Das zugesprochene Gebiet war Tal Al Sakan, eine der ältesten Stätten in Gaza. Palästinensische, französische und schwedische Archäologen entdeckten den Ort 1998. Man geht davon aus, dass es sich um eine seltene 4.500 Jahre alte bronzezeitliche Siedlung handelt, aus der später eine kanaanitische Stadt entstand, die die Verbindungslinien zwischen dem alten Ägypten und der Levante erklären könnte.

Sieg der Aktivisten

Trotz heftiger Proteste von Aktivisten, Archäologen und Historikern im Gazastreifen rollten die Planierraupen weiter, bis schließlich Dutzende von Menschen vor Ort auf die Straße gingen. Der Tourismusminister der Palästinensischen Autonomiebehörde stellte sich hinter die Demonstranten. Für eine Weile sah es fast so aus, als sei die nationale Aussöhnung zwischen Hamas und Fatah in Gefahr.

Hochrangige Mitarbeiter der Hamas taten alles, um die Aktivisten einzuschüchtern. Die Wut der Jugend in Gaza ist ein Indikator für die wachsende Kluft zwischen der Lehre der Hamas und den Werten dieser neuen Generation von Aktivisten. Das einwöchige Patt im Oktober 2017 war ein Sieg für die Geschichte über die Ignoranz.

Doch Tal al-Sakan ist kein Einzelfall. Dem Ort Tal Al-Ajjul erging es nicht besser. Hier befand sich eine 4.200 Jahre alte Stadt. Sie war eine Erweiterung des Handelshafens, der 1.200 vor Christus Asien mit Afrika verband. Nach Tal Al-Sakan soll dies die zweitälteste kanaanitische Stadt sein. Der Name Tal al-Ajjul leitet sich von der Symbolik des goldenen Kalbes ab.

1933 entdeckte der britische Archäologe William Matthew Flinders Petrie dort Goldschmuck, Ziergegenstände, Prachtbauten und Ställe. Nachdem der schwedische Archäologe Peter Fischer die Eigentümergemeinschaft des Grundstücks um eine Grabungserlaubnis gebeten hatte, zerstörten die Eigentümer die Stätte. Die Familie befürchtete, die Regierung in Gaza würde ihnen das Land wegnehmen.

In die eigene Tasche wirtschaften

Im Jahr 2013 tauchte im Gazastreifen wie durch ein Wunder eine Bronzestatue von Apollon auf, dem antiken griechischen Gott des Lichts und der Musik. Ein Fischer, Jawdat Abu Grab, fand die Statue beim Fischen in der Gegend von Deir Al Balah. Wenige Tage später verschwand sie auf Nimmerwiedersehen. Nach Angaben des Antikenministeriums der Hamas wurde die Statue im Jahr 2013 von der Hamas-Polizei übernommen und war seitdem nicht mehr gesehen.

Einige Wochen später tauchte die Statue jedoch kurz auf eBay auf – zu einem Preis von 500.000 Dollar. Anonymen Quellen zufolge beschlagnahmte einer der Führer des militärischen Flügels der Hamas die Statue und behauptete, sie sei während des Gaza-Krieges 2014 zerstört worden.

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.