Die Idee des "House of One", der Platz, die Feier - sie passen zu Berlin, das als Stadt seine säkulare Prägung hochhält und doch eine Vielfalt an Religion bietet. Im Pavillon sieht man jüdische Kippas und muslimische Kappen. In der ersten Reihe sitzt Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von der Linkspartei neben Verlegerin Friede Springer und Sawsan Chebli, der muslimischen Sozialdemokratin und Staatsekretärin in Berlin. Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus spielt die Geige im Streichquartett und erläutert die Spiritualität der Musik.

Architekt Wilfried Kuehn; Foto: DW/Christoph Strack
Grundsteinlegung für April 2020: Architekt Wilfried Kuehn baut das "House of One". Die Träger für das "House of One" veranschlagen eine Bauzeit von drei Jahren und Kosten in Höhe von 43,5 Millionen Euro. 8,5 Millionen Euro seien an Spenden und Zuwendungen bereits eingegangen, 10 Millionen Euro habe der Bund zugesagt unter dem Vorbehalt, dass das Land Berlin und private Geldgeber jeweils weitere 10 Millionen Euro beisteuern. Die verbleibende Lücke von 5 Millionen Euro solle durch Spenden aufgebracht werden.

Und Rabbiner Nachama, der evangelische Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci beten singend und bitten sprechend um den Segen für das Projekt. "Wir beten für die, die Verantwortung haben in Politik, Religion und Gesellschaft, für Berlin, unser Land, Europa und die Welt".

Dann folgen Reden. Berlins Kulturstaatssekretär Gerry Woop (Linke) sagt, der geplante Bau werde "Ort des religiösen Miteinanders und der Begegnung". Und er spricht von "herausragender Architektur auf einem zentralen Platz der Stadt".

Ein Architekt im Dialog

Wilfried Kuehn freut es. Der Berliner Architekt, der sich in einem internationalen Wettbewerb durchgesetzt hatte, plante den Bau, den nun alle so loben. "Sakralbau an sich ist eine große Herausforderung, und eine der schönsten", sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Denn es betrifft einen Raum, der nicht im Zweckmäßigen beheimatet ist, sondern im Idealen und in Ideen, ähnlich wie Kunst und Musik."

Und dann erzählt er von der gemeinsamen Arbeit am "Raumprogramm" des "House of One", immer im Gespräch mit den drei Religionen. "Und wir reden jedes Mal alle gemeinsam über alles. Das heißt: Wir reden nicht mit dem Imam über die Moschee und mit dem Rabbiner über die Synagoge und mit dem Pfarrer über die Kirche, sondern wir reden mit allen dreien über alle Räume. Und dadurch entsteht ein ganz interessanter Dialog schon in der Planung, der eigentlich vorwegnimmt, was so ein Haus ausmacht."

Ab April 2020 soll der Bau wachsen, im Jahr 2023 soll das "House of One" dann eröffnet werden. "Es ist", schaut der Architekt auf das so einmalige Projekt, "natürlich auch enorm schön. Weil sie ihren Beruf auf eine inhaltlich tiefe Weise erfahren, wie es sonst selten möglich ist." Trotz der tosenden Stadt rund um den Bauplatz.

Christoph Strack

© Deutsche Welle 2019

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