Abdulaziz hatte 2017/2018 regelmäßig Kontakt zum "Washington Post"-Kolumnisten Khashoggi. Genau das könnte Abdulaziz zum Verhängnis geworden sein. "Als Jamal Khashoggi sich in Washington aufgehalten hat, hat er Kontakt zu Omar Abdulaziz gesucht. Sie hatten auch gemeinsame Aktivitäten geplant", sagt Steinberg. "Das scheint ein Moment gewesen zu sein, als Khashoggi in die Schusslinie geraten ist, aber auch, als Saudi-Arabien merkte, dass Abdulaziz möglicherweise eine Gefahr für sie darstelle." Saudi-Arabien habe große Angst davor gehabt, dass sich im Ausland eine liberale und in den Medien einflussreiche Opposition um Jamal Khashoggi und Omar Abdulaziz bilde.

Omar Abdulaziz wurde ausspioniert

2018 erfuhr Abdulaziz schließlich durch Forscher am Citizen Lab der Universität Toronto, dass sein Telefon mit Spyware offenbar durch ein mit Saudi-Arabien in Verbindung stehendes Netzwerk gehackt und abgehört wurde. Nach dem mutmaßlichen Hack wurden mehrere Familienmitglieder festgenommen. In seinem aktuellem Video-Statement auf Twitter sagt Abdulaziz dazu: "Dass man mir als Kritiker etwas antun will, ok. Aber was hat meine Familie damit zu tun? Warum dürfen meine Eltern und Geschwister nicht mehr reisen, mich nicht mehr kontaktieren?"

Menschenrechtskampagne für Jamal Khashoggi; Foto: AFP/Getty Images
Brutal ermordet von den Schergen des saudischen Regimes: Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Spezialkommando aus Riad getötet worden, als er Papiere für die Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin Hatice Cengiz abholen wollte. Die saudische Regierung räumte den Mord auf internationalen Druck hin ein. Kronprinz Mohammed bin Salman bestritt aber, die Tötung selbst angeordnet zu haben. In den Ermittlungen führten aber die Spuren in das direkte Umfeld des Monarchen.

Im Oktober 2018 wurde Jamal Khashoggi schließlich auf brutale Art und Weise im saudischen Konsulat ermordet.

Khashoggi und Abdulaziz gegen saudische Internettrolle

Omar Abdulaziz geht auch davon aus, dass er und Khashoggi durch ihre geplanten Aktivitäten ins Visier der saudischen Führung geraten sind. Zumindest geht das aus einemLeitartikel in der Washington Post im November 2019 hervor, den Omar Abdulaziz geschrieben hat.

Darin steht, Saudi-Arabien wolle ihn einschüchtern: "Saudi-Arabien hat mit Spyware der israelischen Firma NSO Group mein Telefon gehackt, um meine Nachrichten mit Jamal zu lesen, mit dem ich zusammenarbeitete, um saudische Trolle auf Twitter zu identifizieren und zu bekämpfen.

Wir nannten diese Trolle 'elektronische Bienen'. Wir haben zusammengearbeitet, um eine Armee von Freiwilligen zu organisieren, um ihnen entgegenzuwirken." Die saudische Regierung setze jedes Mittel ein, um mich dazu zu bringen, das Projekt fallen zu lassen, schrieb er damals. Und es scheint, als behalte er recht. 

Twitter - ein Dorn im Auge Saudi-Arabiens

Der Videoblogger und Aktivist Abdulaziz hat fast eine halbe Million Twitter-Follower. Er schrieb in seinem Artikel, dass Saudi-Arabien ihn offenbar zu den Top drei der saudischen Twitter-Influencer zähle: Er lebe allerding jetzt im Exil, der Zweite sei festgenommen worden und ein Dritter sei verschwunden.

Die Redaktion empfiehlt