CrossCulture-Praktika

Dialog für junge Menschen

Eine Aljazeera-Mitarbeiterin beim Kinderkanal KiKa oder ein deutscher Fotograf bei einem libanesischen Kunstverein - möglich macht dies das Projekt CrossCulture-Praktika, das seit 2004 vom Institut für Auslandsbeziehungen durchgeführt wird. Mona Naggar stellt das Projekt vor.

​​Dima Hwijeh ist 24 Jahre alt. Die junge Syrerin absolviert gerade ein mehrwöchiges Praktikum beim Umweltverein Plenum in Reutlingen. Dima studiert eigentlich Anglistik in Damaskus. Aber seit ihrer Schulzeit engagiert sie sich für den Umweltschutz in ihrer Stadt und arbeitet für den "Syrischen Umweltverein". Sie beteiligt sich an einer Aktion zur Säuberung des Flusses Barada, der durch Damaskus fließt. Oder sie geht an Grundschulen und versucht, bei den Kindern ein Bewusstsein für die Umwelt zu wecken.

Während ihres Praktikums in Reutlingen beschäftigt sie sich mit der Erstellung von Informationen zum Umweltschutz für die Bevölkerung. Sie erstellt eine Studie über Naturschutzgebiete in der Schwäbischen Alb oder sie besucht mit Kollegen Bauernhöfe, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erkunden.

Dima Huweijeh meint, dass sie in Syrien großen Nachholbedarf in diesen Dingen hätten: "Einige Tierarten bei uns sind vom Aussterben bedroht und niemand schert sich darum. Und in meinem Verein haben wir noch nie daran gedacht, mit den Bauern direkt in Kontakt zu treten und mit ihnen zusammenzuarbeiten."

Vom Kinderkanal bis zum Max-Planck-Institut

Dima Huweijeh ist eine der Teilnehmerinnen an dem diesjährigen CorssCulture-Praktikum des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart. Das Programm bietet jungen Menschen aus islamischen Ländern die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen. Sie verbringen mehrere Wochen in Institutionen aus den Bereichen Medien, Umweltschutz, Menschenrechte, Kunst und Kultur oder Bildung. Zum Beispiel absolviert gerade ein Rechtsberater am Institut für Familienberatung in Teheran ein Praktikum bei der Max-Planck-Gesellschaft für ausländisches und internationales Recht in Freiburg. Und im Herbst wird sich eine junge Mitarbeiterin des Aljazeera-Kinderkanals beim deutschen Kinderkanal KiKa umschauen.

Interessenten aus dem Bereich Medien gibt es viele, meint Manuela Höglmeier vom Institut für Auslandbeziehungen (ifa). Gerne würde sie Praktikanten aus dem Verlagswesen vermitteln. Das Praktikum soll auch die Netzwerkbildung zwischen Institutionen und Personen aus Deutschland und den islamischen Ländern unterstützen. Katharina Kilian-Yasin vom Institut für Auslandsbeziehungen kann von erfolgreichen Beispielen berichten. So seien ehemalige Praktikanten im Anschluss an CrossCulture in Programmen und Organisationen aktiv: "Unter den Praktikanten bilden sich auf jeden Fall Netzwerke: So hat zum Beispiel eine Juristin aus dem Iran über das Praktikum eine Juristin aus dem Sudan kennen gelernt und tauscht sich jetzt per Mail mit ihr aus."

Kunstszene in Beirut

Daniel Izquierdo; Foto: ifa
Daniel Izquierdo musste nach Beginn des Krieges aus Beirut flüchten

Aber auch junge Menschen aus Deutschland können mit einem CrossCulture-Praktikum Berufserfahrung in islamisch geprägten Ländern sammeln. Mitte Juli ist der spanischstämmige Daniel Izquierdo aus Beirut zurückgekehrt. ​​Zwei Tage nach dem Beginn der israelischen Angriffe ist es ihm gelungen, die Stadt zu verlassen. Mit einem Bus-Konvoi, der von der spanischen Botschaft organisiert wurde, ist Daniel über Damaskus ausgereist. Der 30-jährige Mitarbeiter einer Fotomarketing-Agentur in Berlin, mit Auslandserfahrung in Belgrad, lernte bei dem libanesischen Kunstverein "Ashkal Alwan" den libanesischen Kunstmarkt kennen.

Er beteiligte sich an der Vorbereitung einer Konferenz und eines Symposiums zu Videokunst und diskutierte ausgiebig mit einheimischen Künstlern. Ein umstrittenes Thema waren die Begriffe "arabisch" und "islamisch", mit denen in der Öffentlichkeit häufig leichtfertig umgegangen wird. Die Identität vieler Libanesen dagegen kann von diesen allgemeinen nationalen und religiösen Bezeichnungen nicht erfasst werden. Trotz des schmerzhaften Endes seines Aufenthaltes war Daniel mit seinem Praktikum rundum zufrieden: "Ich habe mich noch nie so zuhause gefühlt wie im Libanon und in Serbien. Das muss an dieser kulturellen Mischung liegen.

Serbien war ja früher osmanisch, Teile von Spanien standen im Mittelalter unter arabisch-islamischem Einfluss." Erste Pläne zur Zusammenarbeit mit Ashkal Alwan existieren bereits. Wie sich der Kontakt weiter gestalten wird, hängt vor allem von der Entwicklung im Libanon ab. Pro Jahr werden 20 Praktikantenplätze vergeben, 14 Plätze gehen an Bewerber aus islamischen Ländern, sechs Plätze an deutsche Bewerber. Die Nachfrage übersteigt die vorhandenen Stellen bei weitem. Die Auswahl der Praktikanten aus islamischen Ländern erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Botschaften.

Das Institut für Auslandsbeziehungen konnte seit Beginn des Projekts vor zwei Jahren eine beachtliche Zahl von Institutionen aus Deutschland und der islamischen Welt gewinnen, die offen dafür sind, Praktikanten zu entsenden oder solche aufzunehmen.

Mona Naggar

© Qantara.de 2006

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