Umgang mit sexuellen Themen

Die offene Sprache und der entspannte Umgang mit sexuellen Themen sind überraschend. Die Zuschauer haben das Gefühl, die Frauen mit all ihren Geheimnissen und Hoffnungen gut kennenzulernen.

Die kleine Tochter der gestressten Geschäftsfrau ist auch dabei. Das stille kleine Mädchen wird später im Film eine entscheidende und sehr überraschende Rolle haben. Wendungen im Plot sind häufig und halten die Spannung aufrecht. Nichts ist so, wie es erst scheint.

Lachen und Späße ziehen sich durch den Film, aber die Geschichte hat auch sehr düstere und dramatische Elemente. Eine Bande von Vergewaltigern greift eine der Frauen brutal an. Ihre Freundinnen reagieren mit einem Zorn, der der indischen Göttin des Todes und der Erneuerung, Kali, würdig ist – daher kommt auch der Titel. Der Film zeigt Frauen nicht als bloße Opfer, sondern als Akteure, die die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Kinoplakat "7 Göttinnen"
Populär im Ausland, skandalträchtig im Inland: Beim "Toronto International Film Festival" in Kanada bekamen die "7 Göttinnen" den zweiten Platz bei den "People's Choice Awards". "Was wir in einem kleinen Dorf in Goa begonnen haben, erregt nun weltweit Aufmerksamkeit", so Pan Nalin. Die indischen Zuschauer bekommen jedoch nur eine zensierte Version des Filmes zu sehen.

Ausgezeichnete Darstellerinnen, Kamera und Schnitt verhelfen der Geschichte zu großer Glaubwürdigkeit. Die tropische Landschaft Goas bietet einen reizvollen Rahmen. Und in bester Hindi-Film-Tradition ist die Musik sehr wichtig.

"Ode an indische Frauen"

Der Film "Angry Indian Goddesses" kam in Indien im Dezember 2015 in die Kinos und erregte große Aufmerksamkeit. Die Kritiken waren ausgezeichnet, die Zuschauerreaktionen positiv. Die Geschichte ist ein wichtiger Beitrag zur laufenden Debatte über sexuelle Belästigung in Indien; der Film stellt sich eindeutig gegen die weitverbreitete Straffreiheit für Vergewaltiger.

Beim Toronto International Film Festival in Kanada bekamen die "7 Göttinnen" den zweiten Platz bei den People's Choice Awards, und beim Rom Film Festival bekam der Streifen den Zuschauerpreis. "Was wir in einem kleinen Dorf in Goa begonnen haben, erregt nun weltweit Aufmerksamkeit", erklärte Regisseur Pan Nalin und sieht es als "Ode an indische Frauen".

Die indischen Zuschauer bekommen jedoch nur eine zensierte Version des Filmes zu sehen. Das Central Board of Film Certification ordnete viele Einschränkungen an; alle Flüche wurden bereinigt.

Der Film läuft nun in 50 Ländern an. Bei der Filmpremiere in Deutschland waren mehrere der Schauspielerinnen anwesend. Sie lobten Regisseur Pan Nalin als einen Mann, der seinem Team die "maximale Freiheit gab, das Skript zusammen zu entwickeln".

Die Schauspielerinnen betonten, dass sich der Film gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung richtet. Er spricht sich vielmehr für sexuelle Freiheit und die Legalisierung von Homosexualität aus. "Dies betrifft nicht nur Indien", sagte Rajshri Deshpande, die Laxmi spielt. "Vergewaltigung und sexuelle Belästigung sind weltweite Probleme. Dagegen muss überall vorgegangen werden."

Sheila Mysorekar

© Zeitschrift Entwicklung & Zusammenarbeit 2016

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