Wer nicht von zu Hause arbeiten kann, kommt nur jeden zweiten Tag zum Dienst. Amal Ibrahim, Mutter von vier Kindern, ist seit einer Woche im Home-Office. Dabei erleidet sie das gleiche Schicksal wie Mütter in Deutschland. Ihre kleinste, elfjährige Tochter findet es toll, wenn Mutti zuhause ist und fragt alle fünf Minuten, ob sie Zeit für sie hätte oder etwas erklären könnte. An konzentriertes Arbeiten ist dabei nicht zu denken.

Corona-Krise als Vorwand zur Repression?

Andererseits gibt es immer mehr Menschen, die ihrer Regierung nicht glauben und die das Szenario als eine weitere Maßnahme zur Unterdrückung und Freiheitsberaubung empfinden. Als vor zwölf Jahren im Bürgerkrieg monatelang Ausgangssperre im Irak verordnet wurde, war die Bedrohung sichtbar. Bomben explodierten, Sprengsätze konnten jeden treffen, Tote lagen auf den Bürgersteigen. Jetzt ist die Gefahr unsichtbar.

Außerdem sterben fast täglich Demonstranten, erschossen von Schiitenmilizen am Tahrir-Platz, werden Protestler gekidnappt und tagelang festgesetzt, auch gefoltert, um Geständnisse und Informationen zu erpressen. "Da ist es schwer einzusehen, dass wir jetzt wegen eines Virus zuhause bleiben sollen", sagt Maha in einem Protestzelt auf Bagdads Tahrir-Platz. "Die wollen uns damit nur ausrotten."

Demokratie-Aktivisten auf dem Tahrir-Platz in Bagdad; Foto: Reuters
"Die wollen uns damit nur ausrotten": Die Ausbreitung des Coronavirus im Irak bedeutet für die Demokratiebewegung auf dem Tahrir-Platz in Bagdad einen schweren Schlag, da die Regierung die Versammlungsfreiheit weiter drastisch einschränkt. Laut Gesundheitsministerium liegt die Zahl der Infizierten bei knapp 200 Personen. Die tatsächliche Zahl dürfte aber weitaus höher liegen.

Der Irak hat drastische Maßnahmen ergriffen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet, obwohl bis jetzt offiziell - laut Gesundheitsministerium in Bagdad - nur knapp 200 Personen infiziert sind. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte aber weitaus höher liegen. Was allerdings als sehr wahrscheinlich erscheint, ist die Sterberate: 20 Personen sind an Covid-19 bereits gestorben. Im Verhältnis zu den Infektionen ist das viel.

Unfähig, der Epidemie wirksam zu begegnen

Der irakische Gesundheitsminister, Jaafar Allawi, räumt ein, dass das Land unfähig sei, der neuen Epidemie zu begegnen. Sollte sich das Virus wie in anderen Ländern ausbreiten, "haben wir keine Kapazitäten, um es zu bekämpfen. Wir haben keine Behandlungsmöglichkeiten." Man habe die Regierung um fünf Milliarden US-Dollar gebeten, um eine bessere Bekämpfung des Corona Virus zu ermöglichen, doch bis jetzt gibt es keine zusätzlichen Mittel.

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