Bürgerkrieg in Syrien

Hintergrund: Die wichtigsten Akteure im Syrienkrieg

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist nicht zuletzt deshalb schwer zu lösen, weil es viele Akteure mit eigenen Interessen gibt. Ein Überblick von Jan Kuhlmann

REGIME: Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Assad lehnt einen Rücktritt ab.

ISLAMISCHER STAAT (IS): Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

REBELLEN: Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, einem kampfstarken Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida.

OPPOSITION: Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen (HNC), dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

DIE KURDEN: Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurdenpartei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei. Das Nato-Mitglied Türkei bekämpft den bewaffneten Arm der PYD.

DIE USA UND DER WESTEN: Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte «Augsburg», die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

RUSSLAND: Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

IRAN: Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

SAUDI-ARABIEN UND DIE TÜRKEI: Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern. (dpa)

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Leserkommentare zum Artikel: Hintergrund: Die wichtigsten Akteure im Syrienkrieg

Eine gute Übersicht.
"Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern Assads Sturz. .... Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern. (dpa)"
Es ist da hinzuzufügen, dass die Rebellengebiete in Nordwestsyrien sehr stark von der Türkei abhängen, dass dort auch die türkische Währung verwendet wird. Die Türkei will also nicht nur ein zusammenhängendes Kurdengebiet in Nordsyrien verhindern, sondern auch die Niederlage der von ihr unterstützten (muslimbruder-islamistischen und mit der radikalislamistischen Nusra-Front kooperierenden) Rebellengruppen
(das letztere gilt auch für Saudi-Arabien).

benita schneider25.02.2016 | 19:08 Uhr