Der umtriebige und unermüdliche Hadjarrian verkörperte den Geheimdienst der Revolution, die unzählige Feinde hatte. Diese Gegner mussten schnellstens verhaftet, vernommen und wenn nötig vernichtet werden. Und im großen und multiethnischen Iran gab es in jenen Tagen für die Anhänger des Regimes Tausende Feinde der Revolution.

Hajdarrians wichtigster Beitrag zur Festigung der neuen Macht – und darin stimmen Freund und Feind überein – war die Aufdeckung und Zerschlagung eines Militärputsches, der kurz vor seiner Vollendung stand. Hochrangige Luftwaffenoffiziere, Anhänger von Shapur Bakhtiar, dem letzten Ministerpräsidenten des Schahs, hatten geplant, alle neuralgischen Punkte des neuen Staates, Khomeinis Haus in Teheran inklusive, zu bombardieren. Hadjarrian war es, der den Plan aufdeckte und brutal vereitelte.

Die graue Eminenz der Reformbewegung

Nun redet er, im Rollstuhl sitzend und mit kaum noch vernehmbarer Stimme, wieder von einem Putsch, diesmal durch die Revolutionsgarden. Dass er dies von einem Rollstuhl aus tut, hat mit Hadjarrians politischer Wandlung zu tun. Nach dem Tode Khomeinis hatte er den Geheimdienst verlassen und wurde nach und nach zum wichtigsten Theoretiker der Reformbewegung. Er gründete mehrere Zeitungen, organisierte politische Zirkel und Think Tanks. Er suchte und sucht noch immer einen Gottesstaat mit menschlichem Antlitz.

Said Hadjarian; Quelle: webneveshteha.com
Warnung vor der drohenden Apokalypse: "Der soziale und außenpolitische Druck wird so groß, dass es nicht so weitergehen kann! Wahrscheinlich wird die Last bald so unerträglich, dass Präsident Rohani schon in diesem Jahr kaltgestellt wird", meint Said Hadjarian.

Seinem Ziel kam er einmal sehr nahe, als der damalige Reformpräsident Mohammad Khatami gewählt wurde. Hadjarrian war Khatamis wichtigster Berater, die graue Eminenz der Reformbewegung. Seine Rolle als Stratege dieser Bewegung, dazu einer, der alles über den Geheimdienst wusste, war für die Hardliner nicht tragbar. Allein seine Existenz schien gefährlich, Hadjarrian musste beseitigt werden.

Am 12. März 2000 wurde vor dem Teheraner Rathaus ein Anschlag auf ihn verübt, bei dem er schwer verletzt wurde. Khatami ließ renommierte Chirurgen aus Europa nach Teheran kommen, Hadjarrian überlebte das Attentat, sitzt jedoch seither im Rollstuhl und redet mit kaum verständlicher Stimme. Doch noch immer gilt er als hellsichtiger Stratege.

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Leserkommentare zum Artikel: Angezählt

Die Mäuse haben durchaus Alternativen, Hr. Sadrzadeh. Eine der vielen ist: Die Mäuse lassen sich ihre Lage von den Mäusen analysieren, die ihnen Hoffnung und damit Alternativen bieten. Dadurch wehren sie sich sowohl gegen die Katzen als auch gegen ihre Komplizen.

Ali Alami25.06.2018 | 14:01 Uhr