Die arabische Übersetzung wurde bei Amazon herausgegeben, weil Sie keinen Verlag gefunden haben. Was war der Grund dafür?

Grosbard: Ja, das ist leider so. Nachdem eine Bekannte das Buch ohne Honorar ins Arabische übersetzt hat, wollte ich einen Verlag suchen, habe aber keinen gefunden. Das war kurz nach den Anschlägen in Paris 2015. Offensichtlich hatten arabische Verlage Angst, Araber oder Muslime würden kein Buch kaufen, das in Zusammenarbeit mit einem Juden entstanden ist. Die meisten haben gar nicht auf meine Anfrage geantwortet oder brachten irgendwelche Ausreden vor.

Wie sind denn die Reaktionen sonst in Israel?

Grosbard: Israelische Juden sind größtenteils stolz auf das Projekt, einmal abgesehen von der religiösen Rechten, für die der Koran wertlos ist. Aber das sind nur wenige. Das israelische Außenministerium unterstützt diese Kooperation von Juden und Arabern, die Israeli Presidential Conference hat das Projekt in 2008 ausgewählt und ausgezeichnet.

Bei den meisten Arabern in Israel kommt Quranet gut an. Zum Beispiel bei den Beduinen im Süden Israels, die sehr religiös sind und immer noch ein traditionelles Leben mit ihren Schafen und Kamelen führen. Sie haben mich mal zu einem Vortrag eingeladen und sagten: Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber Sie sind so etwas wie eine Berühmtheit bei uns. Für mich war das sehr aufregend.

Sie haben Quranet entwickelt, nachdem einige Ihrer Studenten aus beduinischen Familien sagten, sie würden für ihre Arbeit etwas aus dem Koran brauchen. Denn mit westlicher Psychologie würden sie nicht weit kommen. Wie sind denn die Erfahrungen?

Grosbard: Die meisten von ihnen arbeiten heute als Schulpsychologen. Sie geben mir die Rückmeldung, mit Quranet hätten sie eine Antwort auf viele Situationen, in denen sie vorher nicht wussten, was sie tun sollen. Quranet wird heute in den meisten arabischen Schulen Israels verwendet. Aber nicht nur dort. Ich bekomme Anfragen aus der ganzen Welt. Aus Jordanien, Saudi-Arabien, Ägypten, ja sogar aus Deutschland. Menschen schreiben mir, welche Probleme sie mit ihren Kindern oder Schülern haben und fragen mich, welchen Vers aus dem Koran ich ihnen empfehlen würde. Dann suche ich einen für ihre Situation aus.

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