Corona-Krise in Ägypten

Ein Traum von der guten Zeit danach

Die ägyptische Politik hat lange versäumt, Wissenschaft und Kultur angemessen zu fördern. Wäre es nicht wunderbar, wenn sich das mit der Erfahrung der Corona-Krise ändern würde? Von Khaled al-Khamissi

Auch bei uns in Ägypten steigt die Kurve der Corona-Infizierten täglich. Zwar ist die Zahl der Erkrankten im Vergleich zu einigen europäischen Staaten eher gering, dennoch verkündet der Assistent unseres Gesundheitsministers, die Krankenhäuser mit Isolationsstationen seien an der Grenze ihrer Kapazitäten.

Angesichts der äußerst geringen Anzahl von Intensivbetten und des kümmerlichen Etats für Gesundheit, wissenschaftliche Forschung, Bildung und Kultur frage ich mich, ob diese Seuche bei unseren Politiker zu einem Umdenken führen wird, was die Verteilung von Staatsfinanzen angeht.

Denn das Virus wirft ein Licht auf alles, was an unserem Lebensentwurf falsch ist, diesen wahnsinnigen Wettlauf um immer mehr Konsum, die unvermindert fortschreitende Zerstörung unseres Planeten und die von Menschen gemachte Klimakatastrophe. Doch können wir tatsächlich von einer Zukunft träumen, in der Kultur und Künste, Bildung, Forschung und philosophisches Wissen die Fundamente unseres Lebens ausmachen? Denn das ist es, was uns bleibt, spätestens in einigen Jahrzehnten, wenn die künstliche Intelligenz die meisten Arbeitsbereiche übernommen haben wird.

Was wir wirklich brauchen

Leider meine ich, lautes Gelächter zu hören, das sich über meinen naiven Optimismus amüsiert, über das Vertrauen in das Bewusstsein der Politiker. Und dieses Lachen verheißt, dass wir schneller zu Altbekanntem zurückkehren werden, als wir uns jetzt noch vorstellen.

Produktionsstätte für Atemmasken in Kairo; Foto: picture-alliance/dpa/Xinhua
Denkbar schlecht auf die Corona-Epidemie vorbereitet: "Wie besorgt sind wir alle doch wegen der knappen verfügbaren medizinischen Ressourcen. Doch für diese Bedürfnisse und Notwendigkeiten gibt die ägyptische Regierung nicht einmal das Allernötigste aus. Im Haushalt 2016/17 hat die ägyptische Regierung weniger als zwei Prozent des Bruttosozialprodukts für das Gesundheitswesen bereitgestellt, was umgerechnet lediglich drei Milliarden Euro entspricht", moniert Al-Khamissi.

Doch in den vergangenen beiden Monaten sollte uns bewusst geworden sein, dass neunzig Prozent von dem, was wir kaufen und konsumieren, keine wirkliche Bedeutung für unser Leben hat. Zugleich dürfte uns allen klar geworden sein, was wir tatsächlich benötigen, von medizinischer Versorgung und Bildungseinrichtungen bis hin zu ausreichend Lebensmitteln und sauberem Wasser, um ein gesundes Leben führen zu können.

Nicht zuletzt der Stellenwert der Kultur in unserem Leben. Wer von uns, der derzeit in den eigenen vier Wänden eingesperrt ist, denkt nicht gerade an ein Buch, das er liest, oder an einen Film oder Theaterstück, an ein Lied oder einen Podcast, ja, einen Tanz, zu dem er sich in seiner Wohnung verleiten lässt? Und wie besorgt sind wir alle doch wegen der knappen verfügbaren medizinischen Ressourcen. Doch für diese Bedürfnisse und Notwendigkeiten gibt die ägyptische Regierung nicht einmal das Allernötigste aus. Lassen Sie uns das einmal näher betrachten!

Bescheidene Investitionen in Bildung und Gesundheit

Die 2014 in einer Volksabstimmung verabschiedete Verfassung unseres Landes schreibt Mindestausgaben für Gesundheits- und Bildungswesen und wissenschaftliche Forschung vor. Die Verpflichtung resultiert aus einer jahrzehntelangen Unterversorgung dieser lebenswichtigen Bereiche durch die Regierungen.

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