Der Kriegszustand in der Region findet kein Ende, weil verschiedene Länder die Kontrolle abgeben, auf wichtige Herrschaftsgebiete verzichten und die betroffenen Staaten und ihre hilflose Bevölkerung destabilisieren. Sie nehmen ihre Verpflichtungen auf dem internationalen Parkett nicht wahr, ignorieren die Beschlüsse der Vereinten Nationen und machen so nicht nur aus der internationalen Legitimität, sondern auch aus dem Völkerrecht und der humanitären Solidarität leere Worthülsen, die kaum eine Hoffnung mehr auf eine Zukunft ohne Unterdrückung, Versklavung und Aggression lassen.

Vor dem Hintergrund der zu erwartenden neuen Konfrontationen in der syrischen Provinz Idlib kommt dieser Erkenntnis gerade jetzt eine besondere Bedeutung zu. Russland und sein Lakaie Assad suchen derzeit nach einem Vorwand, um dort eine Offensive zu starten und die Kontrolle über die Region zu erlangen, ungeachtet der katastrophalen Konsequenzen für die Bevölkerung und die benachbarten Staaten, die dann die Aufnahmen von Millionen neuer Flüchtlinge fürchten müssten.

Zivilisten als Schutzschilde

Vielleicht aber ist das auch genau die Absicht. Und angesichts dessen reiben sich der IS und seine Waffenbrüder bereits in der Erwartung die Hände, dass der Kampf um Idlib ihnen eine Chance bietet, ihren Widersachern eine vernichtende politische und moralische Niederlage beizubringen, wenn schon keine militärische. Dadurch könnten sie ein bisschen verlorenen Boden und strategische Glaubwürdigkeit wiedergutmachen. Um diesen "Sieg" zu erreichen, missbrauchen sie die Zivilisten als Schutzschilde, so dass es im Zweifelsfall ihre Gegner sind, die sie töten und vertreiben.

Es ist keine Lösung für das Terrorproblem, Zivilisten mit Gegenterror zu überziehen und mehr Massengräber anzulegen als die Terrormilizen selbst. Auch die in den vergangenen Jahren praktizierte gleichgültige Inkaufnahme hoher ziviler Verluste und die Opferung ganzer Städte und Regionen, um den IS und seine Gesinnungsgenossen zum Ortswechsel zu zwingen und sie in manchen Fällen mit klimatisierten Bussen der russischen Regierung in andere Gebiete zu bringen, trägt nicht zur Lösung bei.

Wie kürzlich in Suweida, werden die Islamisten teils sogar als Druckmittel gegen die Bevölkerung eingesetzt, um sie angesichts der hohen Opferzahlen unter den Zivilisten zur Kapitulation zu bewegen. Der Kampf gegen den Terror kann aber nicht gewonnen werden, indem man mehr Zivilisten tötet als die Terroristen selbst. Im Gegenteil, dieses Vorgehen stärkt sie und hilft ihnen bei der Rekrutierung neuer Kämpfer, denn es fördert den Hass und den Rachedurst, den sie brauchen, um ihre verabscheuungswürdigen Taten zu rechtfertigen.

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