Buchtipp Olivier Roy: ''Der falsche Krieg''

Absage an den Kampf der Kulturen

Der französische Politikwissenschaftler und Islamismusexperte Olivier Roy will mit seinem neuen Buch die Idee einer "Geostrategie des Islam" widerlegen - und damit auch die These vom Zusammenprall der Kulturen. Loay Mudhoon hat das Buch gelesen.

​​Angesichts der fatalen Fehler der US-Administration im Kampf gegen den internationalen Terrorismus habe sich die politische Lage in der muslimischen Welt insgesamt massiv verschlechtert. Vor allem aber der Irak-Krieg im Jahre 2003, der bekanntlich ganz im Zeichen neokonservativer Pläne zur "revolutionären Demokratisierung" des Nahen Ostens stand, erweise sich als ein kapitaler Fehlschlag, der die Autorität und moralische Kreditwürdigkeit der einzigen verbliebenen Weltmacht schwer beschädigte. Der Krieg des Westens sei falsch, weil er die moderaten Kräfte in den islamischen Ländern schwäche und antiwestliche Kräfte letztendlich stärke.

Keine "Geostrategie des Islam"

Mit seinem neuen Buch verfolgt Roy primär das Ziel, "die Idee zu widerlegen, es gäbe eine 'Geostrategie des Islam', die alle gegenwärtigen Konflikte von Palästina über die Pariser Vorstädte bis zu Bin Laden erklärte." Die Konflikte und Umbrüche, die er genau unter die Lupe nimmt, "stützen keineswegs die vorherrschende These vom Zusammenprall der Kulturen und der Konfrontation zwischen der muslimischen Welt und dem Westen." Laut Roy ist eine selbstkritische Analyse seitens der westlichen Machteliten gefordert.

Dennoch: Er liefert in seiner anregenden Lektüre keine einfachen Antworten - und keine Lösungsformel für die komplexen Probleme im islamischen Krisenbogen. Sein Ratschlag an westliche Entscheidungsträger fällt vielleicht deshalb einfach und zugleich einleuchtend aus: Mehr Aufmerksamkeit für die innerislamischen Konflikte im "Erweiterten Mittleren Osten".

Loay Mudhoon © Qantara.de 2008

Olivier Roy: Der falsche Krieg. Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens. Siedler Verlag, München 2008.

 

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