Der Aufstieg von Mohammed bin Salman zum Kronprinzen im Jahr 2017, so Abdulaziz, habe Twitter in Saudi-Arabien verändert. Eine ganze Zeit hätte die Bevölkerung Twitter relativ frei genutzt, um ihre Meinung zu äußern. Der saudische Kronprinz habe bereits früh erkannt, welche Bedeutung die sozialen Netzwerke bei der Meinungsbildung hätten, sagt Saudi-Arabien-Experte Guido Steinberg.

Der ehemalige Rechts- und Medienberater Saud bin Abdullah al-Kahtani zeichne sich verantwortlich für das Errichten regelrechter Trollfabriken. Al-Kahtani galt eigentlich auch als Hauptverantwortlicher im Mordfall Khashoggi, war aber nicht unter den Angeklagten. Die Vorwürfe gegen ihn, einen der engsten Vertrauten des Kronprinzen, wurden "wegen unzureichender Beweise" nicht aufrechterhalten, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman; Foto: picture-alliance/dpa
Mit harter Hand gegen saudische Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten: Saudi-Arabien steht wegen massiver Menschenrechtsverstöße immer wieder in der Kritik. Dort sitzen zahlreiche Menschenrechtsaktivisten trotz unklarer Vorwürfe in Haft. Kritiker machen dafür vor allem Kronprinz Mohammed bin Salman verantwortlich. Sie sehen ihn auch als eigentlichen Drahtzieher des Mordes an dem regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

MbS hatte auf öffentlichen Druck hin, eingeräumt, dass Khashoggi in der saudischen Botschaft in Istanbul zu Tode kam und elf Männer vor Gericht gestellt . MbS bestreitet bis heute, den Mord beauftragt zu haben, obwohl es sowohl von den Vereinten Nationen als auch aus den USA mehrere starke Hinweise darauf gibt.

Omar Abdulaziz hat keine Angst

Zu dem Fall Omar Abdulaziz hat Saudi-Arabien bisher keine Stellung bezogen. Ein Sprecher der kanadischen Regierung sagte laut "Guardian", dass man zutiefst besorgt über die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien sei. Kanada werde sich immer für den Schutz der Menschenrechte einsetzen.

Vielleicht liegt es daran, dass Omar Abdulaziz keine Angst hat und sich in Kanada scheinbar sicher fühlt. "Es geht mir gut", sagt er in seinem Video-Statement. Die Royal Canadian Mounted Police habe ihn gefragt, was er über die Bedrohungslage denke. Seine Antwort: "Ich bin glücklich. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas tue. Wenn man nichts tut, was MbS stört, bedeutet dies, dass man seinen Job nicht gut macht."

Diana Hodali

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