Bei den Unruhen nach der umstrittenen Wiederwahl Mahmud Ahmadinedschads im Jahr 2009 wurde Hadjarrian drei Tage vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse und dem Ausbruch der Proteste dagegen verhaftet: Man wusste, dass er wusste, wie die gefälschten Wahlergebnisse präsentiert werden würden und was danach geschehen würde. In seinem Rollstuhl wurde er monatelang in Einzelhaft gehalten, musste schließlich im Staatsfernsehen eine Beichte ablegen und wurde nach sechs Monaten freigelassen. Doch er schreibt immer noch Artikel und Essays in den Medien und erteilt Irans Reformern Ratschläge.

"Rohani wird scheitern"

In dem besagten Interview sagt Hadjarrian das Scheitern von Präsident Rohani voraus und zählt die innen- und außenpolitischen Gründe dafür auf. Der wirtschaftliche, soziale und außenpolitische Druck werde so groß, dass es nicht so weitergehen könne. Wahrscheinlich werde die Last bald so unerträglich, dass Präsident Rohani schon in diesem Jahr kaltgestellt werde.

Irans Präsident Rohani im Kreis von Kommandeuren der Revolutionsgarden; Foto: IRNA
Die Luft wird dünn für Hassan Rohani: Nach Einschätzung des Analysten Said Hadjarrian steht die Entmachtung des iranischen Präsidenten bevor – entweder durch freiwilligen Rücktritt, ein Misstrauensvotum durch das Parlament, eine erzwungene Kabinettsumbildung oder durch eine offene Machtübernahme der Revolutionsgarden.

Wie die Entmachtung des Präsidenten genau vollzogen wird, macht Hadjarrian nicht mit Bestimmtheit fest. Er zählt lediglich die Möglichkeiten auf: freiwilliger Rücktritt oder ein Misstrauensvotum durch das Parlament, erzwungene Kabinettsumbildung oder offene Machtübernahme der Revolutionsgarden. Nüchtern und emotionslos analysiert er die Unwägbarkeiten und Konsequenzen der einzelnen Szenarien.

Kaum war jenes Interview in der Tageszeitung Etemad erschienen, brach auch schon der Sturm in den sozialen Netzwerken und auf verschiedenen Webseiten los. Jeder sah sich bemüßigt, einen Kommentar abzugeben. Für das persischsprachige Programm der BBC waren Hadjarrians Thesen der Anlass für eine einstündige Talksendung mit verschiedenen Experten - wiederum eine rationale und nüchtern geführte Debatte.

Bei vielen politischen Beobachtern des Iran herrscht momentan der Eindruck vor, es liege etwas in der Luft, es werde bald etwas geschehen. Aber was? Niemand weiß es genau.

Vorboten eines Erdbebens

Einer nach dem anderen erklären dieser Tage die großen europäischen Konzerne, sie würden sich aus dem Irangeschäft zurückziehen. Der Erdölkonzern Total, der Autobauer Renault aus Frankreich, Siemens aus Deutschland, selbst aus der neutralen Schweiz kommen Hiobsbotschaften: Vor wenigen Wochen hatte der Schweizer Konzern Stadler eine Absichtserklärung für die Lieferung von 960 U-Bahn-Wagen an den Iran unterzeichnet. Der definitive Zuschlag für den 1,3-Milliarden-Deal war nur noch Formsache. Jetzt zieht sich auch Stadler zurück, die Chinesen könnten zum Zug kommen.

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Leserkommentare zum Artikel: Angezählt

Die Mäuse haben durchaus Alternativen, Hr. Sadrzadeh. Eine der vielen ist: Die Mäuse lassen sich ihre Lage von den Mäusen analysieren, die ihnen Hoffnung und damit Alternativen bieten. Dadurch wehren sie sich sowohl gegen die Katzen als auch gegen ihre Komplizen.

Ali Alami25.06.2018 | 14:01 Uhr