Der Dollarkurs auf dem iranischen Schwarzmarkt steigt, mit ihm die Preise - und die Unzufriedenheit der Bevölkerung. Jüngstes Beispiel: Seit dem 22. Mai streiken die Lastwagenfahrer gegen den Anstieg ihrer Kosten und das damit verbundene Sinken ihrer Einkommen. Der Streik begann in den Provinzen Isfahan, Qazwin, Rasht, Schiraz und Bandar Abbas und weitete sich schnell auf andere Regionen aus. Ein Lastwagenbesitzer berichtete der Nachrichtenagentur Fars, die Preise für Ersatzteile stiegen beinahe stündlich.

Der Ayatollah spricht von Tom und Jerry

All das allein schon wegen der bloßen Ankündigung von US-Sanktionen - die Sanktionen selbst sollen erst in einigen Wochen in Kraft treten, die ganz harten erfolgen im Herbst dieses Jahres. Schon jetzt bekommen iranische Flugzeuge auf vielen Flughäfen der Welt kein Kerosin mehr, es sei denn, man zahlt Cash. Koffer voller Dollar müssen also mitfliegen, wenn die Maschine heimkehren soll.

Cartoon-Ausschnitt Zeichentrickfilm "Tom und Jerry"
Bizarrer "Katz-und-Maus-Spiel"-Vergleich: Den Streit zwischen den USA und dem Iran verglich Revolutionsführer Khamenei jüngst mit dem Zeichentrickfilm "Tom und Jerry", in dem die Katze Tom nie die Maus Jerry erwischt: "Wie Tom in dem bekannten Tom und Jerry Zeichentrickfilm werden sie (USA) wieder verlieren", so Khamenei.

Und selbst gegen diese Art der Zahlung hat sich die US-Administration etwas einfallen lassen: In der vergangenen Woche hat das US-Finanzministerium Sanktionen gegen 31 iranische Flugzeuge erlassen. Selbst gegen Bargeld dürfen diese Maschinen nicht mehr betankt werden: Fünf davon sind Regierungsmaschinen. Präsident Rohani und sein Außenminister Javad Zarif werden sich wohl für bestimmte Flugziele etwas einfallen lassen müssen.

"Amerika wird, wie der Kater in der berühmten Geschichte von Tom und Jerry, auch diesmal verlieren. An der Niederlage des Feindes haben wir keinen Zweifel. Und jeder, der die islamische Lehre kennt, weiß dies." Das ist der Originalton von Ayatollah Ali Khamenei. Es ist der zehnte Tag des Fastenmonats Ramadan, der Revolutionsführer hat zum Fastenbrechen zu sich eingeladen, die wichtigsten Kommandanten der Sicherheitskräfte und die Regierung sind gekommen. Doch ob die Geschichte auch diesmal genauso spaßig sein wird, wie es bei Tom und Jerry der Fall ist, scheint überaus zweifelhaft.

Ayatollah Khamenei ist für seine Feindschaft gegenüber der westlichen Kultur bekannt. Trotzdem glaubt er offenbar, sein Verweis auf Tom und Jerry könne Donald Trump beeindrucken.

Doch Trump kennt die persische Kultur nicht, sonst könnte er ebenfalls mit einer Katz-und-Maus-Geschichte antworten. Nämlich mit einer alten persischen Fabel: Sie wurde vor siebenhundert Jahren von dem persischen Dichter und Schriftsteller Obeyd-e Zakani verfasst. Die Geschichte weist auf das moralische Dilemma des Unterdrückten hin, der sich ohnmächtig fühlt. Die Mäuse, die gegen die Herrschaft der Katzen kämpfen, scheitern nicht nur an ihrer Schwäche, ihrer Furcht, sondern auch an ihrer Unterlegenheit und der Grausamkeit der Katzen. Die Mäuse haben keine Alternative.

Ali Sadrzadeh

© Iran Journal 2018

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Leserkommentare zum Artikel: Angezählt

Die Mäuse haben durchaus Alternativen, Hr. Sadrzadeh. Eine der vielen ist: Die Mäuse lassen sich ihre Lage von den Mäusen analysieren, die ihnen Hoffnung und damit Alternativen bieten. Dadurch wehren sie sich sowohl gegen die Katzen als auch gegen ihre Komplizen.

Ali Alami25.06.2018 | 14:01 Uhr